DZZugs-Preise: Am Platze monatlich 80 ltz — M gAZMM
Mir täglicher Postvmendung) vierteljährlich 4 L -«» 2 ß.
(Trtephsk-Nr. 135.)
Anzeige» werden billigst nach Tarif berechnet. — Unsere ZeituntzS-
BerwslLrmg. sowie jedes Vnnoncen-Bmeau nim'mt Aufträge entgegen.
Samstag
Nr. 252
3. November 1900.
Woche nkalender: Montag 29. Nareissus. Dienstag 30. Germanus. Mittwoch 3l. f Wolfgang. Donnerstag 1. Aller Heiligen. Freitag 2. Aller Seelen.
Samstag 3. Pirminius, Hubert. Sonntag 4. Karl, Borromäus.
Zur Tagesgeschichte.
DesierreLch-Mrgar«.
Zum Zallinger'Zchen Compromiss« n-
trag bringen die „N. T. Stim." folgende, von
dm Landtazsabgeordneten Dr. G. Sch mid-Bozen,
I. T r a f o r e r-Zwö!smalgreien und Math. Trog¬
mann-Meran Unterzeichnete Erklärung:
„Herr v. Zallinger verhandelte mit den Herren
von Brixen ohne Auftrag und Ermächtigung seitens
der conservutiven Partei. Sein Vorschlag wurde
unbegreiflicher Weise veröffentlicht, bevor die Ver¬
trauensmänner der Partei und Baron Dipaull auch
nur gefragt wurm. Durch diese Veröffentlichung
musste der Schem erweckt werden, dass der An¬
trag bereits an enommen sei, dass wir die V. Curie
bereits aufgegebeu und Herrn Baron Dipauli fallen
gelassen Häven. Das wurde thatjächlich in Ver¬
sammlungen und in der Presse behauptet. Dieses
Vorgehen des Herrn v. Zallinger wird allgemein
verurtheilt. Die H.rren Propst Mjgr. Trenkwalder
und Abg. Trasoier haben ihre Unterschriften unter
Voraussetzungen gegeben, die unrichtig waren oder
nicht eingeiroffen sind, und haven daher keinen An¬
stand genommen, dieselben zurückzustehen. Dass der
Frede im Laude durch ein solches Uebereinkommen
nicht hergestellt würde, dass vielmehr durch die
Wahl eines Christlichjocialm in der V. Curie
Südtirols die Spaltung und der Streit auch in
Gegenden getragen wurde, wo bisher, Gott sei
Dank, noch ein leidlicher Friede herrscht, das sieht
jedermann, das beweisen auch die nach der Ver¬
öffentlichung abgehallenen Versammlungen. Damit
fällt der einzige innere Grund, welcher für dieses
Uebereinkommen ins Feld geführt werden könnte.
Die Autorität unserer Landesbijchöfe, welche wir
als Katholiken gerne und willig anerkennen, wird
fälschlich für diesen Compromijs-Antrag ins Feld
geführt; denn der Fürstbischof von Trienr wurde
vor der Veröffentlichung überhaupt nicht gefragt
und hat später erklärt, dass er das Uebereinkommen
nicht empfohlen habe; der hochwürdigste Fürstbischof
von Brixen aber hat einer Deputation, welche im
Aufträge konservativer Vertrauensmänner Südtirols
am 31. Oktober bei ihm vorsprach, mündlich und
schriftlich erklärt, dass sein Verhalten vielfach falsch
ausgefasst worden sei; er habe nur im allgemeinen
seine Freude über den Friedensschluss ausgesprochen
und batte weder die Jntent on, dem Uebereinkommen
das Siegel der bischöflichen Autorität aufzudrücken,
noch die Weise, wie dasselbe geschlossen wurde, zu
billigen. Er wollte nicht die juridischen Requisiten
eines solchen Vertrages vrüfen; denn das war Sache
der andern Herrn. Fürstbischof Simon erklärt es
als unrichtig, dass er eine Entscheidung getroffen
habe, um welche er nicht angegangen wurde und
zu welcher er einseitig auch nicht berechtigt gewesen
wäre. Damit ist die Art und Weise, wie die
Autorität der hochwürdigsten Landesbischöfe für
dieses Uebereinkommen ins Feld geführt wurde, von
compereuter Seite zurückgewiesen. Aus allen diesen
Gründen haben die Vertrauensmänner der katho!.--
conservativen Partei nach eingehender Berathung
den vorzeitig und unberechtigter Weise veröffent¬
lichten Vorschlag des Herrn v. Zallinger einmüthig
avgelehnt und die Unterzeichneten empfehlen den
Wählern in der V. Curie Deutsch-Südtirols, dem
b isherigen bewährten Vertreter JosefFreiherrn
v. Dipauli wieder ihre Stimmen zu geben."
Ein angebliches Compromiss in Nord¬
tirol. Die „Reichspost" brachte in den letzten
Tagen die Meldung, dass in Nordtirol Zwischen
Couservativen und Christlichsocialen ebenfalls ein
Compromiss abgeschlossen worden sei. Die „N.
Tir. Stim." bemerken hiezu:,, Die Vertrauensmänner
beider Parteien dürsten von dieser Meldung gleich
überrascht sein. Doch ist seit langem bekannt, dass
von den Nachrichten der „Reichsp." aus Tirol ge¬
wöhnlich das Gegenthest wahr ist."
In der „Grixner Chronik" veröffentlichen Dr.
Schöpfer, Dr. v. Guggenberg und Dr. Haid
egg er einen „Zur Aufklärung" überschnebenen
Artikel, in dem sie u. a. über die Verhandlungen
in Franzensfeste berichten, dass daselbst von der
Gegenseite folgender Compromijsantrag gestellt
wurde:
„1. Das Mandat der 5. Curie soll der Richtung
Dr. Schöpfers überlassen werden. 2. Das Mandat
der Städte und Orte ; Mandat Rodracher) wird der
Richtung Dipaulis überlassen. Den Caudidaten
stellen Kaltern und Tram-n auf, die anderen Städte
und Orte haben bei Ausstellung des Candidaten
nrcht mitzusprechen, und auch in Tramin und Kaltern
haben bloß die Anhänger der Richtung Dipauli-
den Candidaten zu bestimmen, während die anders¬
gesinnten ka holischen Wühler von Tramin und
Kaltern sich jeder Einflussnahme bei Aufstellung des
Candidaten zu enthalten haben; 3. Die Landgemein-
den-Mandate von Etjchland und Pusterthal verbleiben
jener Richtung, welche sie bisher innegehabt. —
Dieser Vorschlag wurde gemacht in Anwesen¬
heit und ohne Widerspruch Dipaulis,
nachdem Se. Excellenz mit seinen Gesinnungs¬
genossen eine Viertelstunde hatte vertraulich verhan¬
deln können."
Das Compromiss im Tiroler Gro߬
grundbesitz. Die Wähler der Curie des Tiroler
adeligen Großgrundbesitzes werden sich morgen in
Bozen zusam nenfinden, um über die Annahme deS
Compromisses zwischen dm Liberalen und den Con-
jervativen für die nächsten ReichZrathswahten zu
berathen. H^rvon wird es abyäagen, ob die der
Berathung zu unterbreitenden Abmachungen, die bei
Oer Zusammenkunft in Meran am 23. v. Mts.
zwischen den Abgeordneten beider Parteien verein¬
bart wurden, Giltigkeit erlangen oder abgelehn
werden.
Die nationalliberale Partei Welsch¬
tirols hat beschlossen, in allen Wahlbezirken
eigene Candidaten aufzustellen. Dieser Beschluss
gewinnt seine Bedeutung dadurch, dass damit das
seit Jahren bestandene Bündnis zwischen den ita-
Feuilleton.
Vom Reggelberg.
Errre Skizze aus Deutsch-Südtirol.
Südöstlich vom Eifa?- und Etschthale breitet sich,
durch steilabfallende Porphyrberge von den beiden
Haupt; hälern geschieden, bei Bozen eine wald- und
wiesenreiche Hochlandschaft aus, welche, einen Kreis¬
bogen beschreibend, im Süden bei Aldein (oberhalb
Branzoll), im Nordosten beim Einschnitte des Tier-
?er-Thales endet. Gegen Süden hin trennen hohe
isolierte Berghäupter: das Schwarzhorn, Weißhorn
(»Joch Grimm"), der Zanggen, das Reiterjoch und
das gezückte Latemargebirge,*) das wellige Hochland
Vom Fleimser- und vom Fassa-Thale; zwischen den
genannten, majestätischen Berghäuptern hindurch
führen beqmme, zumeist grasige Alpen steige in die
letztgenannten Thäler hinab; nur Latemar und
Neiterjoch sind durch felsige Kamme miteinander
verbunden.
Die bedeutendsten Einschnitte in das Mittelgebirge
sind das Bramemhal und das Eggenthal; beide
zwei charakteristische Porphyrschluchten und von
schäumenden Wilddächen durchtost, welche in den
tieferen, anmuchig besiedelten Gründen mehrere
Mühlen treiben. Die bezeichnte, hier und dort
aussichtreiche Hochfläche zählt, außer den zahlreichen
*) Die östlichsten und steilsten Greuzberge, nämlich Late-
rnar und Neiterjoch, sind Dolomiten. Zanggen und Schwarz¬
horn sind hingegen Porphyrberge. „Jochgrimm" bildet eine
zerstreuten Bauerngehöften, mehrere Ortschaften und
kleinere Zugemeinden (Viertel oder Weiler). Neben
den zwei Hanptgemeinden Deutschnoven und Welsch-
noven, deren gleichnamige Kirchdörfer 1355 bezw.
1178 Meter über dem Meere gelegen sind, führen
wir auch die kleineren Orte hier an: Aldein, Radein,
Petersberg, Weißenstein (bekanntlich ein berühmter
Wallfahrtsort), dann Pirchabruck, Ober- und Unter¬
eggen und die zukunftreiche Sommeranstedelung
hoch oben am Karerpass.
Diese ganze Gegend, welche auch in mineralogischer
und botanischer Hinsicht merkwürdig ist, heißt beim
Volke im Eisak- und Etschthale allgemein der Reg¬
gelberg und seine etwas mehr als 4000 Bewohner
heißen die Reggelberger o er kurzweg „die Reggel".
Die Reggelberger gehören mit zu jenen Gebirgs¬
bewohnern, welche schon in früheren Jahrzehnten
die Aufmerksamkeit der tirolischen Topographen auf
sich gezogen haben. Beda Weber, dessen bekanntes
Buch „Das Land Tirol" im Jahre 1838 erschienen,
aber leider schon längst vergriffen ist, sagt im zweiten
Bands („Südtirol") Seite 237 darüber Folgendes:
„Aus den Resten der romanischen Ansiedelung hat
sich hier ein deutscher Volksstamm festgesetzt und
einheimisch gemacht. Die Sprache ist höchst eigen-
thümlich; heutzutage nicht mehr im Gebrauch stehende
Wörter und Bedeutungen derselben, wie wir sie in
den Minnesängern finden, leben hier noch im Munde
des Volkes. Das Volk selbst hat einen leichten,
fröhlichen Sinn, eine Ehrlichkeit, die oft an Ein¬
falt grenzt, und Mutterwitz in Fülle. Es sieht
dem schwäbischen Volke sehr ähnlich und mag ur¬
sprünglich aus Vindelicien oder aus dm Rhein-
gegenden nach Südtirol verschlagen worden sein."
Im allgemeinen treffen wir bei den Reggeln
nicht jene scharf ausgeprägten Gesichtszüge, welche
z. B den bekanntlich gleichfalls im Bozner Bezirke
ansässigen Sarner sogleich kennbar machen; dieser ist
auch von mehr untersetzter Körpergestalt und breit¬
schulterig, während der Reggelberger mehr schlank
und hoch gewachsen ist. In der Tracht wiederum
weichen die Reggel von den Sarnerbauern bedeutend
ab; denn die Sarner tragen dunkle Lodengewan¬
dung, die Reggelberger fast immer graue Lodenröcke
und Hosen ohne den charakteristischen breiten Leder¬
gurt um die Mitte des Leibes. Hier ist beiderseitig
die gewöhnliche Alltagstracht, die Werktagskleidung
gemeint; dagegen gehört die alte Festtracht der
Reggelberger zu den seltensten und buntesten unter
den vielen Tiroler Nationaltrachten, jo dass die
biederen Leute schon mehrfach bei großen Festlich¬
keiten in Innsbruck und Bozen mit ihrer alten
Thaltracht besondere Beachtung fanden. Sie besteht
in emem langen, schwefelgelben Festrock, während
die breitrandigen, gleichfalls gelben Hüte mit hohen
Pfauenfedern geschmückt sind. Dazu kommt ba¬
rsche Leibl mit grünem Seidenband verziert, der
grünseidene Hosenträger, em breüer, weiß ausge¬
nähter Ledergurl, die kurze Kniehose aus Leder,
weiße Strümpfe und ausgeschnittene Schuhe.
Wie oben bemerkt, bildet bei den Reggeln der
Dialekt ein sehr auffallendes und interessantes Merk¬
mal; darum möge auch von ihrer Mundart etwas
ausführlicher die Rede sein.
Das Eggenthal wie das Saruthal befinden sich
beide in der Nähe von Bozen, nur dajs das erster?