Bischof Heinrich II. von Trient (1274—1289)
insbesondere sein Streit mit Meinhard IL, seit 1258 Grafen von Tirol
und seit 1286 Herzog von Kärnten.
Fortsetzung der Abhandlung des fiinfunddreissigsten Programmes des k. k. Staats¬
gymnasiums zu Innsbruck, veröffentlicht am Schlüsse des Sommersemesters 1884.
Yon Dr. Jos. Egger.
Alle diese Artikel gebot der König dem Bischof und dem Grafen unver¬
brüchlich zu halten kraft des abgeschlossenen Compromisses und bei der
darin angedrohten Strafe. Sentenz und Gebot wurden in Gegenwart beider
Parteien öffentlich verkündigt und beide Theile gaben hiezu ausdrücklich
ihre Zustimmung. Gegenwärtig waren dabei: Ludwig Pfalzgraf und Herzog
von Baiern, Friedrich Burggraf von Nürnberg, die Herzöge von Teck, die
Grafen Albert und Burkhard von Hohenberg, L. sen. und L. jun. von Oettingen,
Heinrich von Pürstenberg und Hugo von Werdenberg 1 ).
Die Entscheidung Rudolfs I. ist ein wahrhaft königlicher Spruch. Bischof
Heinrich hätte alle Ursache gehabt, damit zufrieden zu sein. Eine Reihe
von Besitzungen und Rechten, die schon für die Kirche des hl. Vigilius
verloren schienen, sollte er wieder gewinnen; ich erinnere nur an die Artikel
3, 4, 5, 6, 9 und 11; weitere Entscheidungen liessen noch eine Vermehrung
hoffen. Seine Lage wurde durch das königliche Urtheil wesentlich gebessert.
Aber auch Graf Meinhard II. hatte keinen besondern Grund zur Unzufriedenheit.
Musste er auch manches, was er für immer errungen zu haben glaubte^
wieder herausgeben und somit nicht unbedeutende Opfer bringen, so erlangte
er doch für das, was ihm blieb, durch den Spruch des Königs einen so
bestimmten Rechtstitel, dass der Erwerb für immer gesichert schien, und
das waren gerade die wichtigsten Errungenschaften. Aus dem deutschen
Etschlande, aus den ehemaligen Grafschaften Eppan und Bozen, war damit
die Herrschaft des Bischofs beinahe verdrängt. Und dann blieb ihm noch
die Hoffnung, dass der Bischof bei seiner Geldnoth die Stücke, welche er
*) Ughelli, It. sac. 5 , 614 ff. Lünig, Cod. Germ. dipl. Die schlechten Lesearten,
namentlich betreffs der Eigennamen, sind verbessert nach der genauen Abschrift des
im Wiener H., H. und Staatsarchiv liegenden Originals, die in d. Bibi. tir. D. 1331,
86 ff. steht. Boehmer, Reg. Rudolfs 263 .
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