Titelaufnahme

Titel
Human-volcano system model : investigation, development and application towards an open risk concept case study in Bromo and Merapi, Java Indonesia / by Syamsul Bachri
VerfasserBachri, Syamsul
Betreuer / BetreuerinStötter, Johann ; Sartohadi, Junun
Erschienen2015
UmfangXII, 167 Bl. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt.
HochschulschriftInnsbruck, Univ., Diss., 2015
Anmerkung
Enth. u.a. 5 Veröff. d. Verf. aus den Jahren 2013 - 2015 . - Zsfassung in dt. und Indones. Sprache
Datum der AbgabeMai 2015
SpracheEnglisch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Vulkanische Gefahren / Bromo / Merapi / Kulturelle Spezifika / Mensch-Vulkan System / Modellierung / Offenes Risikomanagement
Schlagwörter (EN)Volcanic hazards / Bromo / Merapi / Cultural specifics / Human-volcano system / modelling / open risk management
Schlagwörter (GND)Java / Vulkan / Naturgefahr / Risikomanagement
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Zusammenfassung (Deutsch)

Vulkanausbrüche haben vielfältige, miteinander in Wechselwirkung stehende Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Bevölkerung. Die Komplexität des Zusammenspiels von Vulkan und Gesellschaft kann nur dann voll verstanden werden, wenn sowohl physische wie auch soziale Aspekte in eine holistische Betrachtung einfließen. Die vorliegende Forschungsarbeit beginnt mit der grundlegenden Frage wie diese Komplexität der Interaktion zwischen Mensch und Umweltsystem in Vulkanregionen aufgelöst werden kann. Im Zuge der Beantwortung dieser Frage wurden drei Ziele postuliert, 1) die Untersuchung von Zusammenspiel zwischen Gesellschaft und Vulkan am Beispiel des Bromo; 2) die Entwicklung eines Models dieser Interaktion, und 3) die Anwendung und das Testen des Models in der Merapi Region mit anschließender Auswertung der gewonnenen Erkenntnisse im Sinne eines offenen Risikokonzepts.

Für die Untersuchungen im Feld wurden drei Ansätze gewählt; 1) statistische Datensammlung; 2) semi-strukturierte Interviews und 3) Fokusgruppendiskussionen. Zur Entwicklung des Interaktions models wurde die Datenerhebung der ersten Feldkampagne analysiert und interpretiert, sowie eine Literaturrecherche bezüglich kultureller Auswirkungen vulkanischen Risikos durchgeführt. Interviews wurden mit Repräsentanten der lokalen Bevölkerung und mit Regierungsbeauftragten der direkt vom Vulkan betroffenen Gemeinden durchgeführt um Einsicht in die Mensch-Vulkan Beziehung zum einen und in spezifisches lokales Wissen zu Gefahr, Risikowahrnehmung und Anpassungsstrategien zum anderen zu erlangen. In den Fokusgruppendiskussionen wurde ein tieferes Verständnis erlangt indem den Beteiligten die Möglichkeit gegeben wurde ihre Wahrnehmung in eigenen Worten auszudrücken und sie mit der von anderen Mitgliedern der lokalen Gemeinde zu vergleichen und gegenüberzustellen.

Die Auswertungen zeigen, dass das Zusammenspiel von Gesellschaft und vulkanischer Umwelt vielschichtig und komplex ist. In vielen Fällen wählen Menschen freiwillig mit der vulkanischen Gefahr zu leben anstatt gezwungen zu sein sich dieser auszusetzen. Das liegt daran, dass sie nicht nur negativen Konsequenzen ausgesetzt sind, sondern sich auch einer Vielzahl von positiven Auswirkungen physischer, gesellschaftlicher und spiritueller Natur erfreuen, die vom Mensch-Vulkan System hervorgebracht werden. Dieses Zusammenspiel kann umfassend in einem Model des Mensch-Vulkan Systems beschrieben werden. Das vorliegenden Model bezieht sich auf drei Dimensionen der Mensch-Vulkan Interaktion, die jeweils als Gegensatzpaar beschrieben werden. Diese sind positive/negative Auswirkungen, auf Gesellschaft/Naturraum auf direktem/indirektem Wege. Jeder vulkanisch induzierte Prozess kann somit durch eine von acht eindeutigen Prozess/Effekt-klassen charakterisiert werden. Eine solch differenzierte Sicht vulkanischer Prozesse beinhaltet einige wichtige Vorteile. Erstens, während bisher nur als Gefahr betrachtet, ist es nun möglich bestimmte Prozesse in bestimmtem Kontext und aus bestimmter Betrachtungsperspektive als negativ oder positiv zu klassifizieren. Zweitens, Prozesse im Mensch-Vulkan System, die keine direkten physischen Auswirkungen haben, sondern von sozio-kultureller Relevanz sind, können nun aufgezeigt werden. Drittens, ein höheres Maß an Differenzierung vulkanischer Prozesse und Effekte hat signifikante Rückwirkungen auf die Art und Weise wie vulkanisches Risiko betrachtet werden muss. Die Anwendung des Models hat gezeigt, dass eine modelbasierte Analyse allgemein anwendbar ist und durchaus in der Lage ist lokale Besonderheiten und Unterschiede von Mensch-Vulkan Systemen aufzuzeigen.

Diesen Erkenntnissen folgende muss das derzeitige Risikokonzept überdacht und erweitert werden. Es muss über das einseitige Risikoverständnis mit Fokus auf Gefahr und negativer Konsequenz hinauswachsen. Um der Komplexität im Risikomanagement vulkanischer Gefahren Herr zu werden muss ein holistischer Ansatz, der beides, potenziell positive und negative Aspekte einer unsicheren Zukunft betrachtet, verfolgt werden.

Zusammenfassung (Englisch)

Volcanic eruptions have interrelated and diverse effects on human lives. The complexity of interaction between volcano and society can only be fully understood within a holistic view including society and nature. This study begins with the critical basic question of how we resolve the complexity of interaction between human and environment systems in volcanic regions. In order to answer this question, three objectives were postulated, 1) investigation of interaction between volcano and society in the Bromo region; 2) development of a model of interaction, and 3) application of the model in the Merapi region in order to test its viability and correlated findings towards an open risk concept.

For the investigation of human-volcano interactions in the study areas, field surveys were carried out which draw on three technical approaches; 1) statistical data collection; 2) semi-structured interviews and 3) focus group discussions. Then, in order to develop a model of interaction, analysis and interpretation of the findings from the first field activity, as well as a literature review on the cultural ramifications of living with volcanic risk were carried out. Interviews were conducted with representatives of local communities and government officials directly affected by the volcano in order to examine the human-volcano relationship within the study area in general and to investigate local knowledge related to hazard, risk perception and adaptation strategies to volcanic risk in specific. It was the purpose of the focus group discussions to gain deeper insights by giving the participating groups an opportunity to express themselves in their own words and confront and compare their individual perceptions among other members of the community.

The result shows that the interaction between human societies and the volcanic environments of the study areas is multifaceted and complex. In many cases people choose rather than being forced to live with volcanic hazards. This is because they are not only exposed to negative consequences, but also enjoy benefits and opportunities of physical, spiritual and socio-cultural nature that arise within the humanvolcanic system. Such interactions can be described in a comprehensive way through a human-volcano system model approach. The proposed model corresponds to three dimensions of interactions between humans and volcanoes each described as a set of dichotomies: positive/negative impacts, on society/environment in an indirect/direct way. Each volcanically induced process or effect can thus be characterized in terms of eight distinct process/effect classes. Such a differentiated view on volcanic process/effects bears several advantages. First, while so far seen as hazards only, it becomes possible now to describe a particular process/effect in a particular context as negative or positive. Secondly, processes of the human-volcano system which do not have a direct physical expression but are of socio-cultural relevance can be accounted for. Thirdly, the greater degree of differentiation of volcanic processes and their effects has significant repercussions on the way volcanic risk must be perceived. In addition, the application and model-based analysis showed that the model is indeed generally applicable and able to capture the local characteristics and differences of human-volcano systems.

Following the findings of this research, the concept of risk itself must be revisited and expanded from a one-sided focus on hazardous processes and a pure negative connotation to a more open view. In order to manage the complexity, the volcanic disaster risk management must be based on a more holistic view and address both potentially positive and negative aspects of the uncertain future.