Titelaufnahme

Titel
Our Town? / Simone Sandholz
VerfasserSandholz, Simone
Begutachter / BegutachterinKraas, Frauke ; Boon Thong, Lee
Betreuer / BetreuerinCoy, Martin
Erschienen2015
UmfangXVI, 345 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt.
HochschulschriftInnsbruck, Univ., Diss., 2015
Datum der AbgabeOktober 2015
SpracheEnglisch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Stadterneuerung / Stadtidentität / Kulturerbe / Entwicklungsländer / Kathmandu / Yogyakarta / Recife
Schlagwörter (EN)Urban Regeneration / Urban Identity / Cultural Heritage / Entwicklungsländer / Kathmandu / Yogyakarta / Recife
Schlagwörter (GND)Südliche Hemisphäre / Katmandu / Yogyakarta / Recife / Verstädterung / Stadtentwicklung
Zugriffsbeschränkung
 Das Dokument ist ausschließlich in gedruckter Form in der Bibliothek vorhanden.
Links
Nachweis
Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Weltweit verfügen zahlreiche Stadtkerne (noch) über historische Bausubstanz, oft intrinsisch verbunden mit immateriellen Werten, Glauben, Gebräuchen oder Ritualen.

Gleichzeitig ziehen Prozesse der Urbanisierung und sich ändernde Lebensstile auch Veränderungen des Stadtbildes nach sich. Insbesondere ökonomische Entwicklung kann dabei zu fundamentalen Veränderungen führen: Während wirtschaftlicher Niedergang sich im Verfall von historischer Bausubstanz äußern kann, sind die Folgen eines Wirtschaftsaufschwungs oft weitreichender und äußern sich beispielsweise in Vertikalisierung oder Gentrifizierung. Sich ändernde Paradigmen und der Wunsch nach ‚Modernität‘ führen zu einem Wandel des Stadtbildes, dem allzu oft historische Bausubstanz zum Opfer fällt ohne Rücksicht auf die mit ihr verbundenen immateriellen Werte. Insbesondere Städte im Globalen Süden sind davon betroffen.

Trotz vorhandener Potenziale, das städtische materielle und immaterielle Kulturerbe zu erhalten, sind die gesetzlichen Rahmen oft unzureichend oder im Ansatz veraltet, zusätzlich behindert von einer unzulänglichen Umsetzung in der Praxis. Darüber hinaus entstammen weltweite Paradigmen von Kulturerbe und Denkmalschutz einem Euro-Amerikanischen Verständnis und sind nicht immer angemessen für andere kulturelle oder regionale Gegebenheiten. Während der globale Referenzrahmen, geprägt durch Akteure wie UNESCO oder internationale Netzwerke, sich im Verlauf der letzten Jahre hin zu einem holistischeren Verständnis von Kulturerbe unter Einbeziehung immaterieller Werte geändert hat, bleiben nationale und städtische Ebenen bisher zumeist dahinter zurück. Dies ist insbesondere der Fall in Städten des Globalen Südens, die ohnehin vergleichsweise größeren Herausforderungen gegenüberstehen, wie etwa Informalität, Stadtwachstum und einem Mangel an finanziellen Ressourcen. Eine Konsequenz ist der Verlust von historischer Bausubstanz, auch immaterielle Werte wie traditionelle Bräuche und Werte finden wenig Berücksichtigung und sind vom Verlust bedroht.

Die vorliegende Dissertation hat ein vertieftes Verständnis der Herausforderungen von Städten des Globalen Südens hinsichtlich des Erhalts ihres Kulturerbes zum Ziel. Sie argumentiert, dass städtisches materielles und immaterielles Kulturerbe einen Wert besitzt, der über den reinen Objektwert hinausgeht, sondern vielmehr einen identitätsstiftenden Charakter für die städtische Bevölkerung hat. Die empirische Arbeit basiert auf drei Fallstudien in Katmandu in Nepal, Yogyakarta in Indonesien und Recife in Brasilien; Städten, die über historische Kerne und damit verbundene immaterielle Werte verfügen.

Der Vergleich der Fallstudien verdeutlicht Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umgang mit städtischem Kulturerbe, mit Strategien der innerstädtischen Erneuerung, sowie in der Bedeutung, die dem materiellen und immateriellen Kulturerbe beigemessen wird. Den drei Städten ist gemein, dass der historische Kern und dort verortete Gebräuche und Traditionen von Bedeutung für die lokale Bevölkerung sind. In allen Fällen stellen teilweise unkontrollierte Urbanisierungsprobleme eine Bedrohung für das innerstädtische Kulturerbe dar, trotz großer Unterschiede in der Form und Effizienz, die der jeweilige gesetzliche Schutz bieten kann.

Auf die Analyse der Bedeutung der historischen Innenstädte für die Ausbildung einer städtischen Identität folgen Rückschlüsse auf die Sinnhaftigkeit globaler Kulturerbe-Paradigmen in Nicht-Westlichen Kontexten, sowie auf den Bedarf holistischer Ansätze zur Erhaltung von Kulturerbe in seiner Bandbreite an Ausprägungen.

Zusammenfassung (Englisch)

Many cities around the globe, (still) comprise of historic fabric, particularly in the urban core areas. Very often intangible values, such as beliefs, events, habits or rituals are intrinsically linked with it.

At the same time, ongoing urbanisation and changing preferences or lifestyles potentially alter the urban outline. Particularly economic development has the potential to fundamentally change the urban appearance of a quarter or even the city as a whole. While an economic decline very often results in decay of the historic fabric, an economic upturn might have even bigger impacts, like verticalisation or gentrification. In parallel, changing urban paradigms and wishes for ‘modernity are triggering supposedly fashionable urban appearance, leading to an increasing grade of uniformity. In this way, historic fabric often is sacrificed for the sake of presumed modernity, without consideration of the intangible added values. Particularly cities in developing countries are struggling somewhere within a transformation between a ‘Third-World City on the way to become a ‘global one, leaving the ‘old and presumably outdated behind.

Processes to preserve urban heritage - tangible and increasingly intangible ones - do exist. How-ever, often legal policies are insufficient or outdated in their approach, and their execution may be deficient. Furthermore, global paradigms on heritage and preservation mostly emerged from a Euro-American background, and are not always adequate for different cultural or regional back-grounds. While the global reference frame, with actors like UNESCO or different regional networks, is slowly changing and moving towards more holistic concepts of heritage considering intangible values as well as the global variety of cultural backgrounds and traditions, the national and urban are often lacking behind - particularly intangible values are hardly addressed. This is again especially true for the Global South where traditional understanding of conservation as a process, and not something static, and related practises may even contradict international paradigms and even relevant legislation. In addition, these cities are confronted with comparably higher challenges: namely urbanization, lack of available budgets, high levels of informality and insufficient means of protection. As a consequence, historic fabric is destroyed; intangible assets like traditional customs and beliefs are not cherished and may vanish easily.

Therefore, this dissertation aims at gaining a better understanding of the challenges that cities in the Global South are facing, regarding the preservation of their tangible and intangible heritage. It argues that urban heritage has a value going beyond the mere object value; constituting a crucial source of identity for urban inhabitants. The same is true for the urban intangible values and practices which often are associated with places or buildings. The empirical research is based on case studies of Kathmandu in Nepal, Yogyakarta in Indonesia and Recife in Brazil; three cities that still comprise of core areas with a high percentage of historic fabric and distinct cultural expressions.

The comparative study of the three areas reveals the similarities and differences of urban conservation policies, past and present upgrading strategies in the core areas, and the importance of tangible and intangible heritage. All three cities share that urban heritage, habits and beliefs are still of importance to the population. While there are significant differences in the kind and level of protection the legal system provides, partly uncontrolled urban dynamics pose a threat to all of them.

After analysing the importance of heritage in shaping urban identities, central conclusions are drawn on the meaningfulness of global heritage paradigms in local non-Western contexts, and the need for integrated approaches considering the different facets of heritage as a whole.