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Titelaufnahme

Titel
„Weichliche Gesänge und Instrumentalsätze haltet vom Gottesdienst fern" : Kirchenmusik aus rechtlich-historischer Sicht mit einem Blick auf das Bistum Freising während der katholischen Reform und des Trienter Konzils
Weitere Titel
Church music from a legal-historical perspective
VerfasserLiebl, Andreas Stefan
Begutachter / Begutachterinneno. Univ.-Prof. Dr. Rees, Wilhelm
Betreuer / Betreuerinneno. Univ.-Prof. Dr. Rees, Wilhelm
Erschienen2018
Umfang207
HochschulschriftInnsbruck, Univ., Masterarb., 2018
Datum der AbgabeNovember 2018
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
Schlagwörter (DE)Kirchenmusik / Kirchenrecht / Liturgie / Tridentinum / Kastrat / Freising / Musikgeschichte
Schlagwörter (EN)Church Music / Church Law / Music History / Freising / Trent
URNurn:nbn:at:at-ubi:1-29278 Persistent Identifier (URN)
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„Weichliche Gesänge und Instrumentalsätze haltet vom Gottesdienst fern" [2.07 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Wie in dieser Arbeit ersichtlich, hat die Kirche der Kirchenmusik Jahrhunderte hindurch immer große Aufmerksamkeit geschenkt, wie insbesondere die Reformen des Trienter Konzils und die kirchlichen Bestimmungen des 20. Jahrhunderts bis in die neueste Zeit beweisen. Die Grundintention dieser Arbeit war, vertiefend in die komplexe Materie der Kirchenmusik vor-zudringen und eine überblicksartige Einführung zu präsentieren, wobei der Schwerpunkt auf einer eingehenderen Untersuchung der Situation im Bistum Freising vor, während und nach dem Konzil von Trient lag bzw. wie die reformatorischen Einflüsse die Entwicklung der Kir-chenmusik vor Ort beeinflusst haben.

Der erste Teil der Arbeit gewährte nach einer begrifflichen Abgrenzung, einem histori-schen Aufriss und anhand grundlegender kirchlicher Dokumente einen Einblick in die For-schungsmaterie der Kirchenmusik bis in die Gegenwart.

Die überschaubaren Nachkonziliaren päpstlichen und partikularkirchlichen Dokumente zeugen davon, daß die Kirchenmusik und insbesondere der gottesdienstliche Gesang einen Bereich darstellen, dem die kirchlichen Autoritäten einen weitestreichenden Spielraum zubil-ligten und äußerst sparsam regulierend und normgebend agierten. Die chronologisch angeführ-ten kirchlichen Dokumente geben einen Einblick in ein sich stetig wandelndes, weiterentwi-ckelndes aber auch zeitgebundenes Verständnis der Kirchenmusik und präsentieren Kriterien für eine effiziente musikalische Gestaltung gegenwärtiger Liturgiefeiern. Zudem differenzie-ren sie zwischen Konkretem, Zeitgebundenem und Wandelbarem und beabsichtigen zeitge-nössische Kirchenmusik von oberflächlichen Musiktrends zu unterscheiden. Dennoch sollte immer klar sein, dass Liturgie immer mehr ist, als normierte Grundlagen, dass „die tatsächliche Feier dem positiven Gesetz“ grundsätzlich vorausgeht.

Ein Hauptaugenmerk der Arbeit lag auch im Tätigkeitsfeld des Kirchenmusikers bzw. der Kirchenmusikerin sowie deren Ausbildung und verantwortlicher Mitgestaltung der Liturgie. Mit einem Blick auf einen bisher eher wenig beachteten aber dennoch wichtigen Aspekt, die Verwendung von gottesdienstlichen Räumen für Konzerte, in denen kirchliche aber auch weltliche Musik dargeboten werden, endete der erste große Themenblock.

Der eigentliche Hauptteil der Arbeit präsentierte die kirchenmusikalische Ausgangslage und Entwicklung im spätmittelalterlichen-frühneuzeitlichen Bistum Freising während der Re-formationszeit bzw. vor, während und nach dem Konzil von Trient. Der erste Abschnitt be-fasste sich eingehend mit der Reform der Liturgie im Kontext der Intentionen des Trienter Konzils und deren Grundzüge, insbesondere der Erneuerung des Gottesdienstes. Relativ früh setzte das Bistum Freising die Forderungen des Konzils mit neu erstellten Freisinger Choral-bücher, Gradualien und Antiphonarien um. Der von Bischof Veit Adam von Gepeckh publi-zierte „Kurtze Unterricht“, der eine kompakte Ordnung enthält, wie die Eucharistie nach den Bestimmungen des Tridentinums zu feiern ist, war für das Bistum Freising normgebend.

Der zweite Abschnitt drang in den eigentlichen Kernbereich, dem Verhältnis von Liturgie und Kirchenmusik vor, der unter den Trienter Konzilsvätern heftige Debatten auslöste. Die Auffassungsunterschiede dokumentieren anschaulich die verschiedenen Schulen, wie etwa die Franko-flämische, Römische und die Venezianische Schule.

Ausgehend von der historischen Entwicklung im Laufe des Mittelalters und der frühen Neuzeit widmete sich das daran anschließende Hauptthema der Kirchenmusik und liturgi-schen Umgestaltung im Bistum Freising nach den Bestimmungen des Tridentinums. Die An-schaffung neuer liturgischer Grundlagenwerke, die Einführung des Deutschen Kirchenliedes, der Volksgesang bei Prozessionen, Wallfahrten und Andachten und die dabei verwendeten ersten Gesangbücher sind beredte Zeugnisse eines erfolgreichen Bemühens.

Blickt man zurück, werden kulturell, in der bildenden Kunst wie in der Musik, im relativ unbedeutenden Freising regelrechte Spitzenleistungen errungen. Die konfessionsüberschrei-tende und völkerverbindende Kirchenmusik am Freisinger Dom verweist auf weitverzweigte Beziehungen bis nach Italien und Frankreich. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchungen war der Aufweis der relativ raschen Verbreitung der modernen tridentinischen Gedanken im Hin-blick auf die Kirchenmusik. Bereits Leo Weber konnte einen Zusammenhang zwischen der ba-rocken Vorreiterrolle der Salzburger Fürsterzbischöfe in Bezug auf die Kirchenmusik nach-weisen. Von einer weiteren ansatzweisen Verbreitung der kirchenmusikalischen Ideen in die Pfarreien ist auszugehen. Musikalisch bedeutend war insbesondere die Einführung der ersten Gesangbücher. Durch Erstellung eigener kirchlicher Gesangsbücher, Gradualien, An-tiphonarien intendierten die Trienter Konzilsväter der Verbreitung des Protestantismus entge-genzuwirken. Was in protestantischer Katechese die Predigt war, ist in Bezug auf die Veran-kerung der tridentinischen Lehrsätze in der einfachen Bevölkerung die Handhabung des Ge-sangbuches.

Franz Karl Praßl verweist sehr anschaulich darauf, daß Kirchenmusik nicht deren Beiwerk oder nur eine „Verschönerung“ der Liturgie ist, sondern deren unverzichtbarer integraler Be-standteil. Zudem ist sie forma nobilior des Gottesdienstes, da erst durch Musik die Dimen-sionen der Liturgie in ihrer Fülle veranschaulicht werden. „Kirchenmusik muss liturgiegemäß (sanctitas), echte Kunst (bonitas formae) und gemeindegemäß (universitas) sein“, denn sie ist primär Aufgabe der ganzen Gemeinde und nicht nur der dafür zuständigen Kirchenmusiker-Innen. „Kirchenmusik realisiert allgemeine Gebetsstrukturen und ist daher anamnetisch, indem sie an das Heilswirken Christi erinnert und dieses vergegenwärtigt. Kirchenmusik ist epikletisch als Bitte und Gebet der Gemeinschaft und des Einzelnen für die Anliegen von Kirche und Welt und die individuellen Nöte und Bedürfnisse.“ Kirchenmusik ist zudem doxologisch, da sie das Lob Gottes zum Klingen bringt und auch eschatologisch, indem sie in einem präludium vitae aeternae, einem Vorspiel des ewigen Lebens, eine die künftige Schön-heit des Himmels erahnen lässt. Kirchenmusik ist gleichermaßen Verkündigung der Kirche, ei-ne „Predigt in Tönen“, welche die katechetische Dimension (Glaubensverkündigung,

-unterweisung und -vertiefung im Kirchenlied) sowie ihren missionarischen Charakter (Glau-bensbegeisterung und -vorbild) anklingen lässt. Kirchenmusik bildet symbolisch die Verfasst-heit der Kirche als mystischen „Leib Christi“ ab, die im Zusammenwirken ihrer unterschied-lichsten Ausprägungen, Diensten, Aufgaben und Charismen ihre Einheit versinnbildlichen, wie ein Orchester, „das sich im Zusammenklang unterschiedlicher Stimmen manifestiert“. Kir-chenmusik ist aber auch Ausdruck menschlicher Befindlichkeiten, „indem sie Trauer und Hoffnung, Sorgen und Nöte, Leiden und Freuden der Menschen artikuliert“.

Die gegenwärtige Kirchenmusik ist von einer umfassenden Pluralität gekennzeichnet. Die letzten Jahrzehnte waren geprägt von einer Experimentierfreudigkeit nicht nur hinsichtlich der Musik, sondern auch der Instrumente und dem Einfluss fremder Kulturen und Traditionen. Vielfältige Elemente aus der Popularmusik hielten nach den durch des Zweiten Vatikanische Konzil ausgelösten Aufbrüchen Einzug in die Kirchenmusik. Zahlreichen zeitangepaßte Neu-kompositionen von Kirchenliedern erlangten eine hohe Popularität. Jazz-, Beat-, Soul- oder Rockmessen mit modernen Rhythmen oder Gospelmusik sollten den Musikgeschmack der Ju-gend ansprechen und unter dem Deckmantel des „Neuen Geistlichen Liedes“ wieder in die Gotteshäuser locken. Eine Gefahr besteht allerding, wenn die Liturgie den jeweiligen Zeit- und Modeströmungen immer wieder angepasst und nach den veränderten Umständen umge-staltet wird, denn „dann stirbt der göttliche Kult“.

In neuester Zeit ist eine eher gleichwertige Pluralität zu erkennen, blickt man etwa in die Neuausgabe des Gotteslob aus dem Jahr 2013, das gleichwertig relativ alte Kirchenlieder, wie auch neue rhythmische oder sogar von alten Gesangbüchern wiederaufgenommene Titel ent-hält. Die (noch) religiös Interessierten sind durchaus positiv gegenüber unterschiedlichsten Musikrichtungen, die in den Gottesdiensten erklingen, eingestellt. Kirchenbesucher aller Al-tersschichten besuchen klassische konzertante Orchestermessen ebenso wie moderne mit rhythmischen Liedern und Gitarrenbegleitung, horchen begeistert die CD „Chant“ mit den gregorianischen Chorälen der Heiligenkreuzer Mönche oder auch moderne Kirchenmusik von Arvo Pärt.

Dennoch ist die Kirchenmusik weder Spielwiese, Experimentierfeld oder ein Ort für Selbstinszenierungen von Bischöfen und Priestern, die „sich als Animatoren präsentieren und sich selbst zu Hauptdarstellern der Eucharistiefeier machen“. Sie ist weder Beiwerk für eine kultische Theateraufführung oder banales Unterhaltungsprogramm, das eine langweilige Liturgie auffrischen soll, noch ist sie Kampfplatz oder Zurschaustellung von Hierarchie und kirchlichem Klassendünkel.

Viele fragen sich dann nach einem Jazzkonzert in einer Kirche zurecht, ob es nicht eine Anbiederung an den immer oberflächlicher werden Zeitgeist ist, der durch tonalen Lärm die eigentliche Probleme zudröhnen und von ihnen ablenken will? Sind das nicht auch die musika-lischen „Umrahmungen“, die während der „Langen Nacht der Kirchen“ in vielen Gotteshäu-sern zu hören sind? Oder auch die musikalischen „Experimente“ anhand von Klanginstalatio-nen in manchen österreichischen Domkirchen? Kann man nur mehr mit „professioneller“ „Kir-chen“-Musik, die zudem erhebliche Kosten verursacht, wieder Besucher in die Kirc

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