bot hochinteressante Motive. „Rache muß sind" —
planten die noch frei herumlaufenden schwarzen Brü-
der der Berurtheilten, und so legten sie vorgestern
AbendS in der Wohnung des k. k. Staatsanwaltes
Urbancich eine Petarde, die aber nicht' loSging (das
Materiale der Herren Petardisten scheint in letzterer
Zeit sehr miserabel geworden zu sein), die aber für
die Kanoniere verhängnißvoll wurde. Die Polizei
scheint nämlich von dem Prosecte Wind gehabt zu
haben, und erwischte zwei Kanoniere Der »IrreUoini«
in üagranti. Einer derselben ist ein gewesener Gari»
baldiner aus Udine, der bei seiner Festnahme wie
Espenlaub zitterte; wackere Helden fürwahr, die nur
im Dunkeln tapfer sind. Seitdem aber wurden noch
drei andere hiesige junge Leute wegen der letzten
Petardengeschichten verhaftet, die dem Vernehmen nach
im höchsten Grade compromittirt erscheinen, und bei
denen auch sehr interessante Funde gemacht worden
sein sollen. Man hrfsr. daß das energische Vorgehen
gegen diese Schnefr^^r-: dieselbe für längere Zeit
wieder schweiasanrrr nrachen werde.
Vocal- und Provinzial-Chromk.
Innsbruck, 22. Juli.
^ Sc. Majestät der Kaiser geruhten dem
Counts der tirolisch-vorarlbcrgischen Kunstausstellung
die Zusage zu geben, daß das in Allerhöchstdessen
Besitz befindliche Gemälde Dcfreggcr's „Hofer in der
Hofburg" zur geuannten Ausstellung eingesendet werde.
Eine paffende Auszeichnung dieses patriotischen Un¬
ternehmens !
Heute Dienstag den 22. d. Mts. Nachmittags
um 4 Uhr findet im alten Rathhaussaale eine öffent¬
liche Gemeinderathssitzung mit folgender Tagesordnung
statt: 1. Bericht und Antrag der Rechtsseclion über
die Wucherfrage, 2. Präliminare des Armenfondes für
1879, 3- Präliminare des Spitalfondes für 1879,
4. Mittheilung des Berichtes der Handels- und Ge-
werbelammer über die Arlbergbahn.
^ Ein Innsbrucker Witterungsbulletin zu schreiben
gehört Heuer zu den verdrießlichsten Aufgaben, die sich
ein Leser vorstellen kann; nicht etwa blos deshalb,
weil die Witterung so unbeständig, sondern weil sie
so niederträchtig schlecht ist. Und das ist ärgerlich
und verleidet Einem von vorneherein die Bericht¬
erstattung über die Launen der Ueberirdischen. Beißen
wir aber dennoch in den sauren Apfel: Vorgestern
(Sonntag) war eS schwül und bewölkt; aber „eS hielt
sich" bis zum Abend. Das war noch halbwegs an¬
ständig. Seitdem aber regnet es, kurze Intervalle
abgerechnet, in ooiuinno und wie! Mitunter nahezu
wolkenbruchartig, so daß wir a. In Göthe'S bedauerns-
werthem Zauberlehrling zu ckupitor Ulnvins enipor-
siehen könnten: „Ach, wir haben deiner Gaben voll¬
gemessen." Gestern Nachmittags senkte sich weißer
Nebel tief herab, biö unter die Hungerburg. Ueber
ihm ging die Walpurgisnacht eines Gewitters los,
dem bis heute früh reichlicher Schneefall folgte, der
alle Alpen der Umgegend gar sehr ins Kühle gebettet
hat, was wir Städter übrigens ebenfalls schaudernd
mitempfinden. UnS beschleicht heute 1800' über dem
Meeresspiegel und zwar in einer Gegend, welche erst
jüngsthin mit -s- 29 o H. beglückt war, im letzten
Drittel des Monats Juli die aufrichtige Sehnsucht
nach einem warmen Ofen. Damit ist genug gesagt.
UebrigenS scheint eS sich heute aufzuhellen.
^ Die NegimentScapelle Baron Maroicic wird
heute Abends von 6—7 Uhr im Hofgarten folgendes
Programm zum Vortrage bringen: 1. Ouvertüre
„Maritana" von Wallach; 2. „Nilfluthen" Walzer
von Josef Strauß; 3. „Ltabat umter" Arie von
Rossini; 4. Expreß" Polka schnell von Kopetzkh;
5. „Die Afrikanerin" Fantasie von Meyerbeer;
6. „Rumänischer Marsch."
^ K. K. und National-Theater. Freitag
den 25. d. MtS. Gastvorstellung des Kärnthner-
Quintett der k. k. Hofoper in Wien, bestehnd aus
den Herren: Johann Birnbaum, Carl Bruckner, Mit-
glieder der k. k. Hofoper; Vincenz Kinöky, Thomas
Koschat, Ferdinand Graf, k. k. Hofcapell-Sänger und
Mitglieder der k. k. Hofoper. Das Programm ent¬
hält zwei Abtheilungen und zehn Nummern. Zwischen
ISL«
der ersten und zweiten Abtheilung: „Mitten in der
Nacht." Posse in 1 Act nach dem Französischen von
Heinrich Laube. Anfang 8 Uhr.
o. Neutte» 21. Juli. Gestern wurden wir von
einem außergewöhnlichen Besuche überrascht. Um
circa 1 Uhr Nachmittags kamen in einem im untern
Theile deS Marktes neben dem Hause sich befindlichen
Obst- und Gemüsegarten zum größten Erstaunen der
darin befindlichen Hausbewohner vier Gemsen über
den Plankenzaun gesprungen. Von dort aus wechselte
diese im Markte Reutte noch nie dagewesene Touristen-
Gesellschaft zwischen den Häusern über die Haupt¬
straße in den zur Gendarmerie - Caserne gehörigen
Garten, von welchem aus die Thiere, durch einen
Hund verjagt, über die 7 Fuß hohe Gartenmauer
setzten und das weite suchten. Dieser am hellen Tage
einem belebten Orte abgestattete Besuch von so scheuem
Wilde, das bekanntlich im Sommer niemals in die
Niederungen gelangt, erscheint um so eigenthümlicher,
als Reutte in einer ziemlich großen Ebene liegt und
der nächste Walv erst in einer Viertelstunde erreich¬
bar ist.
lD Alttpezzo-Thal, 20. Juli. Während in
allen anderen Ort-n des PusterthaleS über geringen
Fremdenverkehr geklagt wird, ist der Verkehr im Am-
pezzothale schon ein sehr reger und bedeutender; die
Anzahl der Sommerfrischgäste befriedigend. Als Sta¬
tion für Letztere nimmt Toblach einen überraschen¬
den Aufschwung, was zum großen Theile der. Neclame
zuzuschreiben ist, welche der Hotelbau der Südbahn
in Toblach gemackt hat. Puncte, wie das Ampezzo-
thal, werden wohl auch immer zu den besuchtesten der
Alpen gehören.
O Trient» 16. Juli. Letzten Sonntag fand der
seit längerer Zeit geplante Ausflug d'S hiesigen Erz
herzog Kronprinz Rudolph Veteranen - Vereins nach
St- Michele statt. Die Witterung war ausnahms¬
weise sehr günstig. Vom Trientiner Veteranen-Verein
war nämlich die schöne Idee ausgegangen, die be¬
nachbarten Veteranen-Vereine zu Roveredo und Bozen
zu einer brüderlichen Zusammenkunft einzuladen, welche
Einladung auch daö freundlichste Entgegenkommen
fand. Zum Versammlungsorte ward das landwirth-
schaftliche Institut „St. Michele an der Etsch" ge¬
wählt, wo das Stelldichein von Seite des Rovere-
daner und Bozener Veteranen-Dereins per Eisenbahn,
von Seite Trients per Chaise ermöglicht wurde. Der
Herr Instituts - Director hatte für die freundlichste
Aufnahme gesorgt. In einem schmucken Saale, der
mit duftendem Grün und verschiedenen schönen speciell
auf unser Allerhöchstes Kaiserhaus und Tirol bezug¬
nehmenden Emblemen geziert war, wurde das Mit¬
tagsmahl eingenommen. Alsbald hatte die fröhlichste
Stimmung Platz gegriffen. Die Instituts - Zöglinge
sorgten für Tafelmusik durch vorzüglich aufgeführte
Chöre, welche mit Beifall aufgenommen wurden. DaS
Mahl wurde gewürzt durch eine endlose Reihe ani-
mirter Tischreden. ES sprachen der Präsident deS
Trientiner Vereines Herr Schmidt, deS Bozener Ver¬
eines Herr Caviola und der delegirte Vertreter deS
Roveredaner Vereines Herr Riva. Sämmtliche Re¬
den waren in herzlichen Worten vorgebracht und gi¬
pfelten in der Betonung der innigen Wechselbeziehung
zwischen den drei Vereinen, im AuSdrucke des wahren
österreichischen Patriotismus, im Danke für daö
liebenswürdige Entgegenkommen von Seite der In¬
stituts - Vorstehung und dessen Professoren. Herr
Pfarrer Arthmann hielt hierauf eine brillante Rede,
welche in einem enthusiastischen Hoch auf Se. Ma¬
jestät den Kaiser, auf den erlauchten Protector des
Vereines, Kronprinzen Rudolph, auf die Erzherzoge
Albrecht und Heinrich endete. Auch ertönte ein Hoch
auf unsern geliebten LandeShauptman Hofralh Dr. von
Vossi-Fedrigotti. Die fröhliche Stimmung erreichte
hier ihren Höhepunct. Nachmittags besuchte man die
schönen Anlagen der landwirthschaftlichen Schule. In
bester Brüderlichkeit und Harmonie verstrich nur all¬
zubald der Tag, allzubald schlug die Scheidestunde.
Zum Schluffe geleitete der Trientner Verein die
Schwester-Vereine zur Eisenbahn, wo man herzlich
Abschied nahm mit dem Wunsche, sich bald wieder zu
sehen. Die Trientiner fuhren zu Pferd nach der
Stadt Trient zurück. Dem fröhlichen AuSfluge ist
ein freundliches, patriotisches Andenken gesichert.
Nachrichten über Schießstands- und Landes-
Vertheidigungstvesen.
S. Hall, 19. Juli. Im Verlaufe des gestrigen
Nachmittags nahm Herr Oberstlieutenant Ritter von
Gatterer eine Jnspicirung des hiesigen Magazins der
Landsturmgewehre vor, worauf er dann persönlich die
einigermaßen bedenklich erscheinenden Gewehre in der
hiesigen k. k. BezirkS-Schießstätte Schießproben unter¬
zog, welche an Treffsicherheit ein ganz günstiges Re¬
sultat lieferten.
Franz Thurner.
Nekrolog.
(Fortsetzung von Nr. 164.)
Mittlerweile war endlich auch in Oesterreich die
Turnerei officiell zur Anerkennung gekommen; die
lächerliche Demagogenriecherei, welche, noch eine Nach¬
wirkung des Sand'schen Attentats aus Kotzebue, in
Deutschland hinter jeder Turnanstalt einen Herd revo¬
lutionärer Umtriebe gewittert und den wackeren Vater
Jahn sogar in die Festung gebracht, hatte vernünftigeren
Anschauungen Platz gemacht. In Tirol war sogar
der sonst so ängstliche Landesgouverneur Graf BrandiS
mit gutem Beispiele vorangegangen und hatte selbst
seine Söhne an den Turnübungen Theil nehmen lassen.
So war es gekommen, daß bereits 1847, also noch
vor dem Jahre des Heils die tirolisch-ständische Akti¬
vität einen provisorischen Lehrer der „Gymnastik und
Schwimmkunst" in der Person des obgenannten Joh/
Dobrovich berief und ihn dem UniversitätS-Rectorate
unterstellte. Nach dem Tode Dobrovich'S, der gleich¬
falls wie jeder echte Turner ein wackerer Mann war
(Ehre auch seinem Andenken) im I. 1855 fiel, wie
bereits bemerkt, das Augenmerk auf unseren Thurner,
der sich bereits bei dem Ernst und der Gründlichkeit,
mit welchen er Alles, was er begann, anfaßte und
fortbetrieb, theoretisch und praktisch für den Unter¬
richt ausgebildet hatte, und er wurde sonach vom
ständischen Präsidium des Tiroler Landtages im Novem¬
ber 1855 provisorisch als akademischer Turnlehrer
bestellt. Mit Erlaß vom 16. Febr. 1856 wurde ihm
sodann diese Stelle zwar auch nur provisorisch, aber
„wirklich" verliehen und zwar unter 5 Competenten
auf Vorschlag des akademischen Senats, der sich über
ihn dahin zu äußern fand, daß er „nicht bloß ein
gewandter und geübter Gymnastiker sei, sondern auch
jenen Grad der theoretischen Bildung besitze, der ihn
zum wirklich systematischen Unterricht vollkommen be¬
fähige", sowie über dringende Empfehlung durch die
Gymnasial- und die Musterhauptschul-Direction. Erst
im I. 1863 jedoch bei Gelegenheit der Organisirung
der landschaftlichen Aemter wurde Thurner unter Er¬
höhung seines Gehaltes definitiv im Amte bestätigt.
So hatte demnach Thurner im I. 1855 das Hand¬
werk aufgegeben und mit dem Amte eines Turnlehrers
vertauscht. Er ertheilte den Unterricht nach Spieß'-
schem System an die Schüler der öffentlichen Stuvien-
anstalten und Schulen Innsbrucks, und setzte denselben
bis zu seinem Tode fort.
Es konnte auch nicht fehlen, daß sich mit der zu¬
nehmenden Verbreitung deS Turnens auch andere
Kreise zu den. Unterrichte herandrängten, so daß
Thurner im Laufe der Zeit außer dem Unterricht an
die UniversitätS-Studenten, die Schüler des Gymna¬
siums, der Realschule, der Normalhauptschule (später
Uebungsschule), und die Pädagogen, auch den der Han¬
delsschüler, der Cadeten, der Volksschülerinnen bei den
Ursulinen, des Grubhofer'schen Mädcheninftituteö über¬
nahm nnd überdies noch viele Privatstunden an
Turnfreunde, Gesundheitsturner u. dgl. zu geben
hatte, abgesehen davon, daß er die Uebungen des im
Jahre 1863 vorzüglich auf seine Anregung hin an
Stelle deS alten TurnerbundeS gegründeten Turn¬
vereins leitete und an Ferialtagen die Vorturner her¬
anbildete.
Infolge dieser Ueberbürduna sah er sich in den
letzten Jahren genöthigt, den Unterricht an den städti¬
schen VollSschulen, die sich zudem gleich anderen An¬
stalten im Laufe der Zeit vermehrt, beziehungsweise
erweitert hatten, an einen seiner Schüler zu überlassen,
wie denn auch andere Städte und Anstalten in Tirol
ihre Turnlehrer aus Thurner'S Schule empfingen, so
daß dieser als der eigentliche Vater und Meister deS
gesammten TurnwesenS in Tirol angesehen werden
muß und ihm der Name eines tirolischen „Vater
Jahn" nicht mit Unrecht beigelegt wurde.