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Titelaufnahme

Titel
Nistkastenpräferenzen von Meisen (Paridae) : Freiland-Wahlversuche im Umfeld des Alpenzoos Innsbruck / vorgelegt von: Birgit Sailer
VerfasserSailer, Birgit
Betreuer / BetreuerinBöhm, Christiane ; Landmann, Armin
ErschienenInnsbruck, Fezember 2016
Umfang70 Blätter : Illustrationen, Diagramme, Karten
HochschulschriftLeopold-Franzens-Universität Innsbruck, Masterarbeit, 2016
Anmerkung
Zusammenfassung in englischer Sprache
Datum der AbgabeDezember 2016
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
SchlagwörterWS 4812
Schlagwörter (DE)Meise / Nistkasten / Alpenzoo / Parus / Paridae / Singvögel / Brutverhalten / Nistkastenwahl
Schlagwörter (EN)tits / nestbox / nestbox choice / nestbox occupation
URNurn:nbn:at:at-ubi:1-5866 Persistent Identifier (URN)
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Nistkastenpräferenzen von Meisen (Paridae) [5.45 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Meisen (Paridae) sind, wie alle anderen höhlenbrütende Arten auch, auf das Vorhandensein von potentiellen Höhlen angewiesen, um erfolgreich brüten zu können. Natürliche Bruthöhlen sind aber generell eher Mangelware und diese Situation wird im Siedlungsraum durch das Abholzen großer alter Bäume und/oder das Entfernen von Totholz, die Höhlen anbieten, zusätzlich verschärft. Das geringe Höhlenangebot stellt dann einen wesentlichen limitierenden Faktor für die Meisen dar. Künstliche Nisthilfen können da Abhilfe schaffen und werden von vielen Meisen auch gut angenommen. Zahlreiche Studien zeigen, dass die umgebenden Habitateigenschaften und die Orientierung und Größe des Einschlupfloches aber auch die Form und vermutlich auch das Material des Nistkastens eine erhebliche Rolle für die Akzeptanz und den Bruterfolg spielen (z.B. Bueno-Encisco et al. 2016, Browne 2006, MØller et al. 2014, Wesołowski & Rowiński 2012, Rhim et al. 2011, García-Navas et al. 2008). In der vorliegenden Arbeit wurden die Nistkastenpräferenzen unterschiedlicher Meisenarten in Bezug auf das Nistkastenmaterial und dessen Einfluss auf das Mikroklima untersucht. 48 baugleiche Nistkastenpaare aus zwei unterschiedlichen Materialien (Holzbeton vs. Holz) wurden im Gelände des Alpenzoos Innsbruck (Tirol, Österreich) nebeneinander mit jeweils gleicher Exposition und in gleicher Höhe angebracht. Es wurde die Wahl und Nutzung des Nistkastens und das darin erfolgte Brutgeschehen dokumentiert. Zusätzlich wurden der Temperaturverlauf im Nistkasten über die Brutsaison (März - Juni) und die Habitateigenschaften um den Nistkastenbaum ermittelt. Zudem wurden die Art und Menge des Nistmaterials, dessen Gewicht und Art und Anzahl der Parasiten untersucht. Das ca. 5 ha große Untersuchungsgebiet war dicht besetzt und beinhaltete Reviere von 10 Blaumeisen, von 14 Kohlmeisen, von 11 Tannenmeisen, von 4 Haubenmeisen und von 3 Sumpfmeisen. Die Hälfte der Nistkästen wurde von Tieren (Vögel, Siebenschläfer, Wespen, ) genutzt. 12 Nistkästen wurden erfolgreich von Meisen besetzt, davon entfielen 6 auf Blaumeisen, 4 auf Kohlmeisen und 2 auf Tannenmeisen. Erwartungsgemäß besetzten vorwiegend Blau- und Kohlmeisen (12 von 10) die Nistkästen, die am besten künstliche Nisthilfen annehmen. Der Legebeginn der meisten Bruten lag Mitte April. Gelegegröße und Schlupfrate waren (im Vergleich zu der aus der Literatur bekannten Angaben) eher gering. Dies ist möglicherweise auf das kühl-feuchte Wetter im Frühjahr 2016 zurückzuführen. Der relative Bruterfolg ergab für Kohlmeisen 85.7 %, für Blaumeisen 93.8% und für Tannenmeisen 75 %. Bei 83 % der erfolgreich besetzten Nistkästen handelte es sich um Holzkästen. Warum die Wahl entgegen einiger anderer neuerer Untersuchungen auf Holzkästen fiel (und nicht auf Holzbetonkästen) lässt sich durch die Temperaturdaten nicht erklären, zumal die Temperaturunterschiede in allen Nistkästen gering waren und erst im Laufe der Brutsaison zunahmen. Besetzte Nistkästen wiesen erwartungsgemäß allgemein höhere Innentemperaturen auf als unbesetzte. Bei unbesetzten Nistkästen kühlten die Holzkästen während der Nacht weniger stark aus. Bei der Analyse der Habitateigenschaften zeigte sich, dass in der näheren Umgebung der besetzten Nistkästen mehr weitere potentielle Höhlen zu finden waren als in der Umgebung der unbesetzten Kästen, wobei erstere aber auch in Flächen mit mehr durchmischter Waldvegetation und mit genügend natürlichem Nahrungsangebot zu finden waren. Blaumeisennester waren häufiger an Standorten mit dem höchsten Störungseinfluss zu finden als andere Meisenarten, vielleicht, weil diese Art in Konkurrenz mit der Kohlmeise auch an ungünstigeren bzw. lauteren Standorten zurechtkommen (muss). Der Beschattungsgrad und seine Zunahme hin zum Nistkasten war bei den erfolgreich besetzten Nistkästen am größten, was für die Wichtigkeit eines vor Prädatoren geschützten Nistplatzes spricht. Blaumeisennester waren sowohl beim Gesamtgewicht als auch bei der Polsterschicht am schwersten, was sowohl die größere Kälteempfindlichkeit der Blaumeisen widerspiegelt als auch das sehr feuchte und kalte Frühjahr 2016. Der Parasitenbefall war in allen besetzten Nestern sehr gering. Da insgesamt nur 12 Nistkästen besetzt wurden und davon nur 2 auf solche aus Holzbeton entfielen, kann auf Grund der niedrigen Stichprobengröße eine verallgemeinernde Aussage zu den unterschiedlichen Materialtypen nicht gemacht werden.

Zusammenfassung (Englisch)

Tits (Paridae) depend like all other hole-nesting birds too on potential cavities in order to be able to breed successfully. Such natural breeding cavities are quite rare, and this situation is even more aggravated in housing areas by cutting big old trees or removing dead wood, which would supply and provide natural nest sites. Thus the number of potential tree holes is a limitating factor for Tits. Therefore artificial nestboxes can help and are accepted by many Tits. Numerous studies (f.e. Bueno-Encisco et al. 2016, Browne 2006, MØller et al. 2014, Wesołowski & Rowiński 2012, Rhim et al. 2011, García-Navas et al. 2008) show that the surrounding habitat qualities as well as orientation and shape of the entering holes to the nests, but also the design and the building material of the nestboxes are essential for their acceptance and breeding success. In the present study nestbox preferences of different Tit species were surveyed with regard to the nestbox material and its influence on micro-climate. 48 identically designed nestbox pairs made of two different materials (wooden concrete vs. wood) were positioned next to each other in the area of the Alpenzoo Innsbruck (Tyrol, Austria) with equal exposition and equal height. The choice and the use of each nestbox was documented, and equally the breeding sequence in each case. The temperature during breeding season (March June) was measured, the habitat qualities of the nestbox trees were analysed and the type and amount of nest components as well as the number of parasites were examined. The research area had an extension of approximately 5 ha. It was densely populated and used by 10 Blue Tits, 14 Great Tits, 11 Coal Tits, 4 Crested Tits and 3 Marsh Tits. Half of all nestboxes were used by birds, doormice and wasps. 12 nestboxes were successfully occupied by Tits, 6 of which were Blue Tits, 4 Great Tits and 2 Coal Tits. As was expected 10 out of 12 were used by Blue Tits and Great Tits, which accept artificial nestboxes best. The first-egg date was mid-April. The clutch size and the hatching rate was relatively small compared to results from other studies. This might be due to the wet and cold weather period in the spring of 2016. The relative breeding success was 85.7 % for Great Tits, 93.8 % for Blue Tits and 75 % for Coal Tits. 83 % of the successfully used nestboxes were wooden nestboxes. The reason for which this wooden nestboxes were clearly preferred to woodcrete nestboxes can not be explained by temperature data because temperature differences were very small and only continued to rise in the proceeding breeding season. Used nestboxes showed higher temperatures than those uninhabitated, which was expected. Wooden nestboxes which were not inhabitated did not cool as much during the night. The analysis of the habitat qualities showed that in the near surroundings of the successfully used nestboxes were far more potential natural cavities than in the near of uninhabitated nestboxes, whereby the former were to be found in areas with more mixed woodland and enough food supply. Blue Tits were more present at places with most disturbing influences than other tits, perhaps because Blue Tits in competition with the stronger Great Tits have to deal with unfavourable and loud environments too. The amount of shade and its increase in the direction of the nestbox tree was the biggest in successfully occupied nestbox trees. This accounts for the importance of nest cavities which are safe from predatory attacks. Blue Tit nests were haviest with regard to their nest weight as well as with their cushioning layer, which fits to their greater sensuality towards cold but also the very wet and cool weather in spring 2016. All used nests were infested by parasites at a very small degree. However, a generalizing result to the different type of nestbox material can not be made due to the small number of used nestboxes, because not more than 12 nestboxes were successfully occupied, and only two of these were woodcrete boxes.