soll dieses Portefeuille aber erst nach Beendigung der
Verhandlungen mit Griechenland übernehmen. Die
türkische Regierung läßt die im Süden Thessaliens
und deS Epiru liegenden Staatsgüter verkaufen Die
albanesische Liga soll nun fordern, daß ihr ein Theil
des Erlöses für diese Güter für ihre Zwecke über¬
lassen werde. — Von der Ernennung Hajdar Paschas
zum Gouverneur von Skutari hofft man sich ein
rasches Fortschreiten der Arbeiten der Commission^ für
die Regulirung der türkisch-montenegrinischen Grän e.
Die Commission wird ihre Arbeiten am nächsten
SamStag wieder aufnehmen.
^ In der italienischen Abgeordnetenkammer,
welche am 23. d. WitS. vertagt wurde, kam eS, wie
schon telegraphisch gemeldet, am 2l. in der Morgen¬
sitzung zu einigen Interpellationen über die auswärtige
Politik, welche dann vom Ministerpräsidenten Cairoli
in der Nachmittagssitzung kurz beantwortet wurden.
„Das gegenwärtige Ministerium — sagte Hr. Cairoli
— ist erst seit wenigen Tagen im Amte und kann über
seine Thätigkeit in der türkisch griechischen Gränzfrage
noch keine Rechenschaft geben. Ueber das Verhalten
des vorigen Ministeriums müssen uns die Erklärungen
des Herrn DepretiS beruhigen. Unsere Richtschnur
für die Zukunft wird das Nationalitatsprincip sein
und ebenso auch der Artikel 21 des Berliner Ver¬
trages. Die Verhandlungen dauern fort, und die
Niächte haben sich verpflichtet, den betheiligten Par¬
teien nur einmüthige Beschlüsse mitzutheilen. Es ist
zu hoffen, daß die Türkei die unterbrochenen Verhand¬
lungen mit Griechenland wieder aufnehmen wird. Die
ägyptische Frage nimmt eine ernste Gestalt an, eS hat
sich eine Controverse entsponnen, über welche Ver¬
handlungen delicatester Natur stattfinden. Bezüglich
der Vergangenheit werden in wenigen Tagen diplo¬
matische Actenstücke veröffentlicht werden, die zeigen
dürften, daß die italienis en Interessen gewahrt wur¬
den. Es ist ein Gedankenaustausch zwischen dem ita¬
lienischen Cabinete und den anderen Brächten einge¬
leitet, und es scheint, daß unsere Anschauung, eS sollen
keine Veränderungen in Aegypten ohne das Einver¬
nehmen der Pforte mit den anderen Brächten vorge-
nouimen werde», durchdringt. In Tunis wird die
Negierung die iialienischen Interessen stets wahrneh¬
men; schließli >' hoffe ich, die Kammer werde von
unserem Ents lnsse, eine versöhnliche, aber feste und
ehrenvolle Politik zu befolgen, überzeugt sein."
^ Es verlautet aus Haag, die niederländi¬
schen Minister van de Putte und CremerS hätten
die Bildung des neuen CabinetS abgelehnt.
^ DaS vom 24. ds. datirende Programm des
runiänischen CabinetS besagt: Nur ein derartig gebil¬
detes Fusionsministerium könne den Schtvierigkeiten der
Situation des Landes begegnen. Das Cabinet sei
entschlossen, den Rumänien durch den Berliner Ver¬
trag auferlegten Verpflichtungen nachzukommen, jedoch
auch die ökonomischen und socialen Interessen der
Nation zu wahren. Die Negierung glaube, sowohl
dem Verlangen der europäischen Diplomatie, als den
legitimen Besorgnissen des Landes gerecht zu werden,
wenn sie neben der Anerkennung des Princips, der
Gleichheit der Religionsbekenntnisse und der Freiheit
aller Culte bei der Revision des theilweise innere
Interessen Rumäniens berührenden Art. 7 eine Lösung
zulasse, welche auf dem Princip der individuellen Natu¬
ralisation und specieller Beschränkungen zur Erlangung
von Grundeigenthum beruhe. Diese Erklärungen wür¬
den alsbald zur That werden.
^ Auö Brood wird unterm 24- Juli gemeldet:
Der^türkische Bevollmächtigte für die NecognoScirung
der Lim-Linie, Husin Pascha, ist heute Nachmittags
hier angekommen. Morgen reist derselbe nach L-era-
jewo weiter.
Die neueste Ueberraschung, welche der Sultan
dem Publicum bereitete, war die Nückberufung seines
famosen Schwagers Mahmud Daniat Pascha'S nach
der Hauptstadt, wo er baldigst eintreffen dürfte. Daß
diese Rückkunft zu vielen Combinationen Veranlassung
gibt, ist, wie man der „Boh." schreibt, leicht begreiflich.
Die Conjecturalpolitik florirt wie nie, und die Mi¬
nisterlisten schießen wie die Pilze aus der Erde her¬
vor. Ob Mahmud Daniat dem jetzigen Großvezier
das StaätSruder entwinden, oder ob er sich mit der
bescheidenen Rolle eines geheimen NathgeberS des
Sultans begnügen wird, kann Wohl Niemand mit Be¬
stimmtheit voraussagen; der Umstand aber, daß so
viele heterogene Elemente gegenwärtig in Stambul
concentrirt sind, läßt keinen Zweifel darüber, daß
schon in nächster Zeit ein hartnäckiger Kamps auf der
ganzen Linie entbrennen wird. Die jetzige Gruppi»
rung der Parteien dürste ungefähr folgende sein:
k. Khaireddin mit einer kleinen Anzahl seiner Ge¬
treuen, welche jedoch gar keinen Einfluß besitzen, und
die, sowie ihr Chef, ausschließlich auf die Protection
Frankreichs und Englands angewiesen sind. 2- OS-
man, Said und Munif Effendi, die ausgesprochenen
Partisane der russischen Allianz, welche auf den Groß-
herrn theils durch Pression, theils durch Intriguen
einen bedeutenden Einfluß ausüben. 3. Mahmud
Neddim Pascha mit einer großen Anzahl von Alt¬
türken, deren Verbindungen bis in die verborgensten
Gemächer des Serails reichen. Die 4. Gruppe bil¬
det Mahmud Damat Pascha mit der nächsten Um¬
gebung deS Sultans Abdul Hamid. Es ist voraus¬
zusehen, daß diese Gruppen nicht vereinzelt gegen ein¬
ander kämpfen, sondern daß die persönlichen Interessen,
welche vor allem Anderen hier vorherrschend sind, ge¬
wisse Allianzen herbeiführen werden. Möglich, daß
sich Mahinuv Damat mit Khaireddin verbindet, um
sich in den Augen Europa's zu rehabilitiren, eigent¬
lich aber uni seinen Todfeind Said Pascha, dem er
seine bisherige Verbannung verdankt, aus der Nähe
des Sultans und womöglich aus der Hauptstadt zu
verdrängen,, möglich, daß zwischen den beiden Mah¬
muds eine enge Allianz zu Stande kommt und da¬
durch die geheimen Wünsche Abdul Hamids realisirt
würden. Endlich aber ist es auch möglich, daß
Mahmud Damat sich auf Geheiß des Padischah mit
der ihm feindlichen Partei aussöhnen wird. Wie im¬
mer die Gruppirung sich aber auch gestalten mag,
das Eine ist sicher, daß wir schon in den nächsten
Tagen große Veränderungen in der Regierung zu er¬
warten haben.
2n der Sitzung des englichen Oberhauses vom
18. dS. verlas Earl of Cohagan, UnterstaatSsecretär
für die Colonien, eine Depesche Sir Garnet Wol-
seleh's aus Pietermaritzbürg, 30. Juni 1879: „Nach
dem Stande der Dinge kann der Zulukrig in die¬
ser Saison beendet werden. Ich werbe ein Corps
von 4000 Lastträgern, fürCrealockö Colonne an und
kann, wenn nöthig, ihre Zahl erheblich vermehren.
Telegraphische Verbindungen mit Port Durnford, wo
Vorräthe aufgestapelt, sind hergestellt; hoffe, selbst
dort am Mittwoch Morgens zu landen und mit
CrealoüS Colonne nach St.-Pauls Missionsstation
vorzurücken, uni die zweite Division und Woods Co¬
lonne zu treffen, die jetzt bei eineni Puncte etwa
zwölf Meilen südwestlich von Ulundi sind, der auf
amtlichen Karten Magnibanium genannt wird. Cette-
wayo sagt, er wolle Frieden; um seine Aufrichtigkeit
zu erproben, habe ich seine zwei Boten heinigesendet
und sagen lassen, er müsse drei seiner Räthe, die ich
nannte, senden, um meinen Agenten im Lager der
ersten Division zu treffen, wo Friedensbedingungen
erörtert werden können. Beste Nachrichten sagen,
daß er jetzt nur etwa 10.000 Mann in'S Feld brin¬
gen kann. Habe Maßregeln getroffen, die Zulu
wissen zu lassen, daß Alle, die sich uns anschließen,
gut behandelt und ihnen ihr Vieh belassen werden
soll. — Höre soeben, daß der König Elephanten¬
zähne, welche ein Friedenszeichen sind, gesendet hat
sowie das bei Jsandula genommene Vieh; das Vieh
ist von ChelmSfort behalten, aber die Zähne mit er¬
neuerter Forderung zurückgesendet worben, die bei
Jsandula eroberten Geschütze zu senden."
Wcnl- mld Provinzial-Ehromk.
Innsbruck, 26 . Juli.
^ An unserer Universität hat sich Dr. Josef E.
Wackernell für neuere deutsche Literaturgeschichte
habilitirt und am 24. Juli seinen Probevortrag
„Ueber Platen'S Bedeutung in der deutschen Litera¬
tur" gehalten. Wackernell ist in Göflan bei Schlan-
ders geboren, studirte zuerst am Gymnasiuni zu Meran,
dann in Hall, wo er die Maturitätsprüfung mit Aus¬
zeichnung bestand, war dann durch sieben Semester an
der hiesigen Universität mit historischen und germani¬
schen Studien beschäftigt und erwarb sich daö Doc-
torat der Philosophie auf Grund seiner Erstlings¬
arbeit „Walter von der Vogelweide in Oesterreich"
1877. Seiner weiteren fachlichen Ausbildung wegen
besuchte er die Universitäten Wien, München und
Berlin. Seine kritische Ausgabe des Hugo von
Montfort in den „Tirolischen Minnesängern" (bei
Wagner) liegt fertig vor; auch eine Ausgabe und
Biographie G. Lichtenberg'S (bei Hempel) haben wir
von ihm zu hoffen.
^ Gestern erhielten vom hochwürbigsten Weih¬
bischof Amberg 23 Sludirende der Theologie die
Tonsur und niederen Weihen und 33 erhielten die
Diaconatsweihe; unter den Letzteren waren sieben
Scholastiker des JesuitenorvenS. Morgen Sonntag
um 7 Uhr früh wird mehr als 30 (32?) Studiren-
den der Theologie an der hiesigen Universität in der
Jesuitenkirche die Hl. Priesterweihe gespendet.
Heute Nachts verschied in Wllten der bekannte
Fleischermeister Graßl, Bruder der ehemaligen Be¬
sitzerin des Tiroler Hofes, Frau Bandeson und der
Frau Rauchwaarenhändlerin Hörtnagl hier. Der erst
28jährige Manu wurde gestern Nachmittags vor der
Servittenkirche vom Schlage gerührt. Er ist wohl
als ein Opfer der gegenwärtig herrschenden tückischen
Witterung zu betrachten, welche wieder entschieden
siroccalen Charakter besitzt.
Nachrichten über Schießstands- nnd Landes-
vertheidigttngstvesen.
^ Innsbruck. Morgen Sonntag Gesellschafts¬
schießen im k. k. Landeshauptschießstand. — Bestge¬
winner vom „Jakobischießen: Am Haupt: 1. Maaß
Michael von Innsbruck, 2. Hauptmann Hauber von
Innsbruck; am Schlecker: I. Nairz Jakob von Inns¬
bruck, 2. Maaß Carl von Innsbruck, 3. Ortlieb M.,
Unterschützenmeister von Innsbruck, 4. Malfakti Franz
von Innsbruck; Prämien: 1. Jenewein Josef von
Innsbruck, 2. Gogl Emerich von Innsbruck. — Frei¬
schießen in Aldrans am 27. und 28. Juli. Zwei
Hanptbeste mit 6 und 3 fl. Vier Schleckerbeste und
fünf Präniien. Einlage am Haupt für 3 oder
6 Schüsse L 80 kr. Der Schleckschuß kostet 5 kr.
^ Hötting. Morgen Sonntag Kranzgab- und
Jungschützenschießen.
^ Wilten. Morgen Sonntag Kranzgabschießen. ^
^ Derg-Jsel. Heute Nachmittag von 4 Uhr
an GesellschaftSschießen. Abends von halb 6 bis halb
8 Uhr Platzmusik.
Franz T H u r n e r.
Nekrolog.
(Schluß aus Nr- 168.)
Es ist selbstverständlich, daß ein Mann von solcher
Thatkraft und Bürgertugend nicht zu Hause blieb,
als die Gefahr des Vaterlandes dessen Söhne in den
Kampf rief; ja daß er seinen Einfluß auf die durch
ihn organisirte Schaar und seine Popularität geltend
machte, um vereinte Kraft dieser Gefahr entgegen¬
zusetzen.
Im Jahre 1848 , während die 1. Wiltauer
Schützencompagnie unter Hauptmann v. Mörl an die
Gränze gerückt war und ihre Dienste that, fing man
Anfangs 2uin ans den zurückgebliebenen Schutzen
des Bezirkes Sonnenburg eine 2. Wiltauer oder
Sonnenburger Compagnie zu sormiren an, zu deren
Hauptmann Oberschützeumeister Johann Erlacher, zu
deren Oberjägern Nnterschützenmeister Mair und
Th urner gewählt wurden. Diese Compagnie, später
unter dem Hauptmann v. Mörl, versah aber nur
den Vürgerwehrdienst in Innsbruck. Anfangs August
wurde jedoch wieder eine Feldschützen-Compagnie zu¬
sammengestellt unter Andreas Mayr von Ehrenhausen
als Hauptmann. Thurner wurde zum Oberjäger
auch dieser Compagnie gewählt. Dieselbe rückte am
12. August 1848 an die Gränze und that ihre Dienste
in Judikarien durch zwei Monate.
In dem dem Oberjäger Thurner für diese Dienst¬
leistung ausgestellten Zeugnisse vom 31.October 1848
wird demselben für seine „mit regem Eiser, pünktlichen:
Gehorsam und ausgezeichneter Umsicht geleisteten mili¬
tärischen Dienste", sowie für seine „ausgezeichnete
militärische Haltung und unverdrossene Ausdauer in
den ungesunden Gegenden herzlicher Dank und volle
Anerkennung" mit dem Beisatze ausgesprochen, daß er
„zur Wahl eines wackeren OfficierS bei einer Schützen¬
compagnie jedenfalls vollkommen geeignet" sei
Diese Eignung sollte er in den Jahren 1859 und
1866 als Hauptmann vollauf bewähren.
Am 1. Mai 1849 wurde Thurner in die Stand¬
schützen-Matrikel am LandeShauptschießstande aufge-
uommen.
Im Kricgsjahre 1859 war es nun also Thurner