Titelaufnahme

Titel
Die Zivilisierung der Barbaren : Literarischer Topos und politisches Ethos von der späten Republik bis ins dritte Jahrhundert nach Christus / vorgelegt von Jonas Scherr
VerfasserScherr, Jonas
Betreuer / BetreuerinBernstein, Frank ; Bichler, Reinhold
Erschienen2015
Umfang453 S. : Ill.
HochschulschriftInnsbruck, Univ., Diss., 2015
Datum der AbgabeJuli 2015
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Diskursgeschichte / Geistesgeschichte / Literaturgeschichte / Sozialgeschichte / Römisches Reich (1. Jh. v. Chr. - 3. Jh. n. Chr.) / Barbaren / Romanisierung / Hellenisierung / Assimilation / Integration / Ausgrenzung / Diskriminierung
Schlagwörter (GND)Römisches Reich / Literatur / Fremdheit / Motiv / Geschichte 100 v. Chr.-300 / Römisches Reich / Kultur / Zivilisation / Fremdheit / Akkulturation / Geschichte 100 v. Chr.-300
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Zusammenfassung (Deutsch)

Ausgangsfragen und Zielsetzung des Projekts

Ausgangspunkt der Arbeit ist das Phänomen des kulturellen Wandels in den ‚barbarischen‘ Provinzen des Imperium Romanum im Zeitraum zwischen dem Ende des Bundesgenossenkrieges und der Constitutio Antoniniana. Die dort ansässige, zum Zeitpunkt der Eingliederung in das Imperium weder griechisch- noch lateinischsprachige Bevölkerung durchlebte in dieser Zeit einen massiven und fundamentalen Prozess des Kulturtransfers, der unter den verschiedensten Bezeichnungen etwa Romanisierung, Romanisation, Hellenisierung, Mediterranisierung, Creolization, um nur einige zu nennen erforscht wird. Dabei ist eine der zentralen und besonders heftig umstrittenen Fragen, inwieweit diese(r) Prozess(e) von Rom intendiert oder gar gesteuert gewesen sei(en). Die Arbeit soll durch eine eingehende, um die Rekonstruktion einer emischen Perspektive bemühte Analyse der erhaltenen Fragmente des Diskurses, der über dieses Phänomen der ‚Zivilisierung der Barbaren‘ unter den Eliten des Reichs geführt wurde, einen grundlegenden Beitrag zur genannten Debatte liefern.

Die Themenstellung der Dissertation umfasst also die Untersuchung des politischen und literarischen Diskurses über die Romanisierung und Hellenisierung ‚barbarischer‘ Menschen im Römischen Reich im Zeitraum zwischen der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts vor Christus und dem beginnenden dritten Jahrhundert nach Christus. Die zentralen Forschungsfragen lauten:

Wie wurden die provinzialen Wandlungsphänomene, die heute meist als ‚Romanisierung‘ oder ‚Hellenisierung bezeichnet werden, von den politischen und kulturellen Eliten des Römischen Reiches bewertet?

Wie, weshalb und wozu wurden sie sprachlich erfasst, ausgedrückt und verargumentiert?

Inwieweit sind die Quellenstellen, die solche kulturellen Veränderungen bzw. ihre gezielte Herbeiführung schildern, von literarischer Topik durchzogen und bestimmt?

Wie veränderten sich die auf provinziale Prozesse kulturellen Wandels bezogenen Einstellungen der Eliten des Reiches im Zeitverlauf?

Wie entwickelte sich die mit diesen Einstellungen korrespondierende literarische Topik?

Darstellung der erzielten Ergebnisse

Jene Phänomene, die in Nachvollziehung einer emischen Perspektive in dieser Arbeit als „Zivilisierung“ angesprochen werden, wurden im Untersuchungszeitraum (1. Jh. v. Chr. bis 3. Jh. n. Chr.) auf sehr auffallende Weise sprachlich erfasst. Es handelt sich diesbezüglich regelmäßig um die Behebung zuvor durch sprachliche Mittel diagnostizierter Missstände. Wo Barbaren etwa als ungebildet, kriegerisch, tierhaft oder asozial gelten, werden sie korrespondierend gelehrt und gebildet, befriedet, gezähmt, verträglich gemacht. So kann ein Zivilisator etwa barbarischer feritas mit domare, mit begegnen, der rudes kann durch erudire abgeholfen werden, der immanitas durch humanitatem dare, und wenn Barbaren sind, mag eine geeignete Gegenmaßnahme darstellen. Sprachlich sind also Zivilisierungsdiskurse in den meisten Fällen direkt auf Barbarendiskurse bezogen. Demgemäß kommt etwa auch die so auffällige Lexik der Domestifikation von Tieren vor allem dort zum Einsatz, wo tierische Wildheit als Merkmal der betreffenden Barbaren unterstellt wird. Zivilisierung ist insgesamt zudem häufig negativ formuliert, wird also etwa als barbariam delere ausgedrückt oder als Vorgang der begriffen. Die Vorstellung von der Überwindung der Natur durch die Kultur findet somit deutlich sprachlichen Ausdruck.

In diesem Zusammenhang betrachtet ist es auch wenig überraschend, dass ein Terminus wie vergleichsweise spät und selten auftritt. Denn das Nichtgriechentum von Barbaren stellt zwar zweifellos in einem tieferen Sinn die zentrale Basis ihrer Stigmatisierung und Ausgrenzung durch Griechen dar. Doch dies bedeutet nicht, dass die völlige Behebung diesen Umstandes von letzteren häufig ins Auge gefasst worden wäre. Denn schon auf sprachlicher Ebene geht es in Diskursen um die aktive Zivilisierung von Barbaren meist nicht eigentlich um kulturelle oder soziale Integration, sondern viel eher um das Beseitigen von Bedrohungen oder Störfaktoren. Im Vordergrund steht also meist nicht die Auflösung von Fremdheit und Differenz, sondern lediglich deren Reduktion. So ist es etwa erwünscht, dass ein Barbar Griechisch lernt, um Verständigungsschwierigkeiten auszuräumen dass er Grieche werden, gar etwa Ansprüche auf poltische Integration stellen könnte, ist hingegen nicht intendiert. Sofern antike Zeitgenossen diese Möglichkeit in Betracht zogen, stellte ersteres zweifellos eine Vorbedingung für letzteres dar. Dementsprechend ist in gewisser Weise weniger die geringe Verbreitung eines Verbs wie erstaunlich, sondern ganz im Gegenteil eher dessen schiere Existenz. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass wir das Verb nur in den Texten ‚zivilisierter Barbaren‘ im Sinne des positiven, personellen ‚Eingriechens‘ finden. Es sind mithin im erhaltenen Material nur jene, welche von Vorstellungen der vollen Integration in den griechischen Kosmos profitieren, die solche Vorstellungen auch sprachlich propagieren.

Mit solchen Überlegungen decken sich die Einsatzmöglichkeiten von Zivilisierungsmotivik in der Literatur der untersuchten Zeitspanne. Da ist zunächst einmal der Zusammenhang mit der Motivik des Kulturheroen. Traditionell gehen solche Figuren Besitznahmen barbarischer Regionen durch Vertreter der griechisch-römischen Welt voran, bereiten die Zivilisation vor. Dazu kann gehören, etwaige Barbaren in der betreffenden Region umzubringen, zu vertreiben, zur vertraglichen Einigung zu bewegen oder sie eben zu ‚bezähmen‘, im engeren Sinne zu zivilisieren und auf diese Weise ihr Gefahrenpotential zu vermindern. Damit besteht ein enger Zusammenhang mit den Rollen des Eroberers und/oder des Siedlers und Gründers. In solchen Zusammenhängen ist die Imago des Zivilisierers regelmäßig ein Instrument der gezielten rhetorischen bzw. literarischen Positivdarstellung, teilweise auch echter Enkomiastik. Ähnlich verhält sich dies, wenn die Protagonisten nicht als Eroberer und Überwinder, sondern als Herrscher über barbarische Untertanen auftreten. In diesem Fall ist oft ein gewissermaßen apologetischer Aspekt zu beobachten: der politische Anführer wertet als Zivilisierer sein Gemeinwesen auf, macht es ehrbar.

Einer vergleichbaren Logik folgt die Zivilisierungsmotivik im Zusammenhang politischer oder sozialer Integrationsschritte. Diesbezüglich wurden in der Arbeit verschiedene Fälle von Selbstdarstellung seitens zivilisierter oder sich zivilisierender Barbaren sowie Beispiele der Fürsprache für solche Menschen behandelt. Hier stellt der Verweis auf das erreichte zivilisatorische Niveau häufig eine Legitimierungs- und Rechtfertigungsstrategie dar: Zivilisiertheit vormaliger Barbaren begründet, rechtfertigt, legitimiert, entschuldigt deren Integration in zivilisierte Gesellschaften und den in diesen erreichten (oder beanspruchten) Status.

Hinsichtlich der Entwicklung der betreffenden Motiviken und Topoi ist angesichts des fragmentarischen Zustands der Quellenüberlieferung sowie deren quantitativ enorm ungleichmäßigen Verteilung über die hier untersuchte Zeitspanne hinweg keine sichere Aussage möglich. Es hat aber nicht den Anschein, als ob in der betreffenden Motivik selbst fundamentale Veränderungen stattgefunden hätten. Doch ihr Einsatz scheint sich gewandelt zu haben. Besonders Vorstellungen von einer aktiven Zivilisierung der Barbaren scheinen in der posttraianischen Zeit zunehmend seltener geworden zu sein. Gleiches trifft auf Vorstellungen von kollektiver, durch Umwelteinflüsse oder ‚Kontaktmetamorphose‘ bewirkter Zivilisierung zu. Ab dieser Zeit scheinen jene Perspektiven zuzunehmen, in denen das Reich als im Inneren flächendeckend zivilisiert erscheint und dem Barbaricum jenseits seiner Grenzen grundsätzlich entgegengestellt wird. Derartige Vorstellungen existieren zumindest ansatzweise auch schon in der frühen Prinzipatszeit. Schon im Zusammenhang der Varusschlacht sind zudem Perspektiven auf die Germanen als unzivilisierbare und daher nicht unterwerfenswerte Barbaren zu beobachten, die mit dem Ende entsprechender Expansionsbestrebungen zusammenhängen könnten. Bereits in der frühen Prinzipatszeit sind demnach Ansichten fassbar, die auf die nur mehr konfrontative Haltung gegenüber den externen Barbaren vorausdeuten, wie sie im Zusammenhang der (erneuten) Aufgabe expansiver Pläne nach Traian zunehmend dominant geworden zu sein scheint.

Einen anderen Eindruck erweckten jedoch jene Fälle von Zivilisierungsdiskursen, die sich um sich zivilisierende bzw. zivilisierte Barbaren entspannen und von diesen selbst oder ihren Fürsprechern (mit-)geführt wurden. Dabei bestand der Zusammenhang in der Herausforderung soziokultureller Integration in die ‚Oberschicht‘ des Reiches. Dies bedingte höchste Anforderungen an die Zivilisiertheit etwaiger neuer Angehöriger, wie sich am häufig zu beobachtenden Bemühen zeigte, die Fremdheit der Protagonisten literarisch zu reduzieren. Derartige Fälle traten offenbar erst in der Prinzipatszeit in regelmäßiger Häufigkeit auf, wovon die quantitative Verteilung entsprechender Quellen zeugt; diese zeigt eine starke Ballung im ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhundert.

Die Frage nach Bewertungen von Zivilisierungsprozessen ist ebenfalls zumindest auf diesen zwei verschiedenen Ebenen zu beantworten. Indem Barbaren Sesshaftigkeit, Landwirtschaft und Gesetzlichkeit nahegebracht oder sie auch nur ‚bezähmt‘ werden, sollen sie friedlich oder verträglich gemacht werden. Dies stellt meist eine enorm positiv gewertete Handlung dar, die sich mit Vorstellungen vom Wirken kulturheroischer Figuren verbinden lässt. ‚Realweltliche‘ Zivilisierer, die anhand derartiger Deutungsmuster dargestellt werden, erfahren dadurch regelmäßig eine erhebliche Prestigesteigerung. Barbaren stellen hier in erster Linie eine Gefahr dar, eine Bedrohung der Zivilisierten und der Zivilisation. Zivilisierer der Barbaren sind in solchen Fällen also vor allem Verteidiger der Zivilisation gegen die Barbaren mit mehr oder minder friedlichen, humanen Mitteln. Die menschlichen Ergebnisse dieser Art von Zivilisierung erscheinen demgemäß meist nicht als neue Teilnehmer der Zivilisation und potentielle Mitglieder der jeweiligen Gemeinschaft Zivilisierter, sondern höchstens als auf einen Weg in diese Richtung gebracht. Noch deutlicher wird diese Betrachtungsweise im Falle von ‚negativer Zivilisierung‘, also bei Deutungsmustern, die Korrumpierung und Verweichlichungsentwicklung bei den Barbaren ins Zentrum stellen. In den betreffenden Zeugnissen wird dieselbe wünschenswerte, gefahrenreduzierende Wirkung unterstellt doch in diesem Falle profitieren die Barbaren nicht einmal ansatzweise von ihrer Entwicklung, sondern erleben nur eine Schwächung ihrer barbarischen Stärke.

Zivilisierung im Zusammenhang sozialer und politischer Integration sollte hiervon getrennt betrachtet werden. Hier scheinen zumeist negative Deutungsrichtungen zugrundezuliegen. Die politisch-soziale Eingliederung zivilisierter Barbaren steht offensichtlich unter starkem Rechtfertigungsdruck. In diesem Kontext ist die erreichte Zivilisiertheit der jeweiligen Personen ein mögliches Argument für ihre Emanzipation. Auch hier werden also prinzipiell positive Wertungen mit diesem Prozess verbunden. Aber Zivilisiertheit erscheint in solchen Fällen nicht eigentlich als etwas Lobenswertes, sondern eher als eine selbstverständliche Voraussetzung. Sich zu zivilisieren, ist demnach vereinfachend und pointiert ausgedrückt nicht etwas, das Barbaren ‚gut‘ sein lässt, sondern nur ‚weniger schlecht‘. Bis zu einem gewissen Grade ist hier der Faktor Bildung ein Sonderfall diese ist im betrachteten Material generell ein hoher Wert an sich, unabhängig von Vorstellungen der Entbarbarisierung, daher aber auch in Verbindung mit diesen.

War nun also allgemein gesprochen eine Entwicklung vom Barbaren zum ‚zivilisierten Menschen in letzter Konsequenz überhaupt möglich? Die Antwort darauf kann wohl nur heißen: ‚ja und nein‘. Ein einst als lupenreiner Barbar angesehener Mensch mochte Qualitäten erwerben, die es für Zeitgenossen rechtfertigten, ihn nicht mehr als barbarisch zu betrachten. Er mochte das römische Bürgerrecht oder das Bürgerrecht einer griechischen Polis erwerben, mochte sich griechsch oder römisch kleiden, Griechisch und/oder Latein fließend, vielleicht gar akzentfrei sprechen lernen, er mochte höhere und höchste Weihen in Bildungs- und Kultwesen der Mittelmeerwelt erlangen. Und doch scheint der Ruch des Barbarentums insbesondere Menschen mit entsprechender geographischer Herkunft potentiell nie ganz verlassen zu haben, selbst nach Generationen nicht. Denn auch dann brauchte offenbar nur die rechte Situation auftreten, und schon fanden sich Vertreter der zivilisierten Welt, die ohne Zögern etwa ein Durchbrechen des alten Barbarenblutes diagnostizierten.

Wollten nun also die Zivilisierten die Zivilisierung der Barbaren, wollten die Römer die Romanisierung? Bis zu einem gewissen Grade wird man das mit ‚ja‘ beantworten dürfen. Generalisierend gesprochen scheint ein Bedürfnis bestanden zu haben, Barbaren zumindest soweit entbarbarisiert zu wissen, dass sie nicht mehr bedrohlich wirkten und nicht mehr störten. Als Lockmittel und Vehikel von Verweichlichungs- und dadurch Schwächungsprozessen konnte man sich die Zivilisierung gut vorstellen. Zuweilen scheint sogar der Gedanke einer Nutzbarmachung des Potentials von Barbaren im eigenen Herrschaftsbereich durch Zivilisierung erwogen worden zu sein, eine regelrechte Aufwertung der Untertanen. Doch offenbar gab es ein Maß an Zivilisierung, das von vielen Zivilisierten eher kritisch betrachtet wurde jenes Maß, angesichts dessen die explizite oder auch nur implzite Forderung nach nicht mehr nur kultureller, sondern auch anderweitiger Angleichung im Raume stand, mithin die nach sozialer, rechtlicher, politischer und ökonomischer Emanzipation.

Soziologisierend formuliert befürwortete demnach die Eigengruppe der Zivilisierten eine Reduzierung der Fremdheit der universellen Fremdgruppe der Barbaren. Doch ein echter Übertritt aus der Fremd- zur Eigen-gruppe wurde demgegenüber meist abgelehnt, schon wegen der Befürchtung auf Seiten der etablierten Mitglieder der Eigengruppe, dass eine Reduktion des Nutzens ihrer eigenen Gruppenzugehörigkeit durch Erweiterung der Gruppe um obendrein konkurrierende Mitglieder stattfinden könne. Hinzu tritt die allgemeine potentielle Ablehnung gegenüber Mitgliedern von Fremdgruppen, die nahezu eine anthropologische Grundkonstante darzustellen scheint.

Aber auch abseits von Ausgrenzung aus Konkurrenzgründen oder Fremdenhass waren verschiedentlich negative Perspektiven auf die Zivilisierung der Barbaren zu sehen, etwa aus Gründen allgemeiner Zivilisationskritik, aus der Annahme heraus, die betreffenden Barbaren seien unzivilisierbar oder auch deshalb, weil die Zivilisierung angeblich ein unzweckmäßiges Mittel der Politik darstelle. Aber es wird auch nicht verwundern, dass angesichts eines Diskurses mit einer derart großen Anzahl an potentiellen Beteiligten und zudem eines mehrhundertjährigen Untersuchungszeitraums weder hier noch sonst ein pauschales Urteil über eine etwaige uniforme, monolithische, allgemeine Weltanschauung gefällt werden kann.

Bei der Reflexion der erzielten Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass dem analytischen Zugang der vorliegenden Arbeit gemäß von vornherein vor allem jene Zweige antiker Fremdheits- und Zivilisierungsdebatten betrachtet wurden, die auf negativen Barbarenbildern aufbauen. So braucht es auch nicht zu verwundern, wenn die korrespondierenden Zivilisierungsdebatten ebenfalls nicht geprägt sind von überbordender Offenherzigkeit und Toleranz gegenüber dem Fremden. Demgegenüber ist es nicht selbstverständlich, dass es einen derart starken und sogar politisch positiv wirksamen Diskurs gibt, der kulturelle Anpassung zwar als nötig, aber eben auch als möglich und darüber hinaus als Chance und Möglichkeit auf auch soziale, ökonomische und politische Integration begreift. So ergibt sich ein insgesamt in vielerlei Hinsicht mehrdeutiges Bild, das in diesem Rahmen lediglich ansatzweise umrissen werden kann.