I. Die Lebensberechnung.
§§eit wir den Diamant kennen, habe» wir diesen härtesten
und lichtvollsten Oktaeder geliebt und uns zum Geschmeide
angeeignet, aber wir wissen erst seit wenigen Jahren, daß er
ein Krystall aus Kohlenstoff ist, daß er sich, wie Newton ver-
muthete, verbrennen läßt, und daß bei seiner Verflüchtigung
keine sichtbare Spur zurückbleibt. Wir lieben in dem Dia¬
mant das Edelste der unorganischen Natur, das dauernd Le¬
bendigste in dem Regungslosen; und wohl ein schönes Erden¬
bild von dem Unvergänglichen, das in uns selbst ist, und wie
wir altern mögen, nicht mit altert. Unser irdisches Auf- und
Ableben, dieses unaufhörliche Vergliedern und Entgliedern,
ist in seinem Zwecke das Geheimniß der Vorsehung; aber wir
dürfen ihm vertrauen, da wir zu erkennen und zu berechnen
vermögen, daß die Lebensstufen alle nach den bestimmtesten
Gesetzen geordnet sind, und daß diese Gesetze sich allgemeinen
Naturgesetzen anschließen und unterordnen, wahrend die da¬
durch gebildete physische Vergliederung sich auf die moralische
Ordnung in Familie und Volk bezieht. Die Naturgesetze ge¬
ben der Aeugungsfähigkeit und Zeugungsreife, der Em¬
pfangszeit der Frauen und der Lebensdauer Granzen, welche
wir nicht verändern, aber besser oder schlechter halten, er¬
reichen und ausfüllen können. So ist die Untersuchung über
die uns gegebenen Naturgesetze zugleich die Untersuchung über
den naturgemäßen Familienbau, über die natürliche Volksver-
gliederung, und über das darin waltende Grundverhältniß
der Nothwendigkeit und der Freiheit. Nach dieser Ordnung
fragen, heißt nach den Grundlagen und den achten und rech-