Titelaufnahme

Titel
Räumliche und zeitliche Struktur des prähistorischen Bergbaus in der Region Kitzbühel : Charakterisierung einer alpinen bronzezeitlichen Bergbaulandschaft anhand von archäologischen Befunden, Geländeanalysen und überregionalen Vergleichen
Weitere Titel
Spatial and temporal structure of prehistoric mining in the region of Kitzbühel
VerfasserKoch Waldner, Thomas
Begutachter / BegutachterinStöllner, Thomas ; Goldenberg, Gert
GutachterGoldenberg, Gert ; Tomedi, Gerhard
Erschienen2017
Datum der AbgabeJanuar 2017
SpracheDeutsch
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Montanarchäologie / Bergbau / Tirol / Kitzbühel / Aurach / Jochberg / Brixental / Kupfer / Prähistorie / Bronzezeit / ostalpine Kupfertechnologie / überregionaler Technokomplex / Verhüttung / Erzaufbereitung / Erzabbau / Landschaftsarchäologie / Landschaftsrekonstruktion / Besiedlungsgeschichte / Verhüttungstechnologie / Aufbereitungstechnologien / Vortriebstechnologie / Schlacken / Verhüttungsanlagen
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Zusammenfassung (Deutsch)

Der Bergbaudistrikt Kitzbühel zeichnet sich durch die große Zahl an montanarchäologischen Fundstellen sowie seine besondere geographische Lage aus. Die zahlreichen Spuren des bronzezeitlichen Berg- und Hüttenwesen belegen, dass dieses erzreiche Gebiet zu den bedeutendsten prähistorischen Kupferproduktionszentren der Ostalpen zählt.

Geographische Lage

Die Region liegt im Zentrum der Kitzbüheler Alpen, in direkter Nachbarschaft zu weiteren bedeutenden prähistorischen Bergbauregionen im Unterinntal (Schwaz/Brixlegg) und im Saalfeldenerbecken bzw. bei Viehhofen. Des Weiteren finden sich bislang unerforschte, vermutlich kleinere Bergbaureviere im Leoganger Tal (Schwarzleorevier) und im Oberpinzgau (Stuhlfelden) in unmittelbarer Nähe zum prähistorischen Kupferproduktionszentrum im Kitzbüheler Gebiet. Aufgrund seiner Lage, zwischen den angrenzenden Kupferkiesrevieren im Osten (Pinzgau und Pongau) und den Fahlerzrevieren im Westen (Unterinntal) nahm die prähistorische Bergbauregion Kitzbühels eine zentrale Rolle in der Vermittlung des technologischen Wissens zum Berg- und Hüttenwesen ein.

Die Kitzbüheler Bergbauregion ist über die Großache bzw. Tiroler Ache – dem Hauptzufluss des Chiemsees – mit der prähistorischen Siedlungskammer im Chiemgau verbunden. Sehr wahrscheinlich stellte der Fluss einen bedeutenden Handelsweg für die Distribution des Kitzbüheler Kupfers schon in der Bronzezeit dar. Über das Brixental ist das Bergbauzentrum mit dem Unterinntal verbunden. Vermutlich gelangte das technologische Wissen zum Berg- und Hüttenwesen über diese Route aus der Kitzbüheler Bergbauregion in das Gebiet von Schwaz/Brixlegg. Zudem wird dem Brixental eine zentrale Rolle als Handelsweg zugekommen sein.

Forschungsgeschichte

Begünstigt durch den historischen bzw. modernen Bergbau, der in Österreich in verschiedenen Regionen auf Spuren prähistorischer Bergbautätigkeiten stieß, begann man hier besonders früh diese Relikte zu dokumentieren. Dies führte dazu, dass sich bereits am Beginn der österreichischen Ur- und Frühgeschichtsforschung ein ausgeprägtes Bewusstsein für montanarchäologische Denkmäler und ihre Bedeutung entwickelte. Aufgrund der außerordentlichen Befunde und Funde standen vor allem die Salzbergwerke von Hallstatt und Dürrnberg sowie die Kupferbergbaureviere des Mitterberggebietes bei Mühlbach/Bischofshofen und in der Region von Kitzbühel im Fokus der Wissenschaft.

Matthäus Much, ein Pionier der Bergbauforschung, war der erste Prähistoriker, der im 19. Jh. Funde des prähistorischen Bergbaus im Kitzbüheler Raum aufsammelte und dokumentierte. Die systematische Erforschung begann jedoch erst in den 1930er Jahren durch den Archäologen Richard Pittioni und den Bergingenieur Ernst Preuschen. Maßgeblich waren ihre Untersuchungen der Scheidehalden im Revier der Kelchalm bei Aurach zwischen den 1930er und den 1950er Jahren. Die Funde und Ergebnisse aus den Grabungskampagnen wurden in drei umfangreichen Berichten vorgelegt und führten dazu, dass die Halden im Kelchalmrevier zu den am besten erforschten bronzezeitlichen Bergbaurelikten der Alpen zählen. Im Anschluss an diese Forschungen legten Pittioni und Preuschen ihr Hauptaugenmerk auf die Hinterlassenschaften der prähistorischen Kupferverhüttung. Durch Prospektionen und Hinweise aus der Bevölkerung konnten bis in die 1970er Jahre an die 40 prähistorische Verhüttungsplätze lokalisiert und vereinzelt untersucht werden.

Nachdem Pittioni seine Arbeiten altersbedingt einstellen musste, kam es erst wieder in den 1990er Jahren zu einzelnen Prospektionen und Ausgrabungen. Dabei konnten weitere Schmelzplätze lokalisiert werden. Gert Goldenberg gelang es dabei erstmals, erhaltene Verhüttungsanlagen – ein zweiphasiges Röstbett sowie vier Schachtöfen – im Bereich der Wurzhöhe westlich von Jochberg freizulegen und zu dokumentieren.

Die österreichische Akademie der Wissenschaften ermöglichte im Rahmen des in dieser Arbeit präsentierten Projektes erneut mehrjährige, systematische Forschungen zum prähistorischen Bergbau in der Region Kitzbühel. Dabei wurden gezielte Prospektions- und Grabungskampagnen sowie Neubewertungen forschungsgeschichtlicher Befunde und Funde durchgeführt.

Die prähistorische Montanlandschaft im Kitzbüheler Bergbaudistrikt: Lagerstätten und Rolle für die Verbreitung der ostalpinen Kupfertechnologie

Der Bergbaudistrikt Kitzbühel ist über weite Teile durch kupferkiesdominierte Lagerstätten, welche in Schiefer als Nebengestein vorkommen, gekennzeichnet. Sowohl die geologischen Rahmenbedingungen als auch der Lagerstättentyp, in dem Chalkopyrit in Schiefer, vornehmlich an Quarz (auch an Eisenkarbonat) als Gangart gebunden vorkommt, entsprechen den Gegebenheiten der Bergbauregionen östlich von Kitzbühel. Zudem finden sich reiche Fahlerzvorkommen, die in mehreren Fällen vergleichbare geologische Rahmenbedingungen wie jene im Unterinntal aufweisen.

Von der ausgehenden Frühbronzezeit (17. Jh. v. Chr.) bis in die beginnende Spätbronzezeit (13. Jh. v. Chr.) wurde in den Ostalpen und darüber hinaus nahezu ausschließlich Chalkopyrit als Kupfererz genutzt, wobei vor allem der beschriebene Lagerstättentyp ausgebeutet wurde. Aus dieser an Kupferkies orientierten Montanwirtschaft entwickelte sich im Bereich der Grauwackenzone ein überregionaler Technokomplex, die sogenannte ostalpine Kupfertechnologie. Im Laufe der späten Bronzezeit (13. – 9. Jh. v. Chr.) wurden schließlich wieder Fahlerze gewonnen und verhüttet, wobei die „Kupferkiestechnologien“ den Fahlerzlagerstätten angepasst wurden. Nach aktuellem Forschungsstand breitete sich der Technokomplex vom Pongau, zunächst entlang der Grauwackenzone, nach Westen und Osten aus. Über die Kitzbüheler Alpen erreichten die Bergleute und ihre Technologien das Inntal sowie das ostalpine Kristallin und schließlich die Graubündner Alpen. Nach Osten gelangte das Berg- und Hüttenwesen über die Eisenerzer Alpen bis zum Alpenostrand in Niederösterreich. Den Lagerstätten nach Süden folgend, verbreitete sich das Wissen um die Kupfergewinnung aus sulfidischen Erzen über Ost- und Südtirol bis an den Alpensüdrand im heutigen Trentino.

Diesem Ausbreitungsmodell entsprechend, erreichten die Berg- und Hüttenleute das Kitzbüheler Gebiet über den Pinzgau. Im südlichen Leukental und den daran angrenzenden Tälern stießen sie auf besonders viele, reichhaltige Kupferkieslagerstätten, was dazu führte, dass sich diese Region zu einem der bedeutendsten bronzezeitlichen Kupferproduzenten Mitteleuropas entwickelte.

Die kupferkiesdominierten Lagerstätten bei Jochberg und Aurach zählen zum Kupfer-Eisenerzbezirk der Glemmtal-Einheit und sind im Wesentlichen mit den bronzezeitlich genutzten Revieren bei Viehhofen vergleichbar. Nördlich und westlich von Aurach verläuft die Grenze dieses Lagerstättenbezirkes zur Hochhörndler Schuppenzone. Auf der Höhe von Kitzbühel erstreckt sich entlang des Brixentales der Fahlerz-Kupfererzbezirk der Wildseeloder-Einheit. In dieser Zone stießen die bronzezeitlichen Prospektoren vermutlich zum ersten Mal auf Kupferkiesvorkommen, die sehr stark mit Fahlerz vermischt sind und zudem teils andere geologische Rahmenbedingungen aufweisen. Neben Schiefergesteinen sind die Kupferlagerstätten in diesem Bereich häufig an Kalkbrekzie und Dolomit gebunden. Aufgrund dieser erheblichen Unterschiede der Wildseeloder-Einheit und der Hochhörndler Schuppenzone gegenüber der Glemmtal-Einheit wurde der historische Bergbaudistrikt Kitzbühel in drei Zonen – eine nördliche, eine mittlere und eine südliche – unterteilt. Der Großteil der prähistorischen Bergbauspuren findet sich in der südlichen Zone bzw. der Glemmtal-Einheit bei Jochberg und Aurach. Neben zahlreichen Schmelzplätzen, vor allem bei Jochberg, zählen die Scheidehalden sowie der untertägige, bronzezeitliche Abbau im Kelchalmrevier zu dieser Zone. An dieser Stelle gilt es zu betonen, dass sich die Forschungen bislang auf dieses Areal konzentrierten, wobei ausschließlich die Nutzung von Chalkopyrit nachgewiesen wurde.

Weitere Zeugnisse der bronzezeitlichen Erzgewinnung und Kupferverhüttung finden sich in der mittleren Zone, welche das Gebiet der Wildseeloder-Einheit und der Hochhörndler Schuppenzone umfasst. Dieses weist eine heterogene Geologie sowie Mineralparagenese auf und es kommen sowohl Fahlerze als auch Kupferkies, teils nebeneinander, teils vermischt, vor. Prähistorische Bergbauspuren wurden in diesem Bereich in Form von untertägigen Abbaustellen im Schattbergrevier sowie Zeugnissen der Erzaufbereitung am Götschen im Brixental und Schmelzplätzen bei Kitzbühel und Aurach nachgewiesen.

Da im Kitzbüheler Bergbaugebiet sowohl der ab der Mittelbronzezeit bevorzugt genutzte Kupferkies als auch die im Laufe der späten Bronze- und frühen Eisenzeit erneut genutzten Fahlerze vorkommen, nimmt diese Region eine besondere Rolle im Hinblick auf die Ausbreitung des prähistorischen Kupferbergbaus ein. Die Prospektoren der Bronzezeit dürften sehr bald erkannt haben, dass westlich von Kitzbühel der Anteil des begehrten Kupferkieses in den Lagerstätten zunehmend geringer wird. Der Kupfererzreichtum bricht im Westen jedoch nicht ab, da anstelle von Chalkopyrit das chemisch komplexere Fahlerz umso häufiger vorkommt. In Anbetracht der zeitlichen und geographischen Lage der Kitzbüheler Bergbauregion, zwischen den älteren Kupferkiesrevieren Salzburgs und den jüngeren Fahlerzrevieren im Tiroler Unterinntal, erscheint es denkbar, dass die Berg- und Hüttenleute der ostalpinen Kupfertechnologie – nach einer experimentalen Phase mit Fahlerzen – vom Kitzbüheler Raum aus über das Brixental die westlich angrenzenden Fahlerzlagerstätten erschlossen.

Die größte Konzentration montanarchäologischer Fundstellen liegt im südlichen Leukental, im Gebiet der Gemeinden Jochberg, Aurach und Kitzbühel. Dabei muss berücksichtigt werden, dass sich die Prospektionen des 20. Jhs. auf diesen Teil der Region konzentrierten. Besondere Beachtung wurde dieser Region aufgrund der Scheidehalden im Kelchalmrevier zuteil, die zu den eindrucksvollsten obertägigen Relikten des urgeschichtlichen Montanwesens im Alpenraum zählen. Jene Bergbaurelikte, die außerhalb des Leukentales liegen, verdeutlichen jedoch, dass sich die prähistorische Montanwirtschaft über das Tal hinaus erstreckte, bislang allerdings nicht im Fokus der wissenschaftlichen Forschung standen.

Berücksichtigt man die räumliche Nähe der Verhüttungsplätze zu den Kupferlagerstätten, so erscheint es naheliegend, dass in der Bronzezeit auch jene Erzvorkommen genutzt wurden, in deren Umfeld bislang keine Spuren von Gewinnungsarbeiten vorliegen. Die Verbreitung der Schmelzplätze vom Sinnwellrevier bei Kitzbühel im Norden bis zum Talschluss am Pass Thurn im Süden muss als Indiz dafür gewertet werden, dass die Bergleute der Bronzezeit das gesamte Kitzbüheler Gebiet prospektierten und dort, wo sie auf abbauwürdige Kupfervorkommen stießen, diese auch gewonnen haben. Prähistorische Bergbauspuren dienten den historischen Bergleuten als Indikatoren für abbauwürdige Lagerstätten. Dies hat häufig zu einer Überprägung der bronzezeitlichen Pingen und Halden durch historische Abbau- und Aufbereitungsaktivitäten geführt. An dieser Stelle gilt es das Beispiel der Entdeckung der Lagerstätte des Kelchalmrevieres im 18. Jh. hervorzuheben. Aufgrund der prähistorischen Halden und Pingen wurden die Bergleute, welche im Wildalmrevier tätig waren, auf das reiche Kupfererzvorkommen am Freibergsattel bzw. der Kelch- und Bachalm aufmerksam.

Erzabbau

Überprägungen durch den historischen Bergbau sowie die meist dichte Vegetation dürften als Hauptgrund dafür zu sehen sein, dass bislang nur in wenigen Revieren eindeutige Spuren des Erzabbaus und der Aufbereitung nachgewiesen werden konnten.

Im Zuge der Erzgewinnung in historischer Zeit wurden, in unterschiedlichen Abbaurevieren als „Heidengruben“ oder „Alte Gruben“ bezeichnete, prähistorische Abbaustellen unter Tage dokumentiert. Detaillierte Berichte von Prähistorikern und Lagerstättenkundlern zu diesen Fundstellen liegen erst seit der Mitte des 19. Jhs. vor. Sehr wahrscheinlich stießen Knappen schon in früherer Zeit auf die Reste des urgeschichtlichen Bergbaus. Dabei ist zu berücksichtigen, dass solche Entdeckungen im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit nicht systematisch festgehalten wurden, sodass heute lediglich zwei untertägige Abbauareale – im Schattberg- und Kelchalmrevier – bekannt sind.

Da die Gesteinsstabilität der Wildschönauer Schiefer relativ gering ist und künstliche Hohlräume dem Bergdruck deshalb nicht lange widerstehen können, verbrachen die Mundlöcher und Stollen nach dem Auflassen des historischen Bergbaus. Heute sind keine untertägigen Fundstellen mehr zugänglich, weshalb die Berichte von Matthäus Much, Alexander Schernthanner und Franz Pošepný wichtige Informationsquellen für den prähistorischen Untertagebau darstellen. Die geringe Stabilität des Nebengesteins legt die Vermutung nahe, dass die bronzezeitlichen Strecken wesentlich stärker verzimmert werden mussten als in anderen prähistorischen Bergbauregionen in der westlichen Grauwackenzone. Matthäus Much verglich die stark verbrochenen alten Gruben im Kelchalmrevier bemerkenswerterweise mit dem Heidengebirge der Salzbergwerke von Hallstatt und Dürrnberg und beschrieb die Befundsituation als „wirre Masse von Trümmergestein, Schlamm und Holzstücken“. Selbst Pošepný, der sehr viele Bergwerke der k.k. Monarchie in Siebenbürgen, Böhmen und den Alpen befuhr, betonte die Brüchigkeit des Gesteins in den Kitzbüheler Bergwerken und die dadurch notwendige dichte Verzimmerung der Strecken. Wie schwerwiegend dieser Umstand ist, geht aus der Zusammenstellung der Streckenlänge des Schattberg- und Sinnwellrevieres westlich von Kitzbühel hervor. Von den insgesamt 25.506 Streckenmetern waren im Jahre 1805 58 % verbrochen, 35 % verzimmert und nur 7 % der Strecken standen ohne Verzimmerung im festen Gestein.

Die bislang einzigen wissenschaftlich untersuchten und beschriebenen Spuren des prähistorischen Untertagebaus wurden im Schattberg- und Kelchalmrevier in der Mitte des 19. Jhs. entdeckt. Im Schattberg südwestlich von Kitzbühel wurde 1843 eine „alte Grube" bzw. eine prähistorische Abbaustelle angefahren. Darin fanden sich noch frisch aussehende Hölzer, Keile aus Eichenholz, eine hölzerne Schaufel, ein „lederner Schurz“ sowie Klopf- und Scheidsteine, die Much mit jenen des Mitterbergrevieres verglich. In der Nähe dieser Gruben wurden in den darauffolgenden Jahren noch weitere prähistorische Abbaue entdeckt.

Im Kelchalmrevier entdeckte man oberhalb des Danieli-Stollens mit Wasser gefüllte „alte Gruben“, bei denen es 1855 zu einem Wasserdurchbruch kam. In diesen Gruben fand sich eine Vielzahl von prähistorischen Funden, darunter angebrannte Leuchtspäne, eine Rollkopfnadel aus Bronze und sogar eine hölzerne Kastenkonstruktion. Ob es sich bei dem Befund, wie von Augenzeugen vermutet, tatsächlich um eine Aufbereitungsanlage handelte, kann jedoch nicht mit letzter Sicherheit bestätigt werden. Einen weiteren einzigartigen, ebenfalls verschollenen Fund hatte ein Bergmann in den alten Gruben des Kelchalmreviers aufgelesen. Es handelte sich um einen gebrochenen Holzstab, der in bestimmten Abständen Kerben und „rätselhafte“ Symbole aufwies, den der Finder als vermutliches Bergmaß interpretierte.

Auch ober Tage entdeckte man einige Funde, die als Gezähe unter Tage gedient haben. Im Fundmaterial der Grabungen von Preuschen und Pittioni auf den Scheidehalden befinden sich Reste von Knieholzschäftungen für Tüllengeräte. Der Vergleich mit den Schäftungen für Bronzepickel aus dem Mitterberggebiet zeigt, dass es sich bei den Funden von der Kelchalm um denselben Typus handelt. Dies verdeutlicht, dass in beiden Bergbauregionen das gleiche Gezähe – Bronzepickel auf Knieholzschäftungen – sowie eine vergleichbare Abbautechnologie zum Einsatz kamen.

Im Zuge der Forschungen der letzten Jahre gelang es, mehrere Bergwerkskarten des Kelchalmreviers aus dem 19. Jh., auf denen die Fundstelle dargestellt ist, ausfindig zu machen. Aufgrund der Wichtigkeit einer exakten Vermessung im Untertagebau stellt das gesichtete Kartenmaterial eine präzise Darstellung des Streckennetzes dar, welches die Berechnung der Teufe des alten Verhaues ermöglichte. Dabei konnte ermittelt werden, dass der tiefste Punkt des alten Verhaus in einer Teufe von rund 160 m liegt. Die erhebliche Teufe deutet auf einen ebenso hoch entwickelten Untertagebau wie jenen im Pongau, wo der tiefste bekannte prähistorische Kupferabbau Europas – im Arthurstollen bei Bischofshofen – in einer Teufe von über 200 m liegt.

Erzaufbereitung

Spuren der Aufbereitung konnten im Kelchalmrevier und am Götschen bei Brixen im Thale nachgewiesen werden, da hier die Scheidehalden nur teilweise von Pflanzen bewachsen und somit deutlich zu erkennen sind. Während am Götschen lediglich Prospektionen durchgeführt wurden, konnten Preuschen und Pittioni durch ihre Ausgrabungen auf den Halden im Kelchalmrevier wichtige Erkenntnisse zur prähistorischen Aufbereitungstechnologie gewinnen. Die Halden liegen im flachen Hangbereich des Freibergsattels zwischen dem Laubkogel und dem Hahnenkampl auf rund 1760 m ü. M. Der Bereich östlich des Rückens trägt den Namen Bachalm. Während der von Pittioni und Preuschen durchgeführten archäologischen Grabungen sowie Prospektionen war es möglich, mehr als 50 Scheidehalden zu differenzieren.

Die vielen Funde und Befunde aus der Scheidehalde 32 stehen mit der Aufbereitung des Erzes, dem „Scheiden“ – dem Trennen des erzhaltigen vom tauben Gestein – in Verbindung. Sie zeigen in beeindruckender Art und Weise den Prozessablauf der prähistorischen Erzaufbereitung ("chaîne opératoire"). Die jüngsten Grabungsergebnisse zeigen, dass zu Beginn der prähistorischen Nutzung zunächst ein damals vorhandener Waldbestand in der Kammregion gerodet wurde. Das Roden der Bäume diente einerseits zur Freilegung des Gesteins, andererseits konnte das Holz als Werk- und Brennstoff verwendet werden. Anschließend wurden Arbeitsflächen eingerichtet, auf denen sich Kultur- und Abfallschichten bildeten.

Mehrere im gewachsenen Boden angelegte, teils mit Holzverschalungen versehene Rinnen dienten als Wasserleitungen für die Nassaufbereitung. Es konnten neun Herdstellen und mehrere Steinsetzungen, welche wichtige Hinweise auf Siedlungsaktivitäten im Bereich der Aufbereitungshalden darstellen, freigelegt werden. Darunter sticht eine Fundamentierung (Befund-Nr. 61 nach Preuschen & Pittioni) heraus, die als Unterbau für ein Blockgebäude interpretiert wird. Anhand des Fundmaterials aus der Scheidehalde 32 kann der gesamte Aufbereitungsprozess rekonstruiert werden. Das in den bronzezeitlichen Gruben geförderte Erz, zum Teil mit Nebengestein verwachsen, wurde zunächst durch den Einsatz steinerner Geräte, wie Scheidhämmer und Ambosssteine, einer Grobzerkleinerung unterzogen. Die Sortierung erfolgte dabei durch Auslesen der erzführenden Partien. Das taube Gestein, oftmals größere Stücke, wurde auf die Halde geworfen. Dieser erste Arbeitsschritt ist durch bis zu 10 cm große Brocken an Nebengestein in den Scheidehalden nachgewiesen. Wenn das Erz stark mit dem Nebengestein verwachsen war, kamen für die feinere Aufbereitung Läufersteine zum Einsatz, die über große Unterlagsplatten gezogen wurden. Mithilfe dieser Erzmühlen wurde das erzhaltige Gestein auf eine einheitliche Korngröße aufgerieben. Anschließend wurde in einem nassmechanischen Arbeitsschritt das gepochte und fein gemahlene Material aufgrund des unterschiedlichen spezifischen Gewichts von erzhaltigem und taubem Gestein im Wasser getrennt. Vergleichbar ist dieser Prozess mit dem Goldwaschen, bei dem sich das schwere, erzreiche Material durch ständiges Aufwirbeln, Sichern und Schwenken unter dem leichteren, tauben Material ablagert. Das bei der Erzwäsche gewonnene kupferreiche Konzentrat konnte schließlich mittels hölzerner, messerartiger Geräte getrennt werden.

Für die nassmechanische Aufbereitung sprechen einige auf der Kelchalm dokumentierte Tümpel, zwei Holztröge sowie mehrere Holz- und Bodenrinnen. Die Tröge maßen bei ihrer Auffindung ca. 175 x 80 cm. Wie bei der Kastenkonstruktion für die Nassaufbereitung von Erz vom Troiboden in Mühlbach besaßen die Tröge querverlaufende und in Nuten eingesetzte Holzstangen. Dies weist darauf hin, dass die Tröge von der Kelchalm für eine ähnliche, vermutlich aber dieselben Nassaufbereitungstechnik eingesetzt wurden wie die Kästen aus dem Mitterberggebiet. Eine aus Brettern gefertigte Kastenkonstruktion im Bereich der Scheidehalde 32 wurde von Preuschen und Pittioni als Abfallgrube interpretiert. Nach heutigem Forschungsstand scheint es naheliegender, dass diese Konstruktion einst ebenfalls eine Nassaufbereitungsanlage darstellte. Neben den wegen der feuchten Lagerung gut erhaltenen Holzartefakten, darunter Pfosten, Keile, Dachschindeln, Kochgeräte sowie Kerbhölzer, die vielleicht ein frühes Zählsystem darstellen, kamen viele Keramikfragmente, Tierknochen und einige Bronzefunde ans Tageslicht.

Verhüttung

Das gewonnene Erz wurde auf gepflasterten Röstbetten geröstet und in gemauerten und mit Lehm ausgestrichenen Öfen geschmolzen. Dank der Lokalisierung der zahlreichen Verhüttungsplätze durch Pittioni sowie aufmerksame Ortsansässige wie den ehem. Jochberger Dorfchronisten Georg Jöchl konnte gezeigt werden, dass es sich um eine großräumige Montanlandschaft handelte. Nach weiteren Prospektionen in den vergangenen Jahren im Rahmen des in dieser Arbeit präsentierten Forschungsprojektes sind mittlerweile 52 Schmelzplätze bekannt.

Da Pittioni in erster Linie Prospektionen im Gemeindegebiet von Jochberg durchführte, sind aus diesem Raum die meisten prähistorischen Schmelzplätze bekannt. Das häufige Vorkommen dieser Fundstellen in und um Jochberg ist somit nicht auf räumliche Organisationsstrukturen des prähistorischen Montanwesens, sondern auf intensive Prospektionen sowie der Aufmerksamkeit der Bevölkerung in diesem Gebiet zurückzuführen. Eine ähnliche Dichte an Schmelzplätzen könnte daher auch für die Gemeindegebiete Kitzbühel und Aurach angenommen werden. Außerdem gilt es zu berücksichtigen, dass durch zahlreiche Baumaßnahmen, vor allem in Kitzbühel, seit dem Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit viele dieser Fundstellen zerstört worden sein dürften, weshalb deren tatsächliche Verteilung nicht einwandfrei wiedergegeben werden kann. Im Rahmen der in dieser Arbeit präsentierten Forschungen wurde versucht, die von Pittioni erwähnten Fundstellen wiederzufinden. Dabei konnten mehrere bislang unbekannte Schmelzplätze lokalisiert werden. Um eine strukturierte Fundstellenbezeichnung zu erhalten, wurde eine neue Codierung verwendet. Die Schmelzplätze (SP) sind mit einer zusätzlichen Kennung für den Fundbereich (z.B. WH für Wurzhöhe, SK für Schützenkogel) versehen.

Pittioni führte in den 1950er bis 1970er Jahren mehrere Ausgrabungen auf Schlackenplätzen durch. Dabei konnten jedoch keine gut erhaltenen Ofenstrukturen freigelegt und dokumentiert werden. Prähistorische Öfen und Röstbetten wurden erstmals in den 1990er Jahren im Bereich der Wurzhöhe (Abk. WH) an der Fundstelle WH/SP 1 (Hechenberg) ausgegraben und veröffentlicht. Vielversprechende Oberflächenfunde (Schlacke und Ofenbruch) sowie die Ergebnisse einer Magnetfeldmessung an diesem Schmelzplatz (1305 m ü. M.) führten zu zwei Grabungskampagnen. Es konnten vier Schmelzöfen, darunter ein Doppelofen und ein zweiphasiges Röstbett, dokumentiert werden.

Im Sommer 2012 wurde eine weitere Verhüttungsanlage auf dem Schmelzplatz WH/SP 5 ausgegraben und dokumentiert. Die Fundstelle (1115 m ü. M.) wurde von Pittioni 1968 erstmals als SP 27 erwähnt. Durch Oberflächenfunde, Bohrkernanalysen (Pürkhauer-Bohrer) und Magnetfeldmessungen wurden entlang einer Geländekante Reste von Öfen und einem Röstbett lokalisiert. Ein Doppelofen und ein Teil des dazugehörenden Röstbetts wurden freigelegt. Der Röstbettbefund setzte sich aus einer Pflasterung aus flachen Steinplatten und Lehm sowie größeren Begrenzungssteinen zusammen. Der Doppelofen befand sich hangabwärts, 1,20 m vom Röstbettrand entfernt. Die Ofenmauern waren in eine Geländekante gesetzt, die Ofeninnenräume waren 50 cm breit und ca. 80-100 cm lang. An den Ofenrückseiten befanden sich zwei intentionell mit Schlackenkuchen verfüllte Gruben, die wahrscheinlich dazu dienten, die Ofenmauern nachträglich zu verstärken.

Von den bislang untersuchten Schmelzplätzen stellt dieser den einzigen dar, an dem lediglich Schlackenkuchen (-fragmente), jedoch keine Plattenschlacken oder Schlackensand vorkommen. Dieser technologische Unterschiede gegenüber den anderen Verhüttungsplätzen scheint auf ein anderes Alter der Fundstelle zurückzuführen zu sein. Die Fundstelle WH/SP 5 kann aufgrund von 14C-Daten in das 16./15. Jh. v. Chr. bzw. die mittlere Bronzezeit datiert werden und stellt somit den bislang ältesten untersuchten Schmelzplatz dieser Region dar.

Nachdem Preuschen und Pittioni 1932 erstmals archäologische Ausgrabungen am Schmelzplatz LK/SP 1 (SP 1 nach Preuschen & Pittioni) im Kelchalmrevier durchführten, kam es in den 1970er Jahren zu weiteren Grabungen durch ortsansässige Laien, wobei die Grabungsergebnisse nicht veröffentlicht wurden. Erst durch intensive Recherchen konnten im Jahr 2013 sowohl die fotografischen als auch die zeichnerischen Dokumentationen dieser Grabungen, welche in der vorliegenden Dissertation präsentiert werden, ausfindig gemacht werden. Bei einer zweiten, nicht veröffentlichten Grabung konnten Ofenbefunde freigelegt werden, sodass insgesamt an drei Schmelzplätzen Verhüttungsanlagen ausgegraben wurden.

Mittels geomagnetischer Messungen gelang es auf der Wurzhöhe weitere Ofenbefunde zu lokalisieren, welche durch zukünftige Ausgrabungen untersucht werden sollen.

An vielen Schmelzplätzen konnten Schlackensandhalden bzw. eine Schlackenaufbereitung nachgewiesen werden. Bei der Aufbereitung von Schlacken ist von einer ähnlichen Technologie wie bei der Erzaufbereitung auszugehen. Nach einem Verhüttungsdurchgang war noch Kupfer in den Schlacken gebunden, weshalb diese auf steinernen Unterlagsplatten zerklopft und aufgerieben wurden. Sowohl auf der Wagstättalm (WH/SP 4) als auch an anderen Schmelzplätzen mit Schlackensand konnten mehrere Steingeräte für eine solche Aufbereitung gefunden werden, darunter Pochplatten, Klopfsteine sowie ein Rillenschlägel. Das gepochte und schließlich gemahlene Material wurde auf nassmechanischem Weg getrennt. Ein Gewässer (Quellaustritt, Lacke, Rinnsal, …) in der Nähe bronzezeitlicher Verhüttungsplätze stellt somit ein Charakteristikum dar. Der ausgewaschene Schlackensand wurde schließlich als Abfallprodukt auf die Halde geschüttet. Auf dem Schmelzplatz WH/SP 4 (1274 m. ü. M.) konnten Überreste einer solchen Waschanlage dokumentiert werden. Es handelt sich dabei um zwei parallel verlaufende, wannenartige Rinnen, die im anstehenden Boden angelegt und an den Seiten mit Holz verschalt waren. Die beiden Rinnen waren zur Gänze mit Schlackensand verfüllt. Dieser war mit vielen Holzbearbeitungsabfällen, Zweigen und Fichten- bzw. Tannennadeln vermischt, was auf Holzarbeiten direkt am Schmelzplatz hinweist. Die dazugehörende Halde befindet sich hangabwärts, in direkter Nähe zur Waschanlage.

Während der Prospektionen der vergangen Jahre stellte man an mehreren Schmelzplätzen Quarzstücke mit Erzresten fest. Bei einer kleineren Sondierungsgrabung im Bereich der Schlackensandhalde des Schmelzplatzes WH/SP 2 konnten besonders viele Quarzstücke mit Chalkopyritresten sowie aufbereiteter Quarzsand direkt im Schlackensand festgestellt werden. Auch an der Sohle einer Rinne der Waschanlage an der Fundstelle WH/SP 4 fand sich eine auf Quarzsand liegende Pochplatte. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Quarz, der wahrscheinlich vor Ort gepocht wurde, als Zuschlag im Schmelzprozess verwendet wurde. Da neben reinem Sand auch größere Quarzstücke mit Kupferkies gefunden wurden, ist davon auszugehen, dass in einigen Fällen auch Erz – zumindest teilweise – direkt am Schmelzplatz aufbereitet wurde. Dieser Umstand könnte auf die Ausbeutung kleinerer oberflächennaher Vorkommen zurückzuführen sein, wobei das Erz in unmittelbarer Nähe geschmolzen wurde, da die Aufbereitung und Verhüttung räumlich nicht voneinander getrennt werden musste. Steingeräte von solchen Schmelzplätzen sind daher höchstwahrscheinlich zum Pochen und Mahlen von Schlacken sowie Erz verwendet worden.

Datierung und Besiedlungsgeschichte

Um die Dauer des prähistorischen Bergbaus im Kitzbüheler Raum ermitteln zu können, wurden insgesamt neun Schmelzplätze mittels naturwissenschaftlicher Methoden datiert. Hervorzuheben sind die dendrochronologischen Untersuchungen an Hölzern vom Schmelzplatz WH/SP 4. Diese ermöglichten es, den Verhüttungsplatz exakt in die Jahre 1272 und 1271/1270 v. Chr. zu datieren. Zuvor veranlasste Gert Goldenberg 14C-Datierungen am Verhüttungsplatz WH/SP 1 sowie dendrochronologische Datierungen mehrerer Hölzer aus der Scheidehalde 32 des Kelchalmrevieres.

Aufgrund der neuen Datierungsergebnisse ist mit einer Initialphase der Montanwirtschaft in der mittleren Bronzezeit bzw. dem 16./15. Jh. v. Chr. zu rechnen. Seine Blütephase erreichte der Bergbau in der frühen Spätbronzezeit; sowohl einige Schmelzplätze bei Jochberg als auch die untersuchten Aufbereitungshalden im Kelchalmrevier datieren in die erste Hälfte des 13. Jh. v. Chr. Diese Datierung wird durch palynologische Untersuchungen an Mooren sowie den archäologischen Streufunden aus dem südlichen Leukental und die Grabungsergebnisse vom bronzezeitlichen Gräberfeld „Lebenberg“ in Kitzbühel unterstrichen. Der nur teilweise ausgegrabene Friedhof datiert von der frühen (Bz D1) bis in die mittlere Urnenfelderzeit (Ha B1) bzw. vom ausgehenden 14. bis in das späte 11. Jh. v. Chr.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Gros des archäologischen Fundmaterials aus der späten Bronzezeit stammt und der Urnenfelderkultur zuzuschreiben ist. Die ältesten bislang bekannten Funde datieren hingegen in die Übergangsphase der frühen zur mittleren Bronzezeit. Jüngere Funde liegen indes lediglich in sehr geringer Zahl vor und erweisen sich in erster Linie als früheisenzeitliche Relikte. Die absolutchronologischen Datierungen von montanarchäologischen Befunden zeichnen überdies ein für das Berg- und Hüttenwesen vergleichbares Bild der zeitlichen Entwicklung. Dieses weist auf einen Zusammenhang zwischen den Bergbauspuren und jenen Funden hin, die nicht direkt dem Montanwesen zuzuschreiben sind. Die von Barbara Viehweider im Rahmen des DOC-team-Projektes durchgeführten palynologischen Untersuchungen an drei Mooren im Gebiet von Kitzbühel und Aurach belegen, dass trotz des fehlenden archäologischen Fundmaterials der Mensch bereits im Neolithikum in diesem Gebiet anwesend war. Eindeutige Siedlungsaktivitäten bzw. Indizien dafür, dass eine größere Gruppe von Menschen das Gebiet langfristig besiedelte, lassen sich allerdings erst ab der Bronzezeit, besonders während der mittleren und späten Bronzezeit, belegen. Neben dem Anstieg von Siedlungszeigern lassen sich in dieser Zeit Rodungsphasen sowie vermehrt Holzkohlereste und Schwermetalleinträge in den Bodenprofilen der untersuchten Moore feststellen. Die Zunahme von Feuerereignissen sowie der stark ansteigende Schwermetallgehalt sind auf das prähistorische Berg- und Hüttenwesen zurückzuführen. Besonders hervorzuheben ist der kontinuierliche Nachweis von Getreidepollen spätestens ab dem Übergang von der mittleren zur späten Bronzezeit bis in die Gegenwart. Die zeitliche Korrelation der bronzezeitlichen Montanwirtschaft mit dem Beginn des Ackerbaus gibt auf bemerkenswerte Weise den Zusammenhang zwischen dem Bergbau und dem Siedlungswesen sowie der Subsistenzwirtschaft wieder.

Es ist daher auch nicht unwahrscheinlich, dass dieses Gebiet aufgrund der reichen Kupferlagerstätten sowie der Verbreitung der ostalpinen Kupfertechnologie ab der mittleren Bronzezeit erstmals langfristig von einer größeren Gemeinschaft besiedelt wurde. Diese Gesellschaft begann mit einer nachhaltigen Montanwirtschaft, die an die Traditionen des ostalpinen Technokomplexes anknüpfte. Die Träger und Vermittler dieses technologisch-montanistischen Wissens können als Pioniere dieser vorindustriellen Form des Bergbaus angesehen werden, der dazu führte, dass erstmals Ackerbau in einem umfangreichen, palynologisch nachweisbaren Ausmaß im Gebiet von Kitzbühel betrieben wurde. Diese Erkenntnisse legen die Vermutung nahe, dass nicht nur ein reiner Technologietransfer, sondern eine Migration aus dem Pinzgau und vermutlich dem Pongau in den Kitzbüheler Raum stattgefunden hat. Auf diese Weise lässt sich die zeitliche Korrelation des erblühenden Bergbaus sowohl mit dem archäologischen Fundniederschlag als auch dem Einsetzen eines kontinuierlichen Ackerbaus erklären. Neben einer Aufsiedelung durch Bergleute aus östlich benachbarten Regionen ist mit einer zusätzlichen Zuwanderung von Menschen aus anderen Gebieten, die zunächst nicht Mitglieder des ostalpinen Technokomplexes waren, zu rechnen. Die Lukrativität des Bergbaus einerseits sowie der hohe Bedarf an Ressourcen und Arbeitskräften andererseits verursachten einen wirtschaftlichen Sog, sodass mit einer anhaltenden Migration in solch eine florierende Montanregion gerechnet werden darf.

Zusammenfassung (Englisch)

Some of the most eminent prehistoric copper mining regions in central Europe are situated in the Eastern Alps, along the greywacke zone. Because of the numerous findings related to the prehistoric copper production, Kitzbühel is one of the largest known prehistoric copper mining districts in the Alps. Since the beginning of archaeology in Austria, there has been a big interest in the traces of prehistoric mining activities in the region of Kitzbühel. Archaeological records and discoveries were mentioned for the first time in 1879 by Matthäus Much. The research focused specifically on the ore processing heaps in the Kelchalm region, where Richard Pittioni and Ernst Preuschen performed large excavations in the 1930s until the 1950s. They located more than 50 ore-processing heaps in the Kelchalm district near Aurach. The archaeological records and discoveries, like stone and wooden tools, found at the excavations in the Kelchalm district enable a reconstruction of the ore processing operation chain. Hammer and anvil stones were used to crush the mix of rock and ore into finely ground particles. Due to the different specific weight of dead rock and ore, these components were separated with water. Some of the most relevant finds related to these wet processing techniques are two troughs with an original size of about 175 x 80 cm as discovered. The troughs were made out of fir trunks with diameters of around 80 cm. Several underground mining sites were found by modern miners during mining activities in the 19th century. After the modern mining came to an end, the mining entrances broke down. Today none of the prehistoric mines are accessible anymore. To gain a picture of the Bronze Age mining, we have to combine different sources, such as historic mining reports, mining maps, and sinkholes on the surface which are related to prehistoric mining activities. Further information can be obtained by few finds related to the underground mining. Handles for bronze picks and tapers have been found during the excavations on the Kelchalm. These handles are similar in type to those used in the Bronze Age mining district of Mitterberg in Salzburg. The tapers are also comparable with those found in the Mitterberg district, as well as the tapers from the Middle and Late Bronze Age salt mines in Hallstatt. Some of the finds and features related to mining and ore processing show significant technological similarities with the Mitterberg district. This suggests a transfer of knowledge or perhaps even a migration from the Mitterberg area to the region of Kitzbühel. Dendrochronological analysis of wooden findings from the Kelchalm dated the investigated processing heaps into the middle of the 13th century BC. Beside the mining and the ore processing features on the Kelchalm, about 50 smelting sites have been located in the communal-areas of Kitzbühel, Aurach, and Jochberg in the valley bottom as well as on the mountain sides between the Kitzbühler Horn to the north and the Pass Thurn to the south. The smelting sites are characterized by different slag types, like fragments of slag blocks, plate slags, and slag sand. Only one of the excavated smelting sites (site: WH/SP 5) had no evidence of plate slags and processed slags. To extract copper matte, metallic copper, and ore-residue from the slag, the blocks of slag were processed to slag sand. The archaeological discoveries from the smelting sites with slag sand heaps suggest that the processing of slags was done with a similar technique as with ore. In the first step, the slag blocks were crushed to finely ground particles by using an anvil and hammer stones. In the second step the copper matte, metallic copper, and ore-residue were extracted from the slag with water. Two gutters situated parallelly were excavated on a smelting site on the Wurzhöhe near Jochberg. The gutters were slightly sunk into the ground and their sides were reinforced by wooden boards. The archaeological investigation has shown that these constructions were used for the wet processing of slag. Similar constructions for wet processing of slag sand have been found on two smelting sites in the lower Inn valley. In the Late Bronze Age, a period of enormous demand for copper, the prehistoric smelting workers increased the yield by obtaining ore-residue, copper matte, and metallic copper drops from the slags. Further investigation will help to reconstruct the duration of the prehistoric mining activities in the region of Kitzbühel. Few urn graves were excavated in the prehistoric cemetery located in the area of Lebenberg in the city of Kitzbühel. According to the relative chronology based on the spectrum of finds, this cemetery was used at least from the 14th to the end of the 11th century BC. Other finds from the area around the mining districts in this region are mainly dated to the middle and Late Bronze Age. The absolute dating of smelting and mining sites in the 14th / 13th century BC combined with the relative dating of the cemetery Lebenberg as well as stray finds show that human activities increased in this period. Also the palynological results show a similar picture. Charcoal as well as the settlement indicators particles in the analyzed peats achieve higher values in the Late Bronze Age. Remarkable is the first evidence of pollen from crop plants like cereals in this phase, which indicates human presence and agricultural activities in the valley bottoms.

The results suggests the assumption that the increase of human activities was related to the boom of an extensive mining industry in the phase of transition from the Middle to the Late Bronze Age.