von Herzen, daß einst, wenn es ihm endlich gefällt,
«inen Entschluß zu fassen, nicht von allen Seiten die
Antwort erschalle: Zu spät!"
Am 17. d. MtS. ist beim Prinzen Ierüme Napo¬
leon eine Deputation aus dem Süden Frankreichs
erschienen, die vom Leichenbegängnisse in Chislehurst
zurückkam. Ein Mitglied dieser Deputation, Dubois,
Bügermeister von Billedieu und Generalrath der
Tarn-Garonne, fragt, ob die imperialistische Partei
darauf hoffen könne, den Prinzen an ihrer Spitze zu
behalten, worauf dieser Folgendes antwortete: „Als
Familienoberhaupt wie auch als dynastischer Führer
werde ich alle meine Pflichten zu erfüllen wissen.
Nur müssen Sie es mir überlassen, den Tag und die
Stunde für mein Hervortreten zu wählen. Gegen¬
wärtig ist die Republik die regelrechte und gesetzliche
Regierung des Landes; als NegierungSform hat sie
Anspruch, wenn auch vielleicht nicht auf unsere Sym¬
pathie, so doch wenigstens auf unsere Achtung. Aus
der Revolution und dem Volkswillen hervorgegangen,
. kann das Kaiserreich, möge eS autokratisch oder liberal
:sein, seine Sanction nur von dem freien Willen des
Volkes empfangen. Was mich anbelangt, so werde
ich, der ich nun allein Oberhaupt der Familie der
Bonaparte bin, mich auf keine Intriguen, auf keinen
Vergleich einlassen, welcher die BonaparteS mit ihrem
^revolutionären Ursprünge in Widerspruch setzen kann"
Van de Pulte und Cremers übernahmen den
Auftrag der Bildung des neuen niederländischen
CabinetS nur unter der Bedingung vorheriger Be¬
rathung mit ihren politischen Freunden. In der detz-
ichalb am 21. Juli abgehaltenen Versammlung liberaler
Deputirten wurde infolge hervorgetretener Meinungs¬
verschiedenheiten noch kein definitiver Beschluß gefaßt.
: Für die Jahrmarktsdauer in Nischni-Now-
-gorod wurde Jgnatiew zum zeitweiligen General¬
gouverneur ernannt. Die „Agence Russe" führt aus,
vor Erwägung der neuen politischen Reformen müsse
.sman erst das Terrain reinigen. Die Regierung Ale-
, xanderS habe die Aera allmäliger liberaler Refor-
.,men (?) inaugurirt und werde auf diesem Wege be¬
harren.
^ Die neuesten Kriegsnachrichten aus Süd-
Amerika, die am 18. d. M. über Panama in New-
Mork eintrafen, melden eine Landschlacht zwischen den
chilenischen und den peruanisch-bolivianischen Truppen.
Die Ersteren hatten das wichtige Calama besetzt,
wurden aber von den verbündeten Gegnern mit einem
Verluste von 1500 Mann hinausgeschlagen. Nähere
Angaben über diesen Kampf fehlen noch. Auch zur
See ist eS wieder zu einem neuen Gefechte gekommen;
der peruanische Monitor „Huaöcar" und das chile¬
nische Panzerschiff „Blanco Encalada" geriethen an
einander, und letzteres soll gezwungen worden sein,
mit schweren Havarien in einem chilenischen Hafen
Schutz zu suchen. In Lima herrscht darüber große
Freude, Berichte von chilenischer Seite fehlen noch.
Focal- und Proviurial-Chronik.
Innsbruck, 24. Juli.
^ An der hiesigen Universität wurde am 23. dS.
Herr Franz Slavic zum Doctor der Theologie pro-
movirt.
Franz T h u r n e r.
Nekrolog.
(Fortsetzung von Nr. 167.)
Ende September kehrt er, von seinen Freunden
in Innsbruck jubelnd begrüßt, in seine Vaterstadt
zurück. Hier erfährt er nun, daß der Bürgermeister
schon zweimal nach ihm geschickt und begibt sich er¬
staunt zu demselben.
„Sein Sie amal da! war'sein Gruß, obwohl ich
im Leben früher nie eine Silbe mit ihm gesprochen.
Nun erklärte er mir, wie er auö der Zeitung ent¬
nommen, daß ich im Löschwesen (besser Steigerwesen)
etwas lernen gegangen sei und ich werde wohl auch
etwas gesehen haben, dann erzählte er mir den Fall
in Zürich und von den berühmten Rettungsschläuchen
und daß er bei Zelger hier schon zwei solche Schläuche
bestellt, daß sich aber der Zelger noch nicht ganz
auskennt mit den Schläuchen u. s. w.
„Nun war die Rede an mir, ihm den Slandpunct
klar zu machen; das that ich auch und obwohl mir
jedes Wort noch erinnerlich ist, so führe ich von nun
an nur mehr Thatsachen an....."
13 ««
„In meiner Einlage an den Herrn Bürgermeister
legte ich die Nothwendigkeit dar, daß, wenn über¬
haupt etwas geschaffen werden solle, das Zugehörige
nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Und so kam
es, daß die von mir in Mainz bestellten Gegenstände
im Bürgerausschusse zur Anschaffung bewilligt wur¬
den. Als Herr Bürgermeister mir die mündliche Mit¬
theilung machte, konnte ich ihm schon die Anzeige,
daß die Geräthe von Mainz abgegangen, vorweisen.
Große Augen, etwas von Voreiligkeit..... meine
Bemerkung war einfach die, für diese Sache wisse
ich immer Geld zu finden. Unterdessen warb ich
unter meinen Turnern und suchte vorzüglich Avam,
Daum, Nhomberg, kurz solche Männer hineinzuziehen,
deren Namen schon der Sache eine feste Grundlage
geben konnten. Es gelang mir auch, . . . ., alle
waren für die Sache im vollen Sinne des Wortes.
Nun kamen die Geräthschaftcn, natürlich von Jedem
nach seiner Weise anfangs beurtheilt ; hätte ebenso gut
eine fremde Maschine zum' Kartoffelhacken ankommen
können, wie diese Sachen zum Steiger- und Rettungs¬
dienst. Mit der Geräthschaft jedoch traten zwei neue
Forderungen an den Magistrat, die Anschaffung eines
Karrens mit 60 fl. und die Ausrüstung der Mann¬
schaft." ....
Neue Verblüffung! Man bot Thurner einen alten
Rüstwagen für die Geräthe und die Ausrüstung wollte
man hinausschieben. Doch unser Thurner blieb fest,
denn wer A sagt, müsse auch B sagen. So con-
stituirte sich die Mannschaft zu einem eigenen Körper
als Steiger und Retter).
„Man frug sich nun an, unter welches Commando
ich mich zu stellen habe, denn ich kenne auf dem
Brandplatze nur Einen Befehlenden. Das war für
die Herren eine harte Nuß. Es wurden, um diese
Frage zu lösen, sämmtliche Commandanten des Inns¬
brucker Feuerlöschwesens im Polizeidirections-Gebäude
zusammengerufen und ich dazu eingeladen." ....
Diese Commandantschaft war folgendermaßen zu-
sammengesetzt: der LandeSbaudirector, ein Ingenieur,
der Bürgermeister, ein städt. Bauinspicient, der Polizei-
Director, ein Polizei-Commissär, der Militärcomman¬
dant und der Geniemajor.
„Diese alle waren berechtigt, daS Commando zu
führen, diesen Allen mußte Folge geleistet werden.
Als die Reihe an mich kam, zu sprechen, berief ich
mich einfach auf Z 7 unserer Statuten, indem ich
daS vielköpfige Commando bei einem Brandunglncke
auf's unbarmherzigste geißelte. (Du mußt eben dir
die Zeiten und deren Verhältnisse von dazumal iu'S
Gedächtniß rufen und was es hieß, gegen so alte
eingefleischte Gewohnheiten zu Felce zu ziehen.) An¬
fangs ging eS wie eine Sturwfluth auf mich herein;
man könne wegen 20 Mann die alten Ordnungen
nicht umstoßen, das sei eine Anmaßung, wir über¬
schätzen uns u. dgl. Statt jedoch nur einen Zoll zu
wanken, führte ich immer neue Gründe in'S Feld,
erklärte, daß wenn ich beauftragt werde, fünf Mann
dahin, fünf Mann dorthin abzusenden und diese fünf
Mann einem Commandanten in den Wurf kommend
wo anderShin beordert werden, ein anderer der Her¬
ren sie wieder wo anders hinschickt, wir wie Narren
auf dem Brandplatze herumgehetzt werden, und schließ
lich im besten Falle nichts geleistet haben . . . ."
Und was da unser halsstärriger Freund noch wei¬
ter für Gründe vorbrachte, bis er die Cabinetsfrage
stellte. Er verlange übrigens gar nichts Anderes, als
daß ihm die Werthe Versammlung einen Herrn be¬
zeichne, dem er unterstehe. „Welcher, das ist mir
gleich, aber ich kenne dann bei Feuersgefahr keinen
Anderen. DaS zog, zuerst trat das Militär auf meine
Seite, dann die Polizei, erst schließlich und zwar sehr
ungerne die Baudirection. Die Bahn war offen,
nun vorwärts!"
Solcher Festigkeit und Ueberzeugungstreue bedurfte
es, um einer so nützlichen, nunmehr bereits allgeniein
zur Anerkennung gelangten Institution, wie die frei¬
willige Feuerwehr, Bahn zu brechen und die Der-
muthung ist gestattet, daß Innsbruck, vielleicht das
ganze Land, ohne die Initiative und die Energie
ThurnerS heute noch dieser humanitären Einrichtung
entrathen müßte, wenngleich nicht geleugnet werden
soll, daß Thurner hiebei an der Entschlossenheit und
Opferwilligkeit seiner wackeren Genossen kräftige Unter¬
stützung und sicheren Rückhalt hatte. Noch aber hing
dem flotten Karren unserer Steiger so mancher Rad-
schuh an und die freie Fahrt war erst gesichert, wenn
e« gelang, da« ganz« Geschäft der Feuerwehr in allen
seinen Theilen in eigene Hand zu bekommen. Hatte
doch der Organisator, wie wir gleich sehen. werden,
selbst mit Vorurtheilen seiner eigenen getreuen Schaar
zu kämpfen.
„Wir waren nun 21 Mann stark, vollständig ge¬
rüstet. (Folgt die Beschreibung der AuSrüstung.>
Lustig ging eS jeden Sonntag Vormittags an die
Uebungen im Conviktgebäude, Jedermann hatte seine
Helle Freude daran! .... Aber ebenso lustig und
frisch, wie wir die Sache anpackten, ebenso faul wurde
unser Sleigerkarren von städt. Arbeitern auf und von
dem UebungSplatz gebracht. Nun siehst du, lieber
Freund, was heute selbstverständlich erscheint, an dem
wäre daS Ganze dazumal bald in Stücke gegangen. Wie
ich meinen Steigern kund that, daß eS unsere Auf¬
gabe sei, den Transport der Geräthe selbst zu be¬
sorgen, da hättest du hören sollen, wie das losging.
„Wir wollen Feuerwehrleute sein, aber keine Karren¬
zieher; lieber treten wir gleich aus" u. dgl. Da lag
der erste Block im Wege. Ich beschwichtigte, so gut
es ging, blieb aber dabei. Es kam Sonntag, wir
sammelten uns wie gewöhnlich am Spritzenmagazin,
dort stand der Karren. Lange Gesichter! — Ich
commandierte: Antreten! Der Zug ordnete sich frei¬
willig an den Karren; ich täuschte mich nicht, im
Nu stand Rhomberg an meiner Seite, Herr Adam
und Professor Daum legten die Hände an zum
Schieben. Commando: links um, vorwärts! und da gingö
am Hellen Sonntagsmorgen dahin, wir frisch voraus,
die Schreier belehrt und beschämt hintenher. Es wäre
jedoch unrichtig zu glauben, daß alle anderen sich ge-
weigert hatten, an den Karren zu gehen; weit ent¬
fernt, es waren nur einige, aber in einem solchen
Falle ist Einer schon zu viel. Die Leute blieben
freilich auf der Straße stehen und die Bekannten
dieser Herren schlugen dabei völlig die Hände über
den Kopf zusammen, was thats? Das Eis war ge¬
brochen für alle Zeit dadurch, daß gerade diese Per¬
sönlichkeiten als die ersten freiwillig sich in den Zug
stellten.
„Obwohl wir alle die Unzulänglichkeit dieser kleinen
Abtheilung sahen, so war vom Herrn Bürgermeister
auch kein Heller für weitere Ausrüstung von zehn
Mann zu erringen; um so mehr hielten wir aber zu¬
sammen, da alle wohl einsahen , daß einer aus den
anderen angewiesen sei. Es fehlte sonnt auch nie
jemand bei den Uebungen.
ES war am 12. Juli 1858, am Tage nach der
Jnstallirung des neuen Bürgermeisters, Sonntag Mor¬
gens »/i4 Uhr, als vom Stadtlhurm Feuersignal ge¬
geben wurde. Ich wohnte am Stadtplatz, hörte den
ersten Schlag und war auch so rasch am Brandplatze,
daß ich heute noch nicht weiß, wie das zugegangen.
Ich fand ungefähr 4 bis 5 Personen vor. (Die Be¬
schreibung des Feuers gehört nicht hieher.)
Kurz wir waren zu 16 beim Feuer, 4 waren in
Sistrans, 1 Mann sonst abwesend. Da erhielten wir
unter den Augen des neuen Bürgermeisters, der Ma-
gistratsräthe, der obersten Militärbehörden, Polizei,
Baudireclor rc., mit einem Worte unter den Augen
des ganzen vielköpfigen Feuerwehr-Commando'S unsere
erste und zwar eine würdige Feuertaufe. Das Lob
war von allen Seiten ungetheilt, möchte fast sagen
zu viel des Guten. Herr Bürgermeister versprach
mit Handschlag diesem nützlichen Institute seine volle
Aufmerksamkeit und Unterstützung in jeder Beziehung
angedeihen lassen zu wollen und es nach besten Kräf¬
ten zu heben. Ja lieber Freund, er versprachS —
hieß aber — —.
Mit dem Brande war aber auch etwas anderes
offen zu Tage getreten, nämlich die gegenseitige Ge¬
sinnung zwischen alter und neuer Feuerwehr. Wir
ersuchten um einen Schlauch mit Wasser und dafür
die Einstellung des Spritzens mit dem Staudrohre-
Wurde natürlich verweigert, da brach Rh die
Geduld und er donnerte den auf der Spritze stehen¬
den Herrgott an: Sie stehen nun schon zwei Stunden
da oben, ohne das Geringste ausgerichtet zu haben,
machen Sie wenigstens nnt dem alten Kasten Platz,
daß man daher gehen kann. DaS dem Slandrohr-
lenker der berühmten Stadtspritze Nr. 1 vor dem gan¬
zen Publicum, welches auch so unverschämt war, letz¬
terer Rede zuzujubeln, das war mehr als ein alter
Spieß ertragen konnte; die Kluft war gesprengt, um
nie wieder ausgefüllt zu werden. Erst nach dem
Adam'schen Brande gefiel eS dem löbl. Stadtmagistrat