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Title
Entwicklung des multivariablen Raumplanungsinstruments SHARC zur Verbesserung der inneren Stärke der Gemeinden in Vorarlberg gegenüber zukünftigen Anforderungen / Dipl.-Ing. Mag. (FH) Markus Berchtold-Domig
Additional Titles
Development of a multivariable spatial planning instrument, ‘SHARC to improve the fortitudes of the communities in Vorarlberg towards future requirements
AuthorBerchtold-Domig, Markus
Thesis advisorCoy, Martin
PublishedInnsbruck, 13.03.2016
Description234 Blätter : Illustrationen
Institutional NoteUniversität Innsbruck, Dissertation, 2016
Date of SubmissionJune 2016
LanguageGerman
Document typeDissertation (PhD)
Keywords (DE)Gemeindeentwicklung / Raumplanungsinstrument / SHARC Sustainable Holistic Assessment for Regions und Communities / Nachhaltigkeit / Planungstheorie / Sozialgeographie
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Abstract (German)

Gemeinden sind enormen globalen wie lokalen Veränderungen ausgesetzt. Jedoch fehlen in der Region Vorarlberg ein spezifisches Raumplanungsinstrument und ein umfassend definierter Qualitätsmaßstab für die Steuerung der Entwicklung von Gemeinden und Regionen bei den gegebenen Herausforderungen. Die forschungsleitende Frage lautet daher: „Welche Struktur hat ein neu zu entwickelndes multivariables Raumplanungsinstrument SHARC (Sustainable Holistic Assessment for Regions und Communities) zur Verbesserung der inneren Stärke einer Gemeinde gegenüber den zukünftigen Anforderungen?“ Dabei soll das neue Instrument die relevanten theoretischen Ansätze aufgreifen, sich in die vorhandenen Planungsinstrumente einreihen sowie den gesetzlichen und praxisbezogenen Anforderungen entsprechen.

Da sich die Themen von SHARC nicht eindeutig einer einzigen Theorie zuordnen lassen, erfolgt eine zielorientierte Zusammenführung von Theorieansätzen. Die Aufarbeitung der Theorien geschieht nach den jeweilig wesentlichen Paradigmen ab dem Zweiten Weltkrieg. Die Zusammenführung der Theorien erfolgt mittels Triangulation. Dabei wird kein eigener Theoriemix erstellt, sondern vielmehr werden gegenseitige Bezüge hergestellt, welche direkt in die Entwicklung des Instruments einfließen, d.h. die eigentliche Triangulation findet mit dem Instrument ihren Ausdruck.

Die Einbettung des Instruments in die Theorie der Nachhaltigkeit ergibt sich aus der persönlichen und der fachlich-raumplanerischen Motivation. Die Gemeinde ist ein adressierbarer, handelnder Akteur für Nachhaltige Entwicklung und Raumplanung. Die Theorie der Nachhaltigkeit umfasst neben den drei thematischen Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales auch die querschnittsorientierten normativen, operativen und analytischen Dimensionen. ^Wesentlich für die Nachhaltige Entwicklung ist auch die Betrachtung der Prinzipien der Good Governance und der Partizipation der Bürger, welches auch Kernfragen der Gemeindeentwicklung und damit des Instruments SHARC darstellen.

Die Sozialgeographie bildet ein weiteres theoretisches Fundament. Das prägendste Raumplanungsinstrument in Vorarlberg, der Flächenwidmungsplan hat seine theoretische Fundierung in der Wien-Münchner-Schule der Funktionalen Sozialgeographie. Im Gegensatz dazu hinterfragt die Welfare Geography die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und weist auf die globalen wie örtlichen gesellschaftlich-räumlichen Missstände hin. Insbesondere mit der Bezugnahme auf die historischen Paradigmen zeigt sich deutlich der damalige Raumplanungsbezug, welcher jedoch keine explizite Abbildung in der gegenwärtigen Debatte der Verhaltens- und der Handlungsorientierten Sozialgeographie findet. Ein Exkurs in die Soziale Ökologie schafft Anknüpfungspunkte zur Nachhaltigen Entwicklung und zur politischen Praxis der Raumentwicklung.

Ein Raumplanungsinstrument hat sich auch in die Planungstheorie einzugliedern, wiewohl dem Autor bewusst ist, dass dies ein herausforderndes Unterfangen darstellt, da es die Planungstheorie nicht gibt. Zudem finden sich in der Planungspraxis in Vorarlberg kaum Bezüge zur Planungstheorie, sondern die Entwicklung erfolgt verstärkt durch ein Aufgreifen und Weiterentwickeln erfolgreicher Praxiserfahrungen. Der Exkurs zu internationalen Zertifizierungssystemen für nachhaltige Stadtteilentwicklung zeigt neue Entwicklungen in der Raumplanung auf. SHARC greift auf die drei Generationen der Planungstheorie zurück, dient der iterativen Entwicklung von Planungs- und Entscheidungsgrundlagen und hat durch das zeitlich begrenzte, punktuelle Anwenden ein performatives, kommunikatives und inkrementelles Element.

Die Entwicklung des Instruments SHARC basiert auf der Methodik der Aktionsforschung. Das neue Wissen entsteht im Dialog zwischen Theorie und Praxis. Der Autor nimmt eine Doppelrolle ein, einerseits als Forscher und andererseits als ein Vertreter der Planungspraxis. Die Herangehensweise an die Herausforderungen erfolgt transdisziplinär, d.h. Vertreter von Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Experten arbeiten in der Entwicklung des Instruments mit.

In drei Phasen wird das Instrument erstellt. In der ersten Phase werden die theoretischen Unterlagen gesichtet, die persönlichen Praxiserfahrungen geordnet und auf Basis der Analyse bestehender Instrumente ein Erstentwurf erstellt. In der zweiten Phase erfolgen die Entwicklung der 13 Entwürfe des Instruments, die Evaluierung der ersten Entwürfe mit den Endnutzern in den Gemeinden und die Überarbeitung der Entwürfe sowie der fachliche Austausch mit Experten. In der dritten und letzten Phase wird auf Basis der Evaluierungen die finale Version des Instruments in Zusammenarbeit u.a. mit den Vertretern maßgeblicher Institutionen in Vorarlberg entwickelt.

SHARC erhebt die Ist-Situation einer Gemeinde und stellt diese mittels Punktesystem dar. SHARC ist in acht Themen (Handlungsfähigkeit, Bebauung, Ökologie, Mobilität, Energie, Soziales, Ökonomie und Sicherheit) untergliedert, diese sind wiederum in vier Prozessschritte (Werthaltungen/Ziele, Bestandserhebung, Planungen/Maßnahmen, Umsetzung/Anwendung) strukturiert, welche die 101 Kriterien zusammenfassen. Die Erfüllung der Kriterien wird mittels Beantwortung von 540 teiloffenen Fragen überprüft. Für jene Fragen die positiv beantwortet werden, können Punkte gutgeschrieben werden, je mehr Punkte, desto besser ist die Gemeinde.

Das Erhebungsinterview (Schritt 1) stellt die Grundlage für die weiteren Schritte dar. In einem bis zu achtstündigen Interview wird die gegenwärtige Situation der Gemeinde erfasst. In der Analysephase (Schritt 2) werden die wesentlichen Stärken und Entwicklungspotentiale der befragten Gemeinde herausgearbeitet und mit konkreten Handlungsansätzen erweitert. Dann erfolgt die Diskussion des Zwischenberichtes mit den Entscheidungsträgern (Schritt 3). Anschließend wird in der Einbindung der Bürger (Schritt 4) die Bevölkerung im Rahmen verschiedener Möglichkeiten (SHARC-Focus, SHARC-Aktionstag, SHARC-Bürgerrat, SHARC-Bürger-Check) in den Planungsprozess miteinbezogen und Bezug zu den bisherigen Ergebnissen genommen. Die Rückschlüsse und Resultate der Bürgerbeteiligung werden im Abschlussbericht festgehalten und an die Entscheidungsträger übergeben (Schritt 5).

Zur Überprüfung der Funktionalität des Steuerungsinstruments SHARC wurden in zehn Gemeinden bzw. in zwei Regionen mit Gemeindeverantwortlichen die Schritte 1-3 und der Schritt 5 durchgeführt. Die Beteiligung der Bevölkerung, Schritt 4, wird aufgrund des hohen Aufwands, der umfangreich vorhandenen Erfahrung des Autors sowie der möglichen politischen Brisanz der Erkenntnisse nicht getestet. Die Ergebnisse der SHARC Anwendung zeigen unter anderem, dass die Gemeinden, welche sich mit dem Thema Energie verstärkt auseinandersetzen, auch in den anderen Themen innovativer agieren. Ebenso sind Motivationseffekte durch Vorbildgemeinden zu erkennen.

Grundsätzlich liegt das Hauptaugenmerk dieser Arbeit nicht auf der Entwicklung neuer (integrativer) theoretischer Ansätze, sondern auf der Entwicklung eines Instruments, welches ermöglicht, umsetzungsorientierte Impulse für die Stärkung der Gemeinden zu planen und zu setzen. Dennoch ergeben sich Impulse für Weiterentwicklung der einzelnen Theorien, z.B. durch die verstärkte Bearbeitung des Themas Energie, die Notwendigkeit der Adressierung und Verortung der Anforderungen der Nachhaltigen Entwicklung oder die Qualitätsdiskussion und das Monitoring in der Raumplanung. Aus Sicht des Autors lohnt sich eine Weiterentwicklung der genannten theoretischen Ansätze, deren stärkere Integration und darauf aufbauend die nochmalige Überarbeitung des Instruments.

Abstract (English)

SHARC supports communities in dealing with the local and global challenges. The tool is embedded in the theory of sustainability, social geography and planning theory. SHARC fits into the existing planning instruments in the Vorarlberg region.

The instrument is being developed transdisciplinary in three phases within the framework of action research. The author takes a dual role, as a researcher and as a representative of the planning practice. A first draft is based on the theories and existing instruments. The iterative tests in eleven communities took place after ten development rounds. The final version has been brought forward after discussions with stakeholders.

SHARC records the current situation of a community according to eight issues and four process steps. The results are represented in a scoring system. The decision makers are interviewed; the results are evaluated and coordinated with the citizens. Finally a report is generated with recommendations for action.

SHARC was well received in the application. The test results indicate needs for further research on the spatial location of sustainable development, a community's capacity to act, as well as the role of energy as a trigger for innovations in spatial development.

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