Titelaufnahme

Titel
Zur „Produktion“ sportlichen Erfolgs in Österreich / von Michael Barth
VerfasserBarth, Michael
GutachterThöni, Erich ; Emrich, Eike
Erschienen2015
Umfanggetr. Zählung : graph. Darst.
HochschulschriftInnsbruck, Univ., Diss., 2015
Datum der AbgabeJuni 2015
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Sportförderung / Österreich / Produktionsverbund / Organisationstheorien / sportlicher Erfolg
Schlagwörter (GND)Österreich / Sportförderung / Erfolgsfaktor / Produktion / Verbundwirtschaft / Organisationstheorie
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Zusammenfassung (Deutsch)

Unter anderem aus Gründen hoher Komplexität, geringer Transparenz, fehlender operativer Zielsetzungen und nicht zuletzt der „Erfolglosigkeit“ österreichischer Athleten bei internatio-nalen Sport(groß)veranstaltungen (u.a. oe1.ORF.at, 2013; ÖRH, 2009) kam es in der Vergan-genheit wiederholt zur Kritik an der österreichischen (Bundes-)Sportförderung und so schien es wenig überraschend, als der damalige Bundesminister für Sport und Landesverteidigung N. Darabos kurz nach seinem Amtsantritt verkündete, diese umfassend reformieren zu wollen (BMLVS, 2009). Das neue, mit 01. Januar 2014 in Kraft getretene BSFG 2013, BGBl I Nr. 100/2013 scheint auf den ersten Blick die logische Konsequenz der Reformbemühungen zur Beantwortung der in jüngerer Vergangenheit am österreichischen Hochleistungssportsystem vorgebrachten Kritik zu sein. Damit wurde/wird gleichzeitig allerdings auch der „Produktion“ sportlichen Erfolgs in Österreich unterstellt, dass diese nicht auf reiner Zufälligkeit ihrer Strukturen beruhe (für Deutschland: Digel, Burker & Fahrner, 2006), womit aus ökonomi-scher, i.e.S. organisationstheoretischer, Perspektive Fragen zum Zusammenwirken der Pro-duktionsbeteiligten im Verbund, insbesondere Steuerungsfragen, und mit ihnen zur Anwen-dung kommende Konzepte (und darin verborgene Vorstellungen/Annahmen) bei der Produk-tion sportlichen Erfolgs in Österreich, in den Vordergrund der Betrachtung rücken (sollten). Eben jener Frage, vielmehr Fragenkomplex, widmet sich vorliegende Dissertation, die das Ziel eine (empirische) Wirksamkeitsprüfung in Österreich angewendeter grundlegender orga-nisatorischer, langfristige Nachwuchstrainings- und -förderkonzepte konstruierende, (zentra-ler) Regeln und Kriterien der („staatlichen“, „nicht-staatlichen“ und „sportlichen“) Sportför-derung ausgewählter/ zentraler Organisationen innerhalb des nationalen Hochleistungssport-system Österreichs durchzuführen, verfolgt. Zur Bearbeitung dieser Zielsetzung waren zwei Vorstudien von Nöten, wobei erstere (erster empirischer Ausgangspunkt) die Beschreibung der strukturellen und institutionellen Rahmenbedingungen des österreichischen Hochleis-tungssportsystems, zweitere (zweiter empirischer Ausgangspunkt) die Analyse genannter grundlegender organisatorischer, langfristige Nachwuchstrainings- und -förderkonzepte kon-struierende, Regeln und Kriterien zentraler Organisationen innerhalb des nationalen Hochleis-tungssportsystem Österreichs zum Gegenstand hatten.

Als Strukturierungsgrundlage des ersten empirischen Ausgangspunktes diente das „Erfolgs-Ressourcen-Modell“ nach Digel et al. (2006), das allerdings auf Grundlage seiner fehlenden Überprüfung hinsichtlich einer Zielvariablen auf dieser Ebene verbleiben musste und damit dessen Erkenntnisse kritische zu betrachten waren. Als theoretische Fundierung wurde für vorliegende Arbeit, zumal es sich in der „Produktion“ sportlichen Erfolgs in Österreich um einen Kooperationsverbund handelt, eine organisationstheoretische gewählt, wobei der Zu-gang pluralistischer Art war. Diese stellte nicht nur die bereits auf Grundlage des aktuellen, aus der Sportwissenschaft entstammenden, Forschungsstands kritisch zu betrachtenden Prak-tiken und Strukturelemente (erneut) in Frage, sondern machten auch deutlich, dass neben die-sen Abstimmungsmechanismen der unmittelbar an der Produktion beteiligten auch Zie-le/Kriterien zentraler (mittelbar beteiligter) Anspruchsgruppen zu betrachten sind. Der dritte Methodenabschnitt widmete sich der Darlegung der methodischen Grundlagen der empiri-schen Vertiefungsstudie der Analyse österreichischer Bundeskaderathleten, die die Wirk-samkeitsüberprüfung grundlegender Beobachtungsannahmen der, mit ihrem Kern auf zeit-ökonomischen Antecedensbedingungen basierenden (für Deutschland: u.a. Vaeyens, Güllich, Warr & Philippaert) Konstruktionsprinzipien von, (auch) im österreichischen Hochleistungs-sport angewendeten und auf individueller Athletenebene ansetzenden, langfristigen Nach-wuchstrainings- und -förderkonzepten hinsichtlich des (mittelbare) formalen Gesamtziels des Produktionsverbundes zum Gegenstand hatte. Das methodische Vorgehen geschah dabei in Anlehnung an eine aus Deutschland stammenden Studie (u. a. Emrich & Güllich, 2005), wo-mit ein direkter Vergleich der Ergebnisse möglich werden sollte.

Die Konvergenz bzw. Abweichungsanalyse grundlegender Beobachtungsannahmen für Kon-struktionsprinzipien langfristiger Nachwuchstrainings- und -förderkonzepte mit den empiri-schen Ergebnissen macht deutlich, dass sich diese hinsichtlich ihrer langfristigen Erfolgsrele-vanz in einer Vielzahl an Fällen empirisch nicht bestätigen, vereinzelt sogar Beobachtungs-nahmen und empirische Ergebnisse gegensinnig sind. Eine erweiterte, auf den organisations-theoretischen Ausführungen basierende Ergebnisinterpretation widmet sich insbesondere der in Folge der Erkenntnisse aus genannter Konvergenz- bzw. Abweichungsanalyse auftretenden Frage der Persistenz unwirksamer Abstimmungsmechanismen.

Als wesentliche Limitationen der Arbeit muss neben der Tatsache, dass sich die für die Arbeit grundlegende Systembeschreibung auf Bundesebene auf das BSFG, i. d. F. BGBl I Nr. 46/2009 und damit auf die Situation vor oben genannter Förderreform bezog (bzw. beziehen musste dabei wurde dem Anspruch der Aktualität insofern genüge getan, als das an ausge-wählten Stellen Bezug auf das neu BSFG 2013 genommen wurde), festgehalten werden so-wie dass es sich im Falle der Vertiefungsstudie um eine Querschnittsstudie handelt. Im Fall der Förderkriterien wirkt sich nicht nur der oftmals beschränkte Zugang und die Möglichkeit der Abweichung einzelner Konzepte von den überprüften grundlegenden Beobachtungsannahmen, sondern auch die Tatsache, dass eine Differenz zwischen dieser und der durch die Entscheidungsträger (methodologisch i. S. eines Individualismus) angewendeten Kriterien bestehen kann, limitierend auf die Arbeit aus.

Durch die vorgenommene, auch auf organisationstheoretischen Überlegungen fundierte, Er-gebnisinterpretation werden durch die vorliegende Dissertation eine Vielzahl an weiterer For-schungsfragen, vorwiegend praxeologischer, aber auch theoretischer Art, aufgeworfen.

Quellen:

BMLVS [Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport] (Hrsg.). (2009). 1 Jahr Re-gierung: Minister Norbert Darabos zieht Bilanz. Pressemitteilung vom 02. Dezember 2009. Zugriff am 25.12.2014 unter http://www.bundesheer.at/journalist/pa_body.php?id=2146

BSFG 2013: 100. Bundesgesetz betreffend die Förderung des Sports durch den Bund (Bun-des-Sportförderungsgesetz 2013 - BSFG 2013), BGBl. I Nr. 100/2013.

BSFG: 143. Bundesgesetz betreffend die Förderung des Sports aus Bundesmitteln (Bundes-Sportförderungsgesetz 2005 - BSFG), BGBl I Nr. 143/2005.

Digel, H., Burk, V. & Fahrner, M. (2006). Die Organisation des Hochleistungssports - ein internationaler Vergleich (Schriftreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, Bd. 115). Schorndorf: Hofmann.

Emrich, E. & Güllich, A. (2005). Zur „Produktion“ sportlichen Erfolgs: Organisationsstruk-turen, Förderbedingungen und Planungsannahmen in kritischer Analyse (Wissenschaftliche Berichte und Materialien/Bundesinstitut für Sportwissenschaft, 10/2005). Köln: Sport und Buch Strauß.

oe1.ORF.at (Hrsg.). (2013b). Tägliche Turnstunde kommt. Zugriff am 11.01.2014. Verfügbar unter http://oe1.orf.at/artikel/338227%29

ÖRH [Österreichischer Rechnungshof] (Hrsg.). (2009b). Bericht des Rechnungshofes (Reihe Bund 2009/12). Zugriff am 25.12.2013. Verfügbar unter http://www.rechnungshof.gv.at/fileadmin/downloads/2009/berichte/berichte_bund/Bund_2009_12.pdf

Vaeyens, R., Güllich, A., Warr, C. R. & Philippaert, R. (2009). Talent identification and pro-motion programmes of Olympic athletes. Journal of Sports Sciences, 27(13): 13671380.