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Titelaufnahme

Titel
Die Säkularisierung des Exodus : Zur Narration von Emanzipation
VerfasserMackowitz, Laurin
Begutachter / BegutachterinOberprantacher, Andreas ; Schneider, Ingo
GutachterOberprantacher, Andreas
Erschienen2017
Umfang212
HochschulschriftInnsbruck, Univ., Diss., 2017
Anmerkung
Arbeit an der Bibliothek noch nicht eingelangt - Daten nicht geprüft
Datum der AbgabeJuli 2017
SpracheDeutsch
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Exodus / politische Theologie / Erzählforschung / Mythologie / Emanzipation
Schlagwörter (EN)Exodus / political theology / narratology / mythology / emancipation
URNurn:nbn:at:at-ubi:1-7665 Persistent Identifier (URN)
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 Das Werk ist frei verfügbar
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Die Säkularisierung des Exodus [1.2 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Widerstand gegen Unterdrückung und Ausbeutung wird durch physische Abscheu, theoretischen Widerspruch und in einem großen Maß durch Mythen über eine machbare Befreiung animiert. Der Exodus der Israeliten aus Ägypten ist einer der ältesten bekannten Berichte über eine erfolgreiche Überwindung von Sklaverei und Genozid. Ungeachtet der Frage, ob die Befreiung tatsächlich so geschehen ist, wie es im Pentateuch überliefert ist, hat die Erzählung dieser mythischen Ereignisse Generationen von Menschen darin bestärkt, gegen Knechtschaft aufzubegehren und ein gerechteres Leben zu suchen. Seit der Aufklärung wurde dieser Mythos verweltlicht, um seine Ausstrahlung für Menschen jeden Glaubens und Unglaubens sichtbar zu machen. Diese Arbeit untersucht die Frage, auf welche Weise in den letzten hundert Jahren der Exodus zum Verständnis der conditio humana und zur Förderung humanistischer Werte herangezogen wurde. Es wird gezeigt, welche Bedeutung der Mythos des Auszugs der Israeliten aus Ägypten als hermeneutisches Modell für die Psychoanalyse, als Stoff für die Kunst, als Strategie für die Politik und als Narrativ für die Philosophie hat. Sigmund Freud untersucht den Mythos, um die verdrängten Ursachen der Entwicklung von Religion und Ethik offenzulegen und zu verstehen, warum Menschen sich der rationalen Zivilisierung ihrer Neigung zu Gewalt, Eifersucht und Selbstaufgabe widersetzen. Thomas Mann erzählt den Exodus auf eine entzaubernde und ironisch Weise nach, um vor ermeintlichen Rettern zu warnen und um dem Kniefall der Deutschen vor der barbarischen Perversion nationaler und sozialistischer Ideale entgegenzuwirken. Michael Walzer skizziert anhand des Gebrauchs und Missbrauchs des Exodus durch historische revolutionäre Bewegungen wie eine zeitgemäße am Exodus orientierte Politik aussehen könnte. Paolo Virno zieht Fragmente des Mythos heran, um die Vereinnahmung des gesellschaftlichen Aufbruchs der 60er und 70er Jahre zu beschreiben und um politische Vermögen im Zeitalter des späten Kapitalismus auszuloten. Diese säkularen Interpretationen belegen, warum der Exodus nach wie vor dazu inspiriert, sich für eine gerechtere und freiere Gesellschaft einzusetzen, und warum er nicht nur als Narrativ, sondern auch als Warnung und Vorbild erinnert werden sollte.

Zusammenfassung (Englisch)

Resistance against oppression and exploitation is animated by physical revulsion, by theoretical objection, and to a large extent by myths about a feasible liberation. The exodus of the Israelites from Egypt is one of the oldest reports of a people successfully overcoming slavery and genocide. Regardless of whether the liberation actually happened as it is told in the Pentateuch, the narrative of these mythical events has encouraged generations to resist repression and to seek a more just life. Since the age of Enlightenment, this myth has been secularized in order to make its charisma visible to people of all faiths and unbeliefs. This work examines in what way over the past hundred years this myth has been used to understand the human condition and to promote humanistic values. It shows the significance, the Exodus maintains, in particular as a hermeneutical model for psychoanalysis, as a material for art, as a strategy for politics and as a narrative for philosophy. Sigmund Freud investigates into the story of Exodus to expose the causes for the development of religion and ethics and to understand why people oppose the rational civilizing of their inclination to violence, jealousy, and self-abandonment. Thomas Mann recountes the myth in a disenchanting and ironic manner to warn against alleged saviors and to counteract the Germans submissiveness to the barbaric perversion of humanist and socialist ideals. Michael Walzer explores the use and abuse of Exodus by historical revolutionary movements to show how Exodus should be read to restrain from a messianic reenactment of radical politics and to outline a realistic emancipatory perspective. Paolo Virno uses fragments of the myth to explain, how the social uprisal of the 1960s and 1970s could be colonized by capitalism, and to identify political abilities in the age of late capitalism. These secular interpretations make it evident that the Exodus still inspires activism for a more just and free society and that it should be remembered not only as a narrative but also as a warning and example.