Titelaufnahme

Titel
Die zivil- und standesrechtliche Haftung der Rechtsanwälte im Rechtsvergleich mit Deutschland und der Schweiz / Christian Mayr
Weitere Titel
Die zivilrechtliche und standesrechtliche Haftung der Rechtsanwälte im Rechtsvergleich mit Deutschland und der Schweiz
VerfasserMayr, Christian
Betreuer / BetreuerinGanner, Michael
Erschienen[2015]
Umfang205 Bl.
HochschulschriftInnsbruck, Univ., Diss., 2015
Datum der AbgabeDezember 2015
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Haftung / Zivilrecht / Standesrecht / Rechtsvergleich / Rechtsanwalt / Sachverständiger / §1299ABGB
Schlagwörter (GND)Deutschland / Schweiz / Rechtsanwalt / Berufshaftung / Sachverständiger / Standesrecht / Rechtsvergleich
Zugriffsbeschränkung
 Das Dokument ist ausschließlich in gedruckter Form in der Bibliothek vorhanden.
Links
Nachweis
Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Durch die Bearbeitung dieser Dissertation habe ich umfassende Einblicke in den Berufsstand der Rechtsanwälte erhalten. Grundsätzlich sieht sich der Rechtsanwalt einem breiten Haftungsspektrum gegenüber. Aufgrund der Vielzahl an anwaltlichen Pflichten sind denkbar viele Haftungsansprüche möglich. Anwälte prästieren dabei nicht nur vertraglich oder deliktisch, sondern eben auch disziplinarrechlich für ihre rechts- bzw vertragswidrigen Handlungen oder Unterlassungen. Der Anwalt hat sich nicht nur von seinen unzufriedenen Mandanten vorzusehen, sondern auch von Rechtsanwaltskollegen oder Dritten im Rahmen der deliktischen bzw disziplinarrechtlichen Haftung. Diese Situation ändert sich im Hinblick auf den durchgeführten Rechtsvergleich zu Deutschland und der Schweiz keineswegs. Im deutschsprachigen Raum sind die disziplinarrechtlichen Maßnahmen gegen Rechtsanwälte weitgehend harmonisiert bzw ähnlich. Wobei aber Beispiele durchaus gezeigt haben, dass sich teils starke Abweichungen im Strafmaß ergeben können. Ich beziehe mich hier auf die Disziplinargerichtsbarkeit in der Schweiz, welche in jedem der 26 Kanton unterschiedliche Strafmaßnahmen vorsieht bzw vorsehen kann. Zivilrechtlich sind aufgrund des nahezu identen Pflichtenumfangs, mit Außnahme der deutschen und schweizerischen Fachanwaltschaft, kaum spürbare Unterschiede vorhanden. Das Verfassen dieser Dissertation hat mir (regelrecht) aufgezeigt, dass eine beträchtliche Anzahl an Fallkonstellationen vorherrscht, bei denen zwar der Rechtsanwalt für seine haftungsrechtliche Inanspruchnahme vollständig einstehen muss, ihn aber eigentlich keine „Schuld“ trifft: Zum einen ist es nicht Aufgabe des Advokaten, dem Mandanten einen gewissen Erfolg zu garantieren. Die Rechtsfrage kann noch so eindeutig, die Rsp noch so unterstützend, der Richter noch so genehm sein. Es ist sich aber in diesem Zusammenhang besonders zu verinnerlichen, dass der gewünschten Prozessausgang nicht in den (alleinigen) Händen des noch so vorbereiteten und pflichtbewussten Rechtsanwalts liegen kann. Zeugen können nämlich unerwartet benachteiligend bzw. sich nicht mehr erinnern wollend, aussagen, Richter unerwartet anders denken, Mandanten unvorhergesehen physischen oder psychischen Belastungen erliegen. Zum anderen ist das Rechtsproblem selbst nicht immer eindeutig lösbar bzw vorhersehbar, weil- 195 -Kapitel XII. Zusammenfassung und Ausblick etwa Judikate gänzlich fehlen, es keine klare gesetzliche Lösung für ein Detailproblem gibt oder der Sachverhalt anders dargestellt werden muss, damit der Mandant bessere Prozesschancen hat. Die Lösung des Rechtsproblems kann aber auch daran scheitern, dass wichtige Beweise nicht (schriftlich) vorhanden sind oder man im Guten Glauben dem Geschäftspartner gegenüber auf Schriftlichkeit verzichtet hat. An dieser Stelle ist auch an die zeitliche Komponente zu erinnern: Ein Sachverhalt kann entschieden anders (richterlich) gewertet bzw (anwaltlich) vorbereitet werden, wenn ausreichend Zeit zur Vorbereitung zur Verfügung steht. Es zeigt sich nämlich, dass Mandanten tendenziell erst „in letzter Sekunde“ an einen Rechtsanwalt herantreten. Vergleicht man die Rechtswissenschaft mit der Medizin, so ist man sich in diesem Bereich sehr wohl bewusst, wohl aufgrund des schwerwiegenderen Eingriffe in menschliche Körper im Verhältnis zu „bloßen“ Vermögensschäden im Bereich der Anwaltshaftung, dass hier Spezialisierungen erforderlich sind, um Patienten vor Schäden zu wahren. Schließlich ist dem einzelnen sehr wohl bewusst, dass die Behandlung eines Kopftumors nicht von seinem Hausarzt (Kenntnisstand) durchgeführt werden kann. Dieses Verständnis ist im Bereich der Rechtswissenschaft (noch) anders. Durch den Rechtsvergleich ist unter Umständen absehbar geworden, dass eine staatlich vorgeschriebene und geregelte Spezialisierung für Rechtsanwälte der Rechtspflege von Vorteil sein kann. Die anwaltliche Praxis zeigt jedoch, dass sich die Advokaten (von selbst) spezialisieren. Problematischer Weise können Mandanten die angegebene bzw sich selbst verliehene Spezialisierung nicht ausreichend erkennen. Trotz problemorientiertem Weitblick in der Sache, ist Haftungsquelle ersten Ranges der Rechtsanwalt selbst. Meist liegt das „Übel“ nicht in dem zu erarbeitendem Wissenstand, sondern in der Masse der Fälle. Unter dieser leiden einzelne zeit- und kostenintensive Mandate, denen mangels hohem Streitwert weniger Beachtung beigemessen wird. Nichtsdestotrotz stehe ich am Beginn meiner Karriere als zukünftiger Rechtsanwalt/Konzipient. Durch mein nunmehriges Wissen bin ich auf meine berufliche Zukunft vorbereitet und hoffe, dass ich meine Dissertation niemals als Nachschlagewerk verwenden muss, um mich bestens gegen meinen (ehemaligen) Mandanten vorzubereiten.