Titelaufnahme

Titel
Kulturland(wirt)schaft : Landschaftssozialisation und Einfluss des Habitus auf die Landschaftswahrnehmung von Bauern im Schweizerischen Alpenraum / von Rike Stotten
VerfasserStotten, Rike
Begutachter / BegutachterinSchermer, Markus ; Hammer, Thomas
Betreuer / BetreuerinSchermer, Markus ; Wilson, Geoff
Erschienen2014
UmfangX, 274, XXIII S. : Ill., graph. Darst., Kt.
HochschulschriftInnsbruck, Univ., Diss., 2014
Datum der AbgabeOktober 2014
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Kulturlandschaft / Landschaftssozialisation / Landwirtschaft / Alpen / Schweiz / reflexive Fotografie / Habitus / moralische Landschaftswerte
Schlagwörter (EN)landscape / landscape socialisation / agriculture / Alpine Space / Switzerland / refelxive photography / habitus / moral landscape values
Schlagwörter (GND)Schweiz / Alpen / Kulturlandschaft / Sozialisation / Landwirtschaft / Habitus / Wahrnehmung
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Zusammenfassung (Deutsch)

Im Sinne des Konstruktivismus entsteht Landschaft aus menschlicher Wahrnehmung, in der sie nach verschiedenen Kriterien wie auch persönlichen Erfahrungen bewertet wird. Die Grundlage des Lesen-Lernen der Landschaft wird nach Olaf Kühne in der primären Landschaftssozialisation vermittelt. Es wird ferner angenommen, dass der Habitus nach Pierre Bourdieu die Landschaftswahrnehmung wesentlich beeinflusst, da Gewohnheiten der Wahrnehmung zwischen den Generationen in der Landwirtschaft weitergegeben werden. Weiter hat der Habitus Einfluss auf inkorporiertes kulturelles Kapital, wie bspw. ausgedrückt in Fähigkeiten in der landwirtschaftlichen Arbeitspraxis. Diese zeigen sich im symbolischen Kapital, also in Reputation und Prestige innerhalb der landwirtschaftlichen Gesellschaft.

Mit der Modernisierung der Landwirtschaft ist die erwünschte Kulturlandschaft nicht mehr nur das Koppelprodukt von landwirtschaftlicher Praxis. Der vermehrte Einsatz von Maschinen und automatisierten Arbeitsvorgängen verändert gleichzeitig die vorhandene Kulturlandschaft. Heute stellt Kulturlandschaft ein Gemeinschaftsgut dar, welches unter anderem von der multifunktionalen Landwirtschaft bereitgestellt wird und deren Pflege in der schweizerischen Bundesverfassung verankert ist. Es wird angenommen, dass die Wahrnehmungsweisen der Landwirte für die Ausgestaltung eines Anreiz- und Kompensationssystem berücksichtigt werden müssen um eine nachhaltige Implementierung des Landschaftsschutzes garantieren zu können.

Diese Studie soll beantworten, wie Kulturlandschaft von Landwirten konstituiert wird und ob und wie sich diese Konstruktionen regional differenzieren. Weiter wird erforscht, wie sich die Wahrnehmung in der sekundären Landschaftssozialisation ausbildet und welche Einflüsse der Habitus auf die Landschaftswahrnehmung hat.

Um diese Fragen zu untersuchen wurde der qualitative Ansatz der reflexiven Fotografie in drei verschiedenen Fallregionen der Zentralschweiz angewandt. Dafür haben Landwirte mit Einwegkameras Fotos von ihrer Landschaft auf den jeweiligen Betrieben gemacht. Diese Fotos wurden dann als ein Türöffner in die anschließenden, leitfadengestützten Interviews genutzt, welche mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philip Mayring ausgewertet wurden. Um auch die kollektive Wahrnehmung von Kulturlandschaft zu ergründen, wurden Gruppendiskussionen mit Landwirten in jeder Fallregion durchgeführt und mit der dokumentarischen Methode nach Ralf Bohnsack analysiert.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Bauern in ihrem alltagsweltlichen Gebrauch den Begriff Kulturlandschaft aus vielseitigen Aspekten konstruieren, die jedoch primär auf der landwirtschaftli-chen Bewirtschaftung der Flächen basieren. Weiter geht aus der Datenerhebung hervor, dass auch Bauern ohne landschaftliche Aus- oder Weiterbildung die sekundäre Landschaftssozialisation im Sinne von Olaf Kühne vollziehen. Ferner zeigt sich, dass das habitualisierte Handeln in der Kulturlandschaft stark von moralischen Werten geprägt sind, die in der primären Landschaftssozialisation vermittelt wurden.

Zusammenfassung (Englisch)

In the perspective of constructivism, landscape evolves out of human perception. It is an output of the individually negotiated reflexion of the environment, which is evaluated in terms of aesthetic, economic, cultural and other criteria. Thus, landscape is perceived in a different way by different people, depending on their personal knowledge and experience. According to Olaf Kühne, the basics to read and understand landscape are learned during the landscape socialisation. It is further assumed that Pierre Bourdieus concept of habitus plays a role in the landscape perception, as habits of perception are passed on through generations of farmers. Thus the habitus as a modus recipiendi has a further important meaning for the incorporated cultural capital, which is for example embodied in working skills which are expressed, in the meaning of symbolic capital, in reputation and prestige.

With the modernisation of agriculture, an appreciated landscape is no longer the by-product of farming. For the concept of multifunctional agriculture, as it is anchored in the federal constitution in Switzerland, it is assumed that those perceptions and cultural notions must be considered for the development of incentives and compensation to guarantee a sustainable implementation of land-scape preservation. But so far, no research has examined how the landscape perception among Swiss farmers is constituted.

This study aims to answer the research questions how landscape is constituted among farmers and how those constructions differ between regions, on one side based on tourism on the other side based on nature conservation. Furthermore, it investigates how habitually-formed perceptions differ and how those differences are influenced.

To investigate those questions, a qualitative approach has been chosen. In three different regional case studies in Central Switzerland, the approach of reflexive photography has been used to analyse different individual perceptions of farmers. Therefore, single-use cameras have been sent to the farmers to take photos of their landscape. The resulting pictures have been used as an introduction into semi-structured interviews with each farmer in order to trigger deeper information of his opinion and motivation. The interviews have been transcribed and evaluated with qualitative data analysis according to Philipp Mayring, supported by the computer based programme ATLAS.ti. To extract the collective perception of cultural landscape as well, group discussions with farmers were conducted in each case study region. These were transcribed and evaluated with the documentary method according to Ralf Bohnsack.

The results of this study show that farmers construct landscape out of diverse aspects in their everyday life. Primarily, those are based on the agricultural cultivation. Further the data proves that farmers also perform a second landscape socialisation without conducting any landscape related studies, apprenticeships or further education. Moreover, the habitual acting in the landscape is heavily influenced by moral values, which were transmitted during the primary landscape socialisation.