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Titelaufnahme

Titel
Informel in Österreich : Kunst aus Österreich im internationalen Kontext / Verfasser Moschig Günther
VerfasserGünther, Moschig
Begutachter / BegutachterinSybille Karin, Moser-Ernst
GutachterChristoph, Bertsch
Erschienen2015
Umfang171 Bl. : Ill.
HochschulschriftInnsbruck, Univ., Diss., 2015
Datum der AbgabeSeptember 2015
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Informelle Kunst / Kunst in Österreich nach 1945 / Abstrakte Malerei / Kulturtransfer
Schlagwörter (EN)Informal Art / Art in Austria since 1945 / Abstract Painting / Cultural Transfer
Schlagwörter (GND)Österreich / Informel / Österreich / Abstrakte Malerei
URNurn:nbn:at:at-ubi:1-3921 Persistent Identifier (URN)
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Informel in Österreich [64.75 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Möglichkeiten informeller Malerei wurde in den 1990er Jahren von Künstlerinnen und Künstlern als Ausdruck menschlicher Wahrnehmung und als individuelle Geste wiederentdeckt. Nach dem Fall der „Berliner Mauer“ und des „Eisernen Vorganges“, der Auflösung der West-Ostblöcke des „Kalten Krieges“ 1989 und mit der folgenden politischen Neuorganisation Europas hat sich auch die Kunstgeschichte heute über 50 Jahre nach dem Entstehen informeller Malerei die in den Nachkriegsjahren des „Zweiten Weltkrieges“ von der Kunst formulierte Frage nach einem humanen Menschenbild neu zu stellen. Damit muss aber auch der von der amerikanischen Außenpolitik der 1950er Jahre angestrengte Begriff der „Weltkunst“ als globale Kunst neu gedacht werden.

Die informelle Malerei in Österreich, in Einzelmonografien weitestgehend abgehandelt, wird in einem Überblick über ihre frühen Jahre von 1947 bis 1958 als Teil eines internationalen Phänomens gesehen. Die Frage nach den Entstehungsbedingungen informeller Malerei führt einerseits zur Untersuchung nationaler, wie internationaler kunsthistorischer Kontinuitäten und Brüche, andererseits aber auch dazu, den Verschränkungen von Kunst, Kunstgeschichte, Politik und Gesellschaft nachzugehen.

Für die Entwicklung der informellen Malerei in Österreich sind zwei Faktoren entscheidend. Zum einen ein internationaler Kulturtransfer, in dem vor allem Paris und der Vermittlerrolle Michel Tapiés eine Schlüsselrolle zukommt, zum anderen das Engagement junger österreichischer Künstlerinnen und Künstler, die in der Aufbruchsstimmung der späten 1940er Jahre den Anschluss an die internationale Kunst gesucht hatten. Dass dies sehr schnell gelang belegen die Künstlertexte von Maria Lassnig, Arnulf Rainer, Oswald Oberhuber, Hans Staudacher und Markus Prachensky. Diese Künstlerinnen und Künstler hatten sich aber auch im restaurativen Klima der jungen 2. Republik zu behaupten. Für die meisten der Vertreterinnen und Vertreter des österreichischen Informel, war diese gestische Malerei nur eine Übergangsphase, für wenige ein Lebensprojekt.

Die 1950er Jahre waren ein Experimentierfeld für die österreichische Kunst. Wenn auch im Vergleich mit den USA und Frankreich andere soziale und kulturhistorische Rahmenbedingungen gegeben waren, so liegen die historischen und intellektuellen Wurzeln des Informel in Österreich im Surrealismus der 1920er Jahre, im daraus entwickelten „Abstrakten Expressionismus“ und im französischen Informel und nicht in der Tradition einer österreichischen Kunst. Mit der Idee das Tafelbild zu erweitern und den Begriff des „Sujets“ neu zu denken bereitete das Informel in Österreich dem „Wiener Aktionismus“ den Weg.

Zusammenfassung (Englisch)

the 1990s artists rediscovered the possibilities of informal art as an expression of human perception and as an individual gesture. Following the fall of the Berlin Wall and the Iron Curtain and the breaking up of the Western and Eastern Blocs of the Cold War era in 1989, and in the light of the subsequent political reorganization in Europe, the issue of a humane conception of mankind raised by arts movements in the wake of the Second World War must be taken up anew by art historians today, more than fifty years after informalism first entered the stage. This also necessitates a redefinition of the concept of “world art”, brought into play by US foreign policymakers in the 1950s, in terms of global art.

By giving an overview of its early years from 1947 to 1958, Informal Art in Austria (whose individual protagonists have already been exhaustively researched) is approached as part of an international phenomenon. The question which conditions led to the origin of informal art entails firstly, an analysis of national and international art historical continuities and breaks, and secondly, an investigation of the links between art, art history, politics and society.

The development of informal art in Austria was shaped by two essential factors: on the one hand an international cultural transfer, in which especially Paris and Michel Tapié as an intermediary played a key part, and on the other hand the commitment of young Austrian artists endeavoring to establish connections with the international art scene in the late 1940s atmosphere of post-war awakening. The texts by Maria Lassnig, Arnulf Rainer, Oswald Oberhuber, Hans Staudacher and Markus Prachensky show that these efforts were soon crowned with success. These artists were also faced with the challenge of standing their ground in the conservative climate of the newly founded Second Republic of Austria. For most representatives of Austrian informal Art, this form of gestural painting was no more than a transitional phase, only a few of them adopted it as a project for life.

The 1950s were a time of experimentation for Austrian artists. Even though the social and cultural-historical conditions differed compared to the USA and France, the historical and intellectual roots of Austrian informalism can nevertheless be traced back to the surrealism of the 1920s, the ensuing “abstract expressionism” movement and French informalism, rather than to any Austrian art tradition. By introducing the idea of expanding the panel painting and rethinking the concept of the “subject”, informalism paved the way for Viennese Actionism in Austria.