Titelaufnahme

Titel
Grenzkatholizismen : Religion, Nation und Raum in Tirol 1830-1848 / Huber Florian
VerfasserFlorian, Huber
Begutachter / BegutachterinHeiss, Hans
Betreuer / BetreuerinMazohl, Brigitte
Erschienen2015
Umfang423 Bl. : Ill., Kt.
HochschulschriftInnsbruck, Univ., Diss., 2015
Datum der AbgabeApril 2015
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Regionalgeschichte / Religionsgeschichte / Katholizismusgeschichte / Mediengeschichte / Zensur / Vormärz
Schlagwörter (GND)Tirol / Katholizismus / Religion / Geschichte 1830-1848
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Zusammenfassung (Deutsch)

Dissertation handelt vom Formenwandel der Religion unter den Bedingungen der Säkularisierung, sie zeichnet den Weg von der institutionalisierten Kirche hin zur öffentlichen Religion an der Schwelle zur Moderne nach. Sie bedient sich dabei eines systemtheoretischen Begriffsinstrumentariums, versteht „Religion“ als spezifische Form der gesellschaftlichen Kommunikation und „Säkularisierung“ als religiöse Beobachtung der sich radikal wandelnden Umwelt. Die Arbeit versucht zu beschreiben, wie sich Religion modernen Bedingungen anpasste und damit gesellschaftlich relevant bleiben konnte. Am Beispiel vormärzlicher Zeitschriften, alternativer, von der Zensur befreiter Teilöffentlichkeiten, aber auch innerkirchlicher Korrespondenzen und Predigten analysiert die Dissertation die Medien und die Bedingungen religiöser Kommunikation.

Als Fallbeispiel wurde das habsburgische Kronland Tirol gewählt, ein monokonfessioneller, aber sprachlich-national heterogener Raum zwischen Österreich, Italien und Deutschland. Hier traten nationale Brechungen früher ein als in anderen Gebieten, auch der zentralstaatliche Zugriff war in dieser westlichen Grenzregion der Habsburgermonarchie stärker spürbar als anderswo. Zudem prallten in Tirol „deutsche“ und „italienische“ katholische Kulturen und Traditionen aufeinander, die auf die „Zumutungen der Moderne“ (R. Schlögl) unterschiedlich reagierten. Auf engstem Raum bildeten sich im Kronland Tirol somit ganz unterschiedliche moderne, öffentliche Katholizismen aus: Ihre Medien wichen voneinander ab, sie gingen andere Beziehungen zum modernen Staat und der Moderne ein, operierten mit unterschiedlichen Gesellschaftsentwürfen.

Wenn Tirol heute noch gerne als „Heiliges Land“ apostrophiert wird, so zeigt diese Arbeit, dass diese „Heiligkeit“ keineswegs selbstverständlich und gleichsam primordial gegeben war, sondern eine Zuschreibung des frühen 19. Jahrhunderts ist, die spätestens 1848 politisiert wurde. Außerdem betont die Arbeit die katholische Heterogenität Tirols: So wenig es jemals ein Tirol gab, so vergeblich ist die Suche nach einem einförmigen Katholizismus in diesem Kronland. Damit schließt die Studie an die internationale Katholizismusforschung an und relativiert milieutheoretische Ansätze der deutschsprachgien Katholizismusgeschichte. Auf einer regionalhistorischen Ebene will die Arbeit „methodologische Nationalismen“ überwinden und für eine Anwendung beziehungsgeschichtlicher Ansätze plädieren.