Titelaufnahme

Titel
|creative| die Bedeutung von Kultur und Kreativität für die Entwicklung einer grenzüberschreitenden Region Alpenrheintal : Wahrnehmungsräume, Handlungsperspektiven und Steuerungsansätze der Kulturregion aus Sicht von KünstlerInnen und Kreativen / Julia Scharting
VerfasserScharting, Julia
Begutachter / BegutachterinHahne, Ulf
GutachterCoy, Martin
Erschienen2014
Umfang317 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt.
HochschulschriftInnsbruck, Univ., Diss., 2014
Datum der AbgabeDezember 2014
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Kulturregion / Alpenrheintal / Grenzregion / Zwischenstadt / Kreativwirtschaft / Handlungen / Netzwerke / Steuerung / Wahrnehmung
Schlagwörter (EN)borderregion / Alpinerhine Valley / cultural and creative industries / artists / regional development / netmaps / perceptions / regional governance
Schlagwörter (GND)Alpenrheintal / Kreativität / Kulturleben / Regionalentwicklung
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Zusammenfassung (Deutsch)

Kunst, Kultur und Kreativität sind inhärent mit der menschlichen Entwicklungsgeschichte verbunden und sind in diesem Sinne daher nichts „Neues“. Dennoch hat sich in den letzten zwanzig Jahren ein gesellschaftlicher Wandel auf unterschiedlichsten Ebenen vollzogen, welcher diesen Themen einen neuen Stellenwert bei zukünftigen Entwicklungen einräumt. Im Zuge dieser Prozesse sind die Thematiken aus einer gesellschaftlichen Randlage zunehmend zum gesellschaftlichen Mainstream geworden und nehmen unter anderem auch in der Stadt- und Regionalentwicklung eine zunehmend wichtigere Rolle ein. Aus geographischer Sicht sind die Themen der Kunst, Kultur und Kreativität speziell dem urbanen Raum und besonders den Metropolen zugeschrieben worden, da in diesen räumlichen Kontexten die Voraussetzungen für die Entwicklungen kreativer Milieus als ideal eingestuft wurden. Diese Gewichtung schlägt sich sowohl auf den politischen Agenden als auch in der Fokussierung von empirischen Arbeiten im urbanen Raum nieder. Andere Raumtypen, wie der ländliche Raum bzw. die Zwischenstadt, wurden bisher wenig aus Sicht des kreativen Paradigmas untersucht. Und auch die Grenzregionen wurden aus Sicht des Kreativitätsparadigmas sehr wenig in den Fokus von geographischen Arbeiten genommen. Die vorliegende Dissertation versucht diese Forschungslücke zu schließen und sowohl theoretische Ergebnisse zum Grenz- bzw. Zwischenstadtdiskurs als auch konkrete Handlungsempfehlungen für die Akteure in der Grenzregion Alpenrheintal zu erarbeiten. Die zentrale Forschungsfrage der Dissertation lautet daher: Welche Bedeutung haben Kultur und Kreativität für die Entwicklung einer grenzüberschreitenden Region Alpenrheintal aus Sicht von KünstlerInnen und Kreativen? Besonders zu betonen ist, dass die Analysen der Untersuchungsregion Alpenrheintal, d.h. die Grenzregion zwischen Vorarlberg, Liechtenstein und der Schweiz, aus der Sicht der KünstlerInnen und Kreativen durchgeführt wurden. Ihre Wahrnehmungen, Handlungen und ihre Steuerungsperspektive waren Forschungsinteressen vielfältiger Untersuchungen. Des Weiteren ist anzumerken, dass die Arbeit unterschiedliche theoretische Konzepte kombinierte, um einen möglichst breiten Zugang auf das Thema der Kulturregion Alpenrheintal zu ermöglichen. Dieser breite Zugang bezog sich sowohl auf die Abgrenzungen des Kulturbereichs (von öffentlichen, über privatwirtschaftliche Akteure bis NGOs) als auch auf die theoretischen Zugänge (Kultur und Kreativität, Regionalentwicklung Zwischenstadt, Grenzregion, Regional Governance). Durch die Kombination unterschiedlicher Ansätze und Perspektiven wurde ein möglichst umfassendes Bild der Prozesse und Strukturen in der Grenzregion aus kultureller Perspektive entwickelt, welches in der Folge eine bessere Grundlage für die weiteren Handlungsempfehlungen liefert. Die Auswahl des Alpenrheintals als Untersuchungsregion basiert auf unterschiedlichen Begründungszusammenhängen. Zum einen stellt die Region entlang des Alpenrheins ein ideales Raumlabor dar, da unterschiedliche politische Strukturen auf engstem Raum aufeinander treffen und somit bezüglich ihres Einflusses auf die kulturellen Szenen untersucht werden können. Zum zweiten sind die räumlichen Voraussetzungen in Bezug auf die Zwischenstadt (vgl. Sieverts 2001) bzw. den Grenzregionen im Alpenrheintal gegeben. Als letztes Argument kann die dynamische Entwicklung der Region, z.B. in Bezug auf die Wirtschaft, herangezogen werden. Für die empirischen Arbeiten wurden drei Analyseperspektiven gewählt: dies ist zum einen der Wahrnehmungsraum, zum anderen der Handlungsraum und schließlich der Steuerungsraum. Im Wahrnehmungsraum stand zunächst die räumliche und qualitative Wahrnehmung der Untersuchungsregion im Fokus der Erhebungen. Diese wurden durch qualitative Interviews mit den KünstlerInnen und Kreativen sowie durch die Zeichnung von Mental Maps erhoben. Aus der handlungstheoretischen Sicht wurde untersucht, wie die KünstlerInnen und Kreativen in der Region täglich agieren. Dazu wurde eine qualitative Netzwerkanalyse mit den Befragten durchgeführt. In der letzten Ebene, dem Steuerungsraum, wurden Fragen zur Steuerung der Kultur- und Kreativszenen in den Mittelpunkt der Erhebungen gestellt. Dazu wurden zuerst offizielle Strategien und Leitbilder mithilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Danach wurden die Wahrnehmungen zur Steuerung durch die KünstlerInnen und Kreativen mithilfe von sogenannten Netmaps erhoben. Durch die Kombination der drei Ebenen wurde ein Gesamtbild entworfen, welches die Kulturregion Alpenrheintal detailliert erfasst und somit Wissen für die regionalen Akteure liefert. Diese drei empirischen Untersuchungsebenen haben gezeigt, dass es große Unterschiede in der Untersuchungsregion hinsichtlich der Wahrnehmung, den Handlungen und den Steuerungen zwischen den jeweiligen KünstlerInnen und Kreativen aus den Teilregionen gibt. Die Region ist aus Sicht der KünstlerInnen und Kreativen damit als sehr heterogen zu bezeichnen. Die Schweizer Seite ist sehr ländlich geprägt und besitzt ein sehr volkstümliches Kulturverständnis. Die Liechtensteiner Seite ist stark vom aristokratischen Kulturbegriff beeinflusst, was wiederum Auswirkungen auf die Gestaltung der Kulturszenen hat. Für die Vorarlberger Seite konnte gezeigt werden, dass hier die innovativste, progressivste und diskursfreudigste Teilregion aus Sicht der KünstlerInnen und Kreativen existiert. Dies schlägt sich neben der Quantität auch in der Qualität der Angebote nieder. Die empirischen Untersuchungen haben darüber hinaus belegt, dass das Alpenrheintal aus Sicht der KünstlerInnen und Kreativen nicht als eine zusammenhängende Region zu betrachten ist, da eine gemeinsame Identität nicht vorhanden ist. Und auch die Steuerungsebene machte deutlich, dass drei unterschiedliche Ansätze die Steuerung in der Region bestimmen. Grenzüberschreitende Ansätze, z.B. auf Ebene der Internationalen Bodenseekonferenz, sind bisher nicht effektiv. Als Fazit der Untersuchungen kann für die konzeptionelle Perspektive festgehalten werden, dass die Zwischenstadt für KünstlerInnen und Kreative Merkmale bereithält, die sowohl positiv als auch negativ zu bewerten sind. Diese setzen sich aus ländlichen Qualitäten zusammen, z.B. die Überschaubarkeit der Netzwerke, der schnelle Zugang zu Ressourcen, aber auch aus städtischen Qualitäten, z.B. Vielfalt, Innovationskraft usw. zusammen. Darüber hinaus haben sich allerdings auch neue Qualitäten in der Zwischenstadt für das kreative Arbeiten herauskristallisiert. Dazu gehören u.a. die Brüche in der Struktur als Inspirationsgeber, sowie das Nebeneinander unterschiedlicher Lebensstile. Im Gegenzug dazu konnten Kultur und Kreativität nicht zur Schaffung eines gemeinsamen Bildes in der Zwischenstadt ‚Alpenrheintal‘ beitragen. Aus Sicht der Grenzregionsforschung hat sich herausgestellt, dass die Grenze als trennender Faktor in den Köpfen der KünstlerInnen präsent ist. Als negative Auswirkungen auf das künstlerische Arbeiten wurden u.a. Informationshemmnisse, Strukturunterschiede oder Währungsunterschiede als Gründe genannt. Ein Abbau der Grenzen ist bisher, anders als wie z.B. die Europäische Union proklamiert, im Kulturbereich für das Alpenrheintal wenig spürbar. Darüber hinaus muss angemerkt werden, dass Kultur im Gegenzug, anders als zu Beginn der empirischen Arbeiten vermutet wurde, nicht als Motor einer grenzüberschreitenden Entwicklung zu sehen ist. Wie andere Bereiche auch, ist die Wirkungsweise von Kultur beim Grenzabbau durch vielfältige Hindernisse, z.B. bürokratischer Art, gehindert. Aus Sicht der Regional Governance hat sich gezeigt, dass die Steuerungen in den drei Teilregionen sehr unterschiedlich funktionieren. Ein gemeinsames, grenzüberschreitend wirksames Regelungsregime ist bisher nicht präsent. Aus der ‚angewandten Perspektive‘ hat sich herauskristallisiert, dass für die weitere Entwicklung der Kultur- und Kreativszenen im Alpenrheintal vielfältige Schritte gesetzt werden müssen, da der Handlungsbedarf im Grenzraum als hoch einzustufen ist. Zunächst muss die Wahrnehmung des Gegenübers intensiviert werden. Bisher ist das Wissen über die Nachbarregionen im Kulturbereich gering und in vielen Fällen auch von einem Desinteresse geprägt. In einem nächsten Schritt sollten die Informationen und Kommunikationswege kontinuierlich über die Grenze ausgebaut werden. Bisher fehlen in der Grenzregion Medien oder Informationsplattformen, auf denen ein überregionales Verständnis für die Kulturregion entwickelt werden kann. Erst wenn die Wahrnehmung und die grenzüberschreitende Abstimmung etabliert ist, sollte darüber nachgedacht werden, wie sich die grenzüberschreitenden Aktivitäten besser zusammenführen lassen können, und ob eine gezielte Förderung von grenzüberschreitenden Projekten sinnvoll ist. Erst in einem letzten Schritt sollte darüber diskutiert werden, ob eine Institutionalisierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sinnvoll ist, und wie diese aussehen könnte.

Zusammenfassung (Englisch)

Border regions are “spatial laboratories” in which different political systems converge. Therefore, border regions are ideal spatial contexts to analyse the effects of different politicalsystems on the creative economy. However, so far frontier regions were poorly investigated regarding the creative economy, although creative activities and regions are not limited by national borders (cf. mega-regions concept Florida 2008). The PhD thesisr closes a knowledge gap regarding the role of the creative economy in this spatial category.Furthermore, it provides primary data of the creative economy for one European border region, the Alpine Rhine Valley. A key characteristic of this research area is that the border between Switzerland, Liechtenstein and the EU cuts directly through this region. Still, with

innovative design and architectural scenes it features one of the most prosperous regions within Europe.

The PhD thesis focuses on free perspectives: the perceptions of the artists, the networks of the artists and the regional governance system in the border region. networks of creative workers in this valley.

The analysis are based on semi structured interviews and network analyses

with 70 creative workers.

The key findings illustrate the different spatial orientations of the creatives. They also show how diverse the networks are built on each side of the borders. Subsequently the constraints of

transboundary cooperations, e.g. lack of information, are examined. In the end, solutionoriented

proposals for transboundary creative networks are developed.