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Rahmes nur Milch hinein, und nahm doch den grössten Butterknolien
heraus. Einem Knechte kam dies sonderbar* vor, und er beobachtete
genau das Thun und Treiben der Bäurin. Da sah er endlich, dass sie,
bevor sie anfieng Schlägeln, den Kübelstecken mit einer Salbe bestreiche
und allerlei wälsche. Dadurch zauberte sie fremde Butter in ihren
Kübel. Sie hatte aber doch keinen Segen Gottes; denn bei allen But¬
terhexen heisst’s halt: „Wie gewonnen, so zerronnen.(Passeier.)
54 S. Der Kapuziner.
Einmal gieng eine Hexe in sich, und beichtete einem Kapuziner
ihre Frevelthaten. Unter andern Sünden bekannte sie auch^ dass sie
oft die Butter aus fremden Kübeln herausgezaubert habe, und jheilte
dem Pater ihr Vorgehen dabei genau mit. Als dieser nach langer
Zeit einmal an einem Bauernhause vorbeigieng, wo so eben Butter ge¬
schlagen wurde, erinnerte er sich an’s gebeichtete Hexensprüchlein,
das er halblaut vor sich hersagte, um zu erfahren, ob es wirklich die
besagte Wirkung thue. Kaum war er, nachdem er dies gethan hatte,
ein Stück über’s Feld gegangen, als ein grosser Butterknollen aus dem
Aermel herausfiel. Er war nicht wenig überrascht, nahm ihn und
kehrte zur Bäurin zurück, die er freundlich grüsste und befragte, wie
es mit dem Butterschlagen gehe. Diese fieng an zu lärmen und zu
klagen und sagte, es sei heute der Kübel verhext und sie bekomme
desshalb keine Butter. Da tröstete sie der Pater, gab ihr den Knollen,
Und ermahnte sie, in Zukunft den Rahm zu segnen, pPasseier.)
548. Der DreissIgpfiindbutterküDel.
Ein Schneider war bei einer Bäurin in der Stähr. Da schlug sie
einmal Butter. Während sie fleissig schlägelte, kamen beständig fort
über ihre Lippen die Worte: „Nie weniger als dreissig^ nie weniger
als dreissig.“ Der Schneider verwunderte sich darob gar sehr, wollte
aber nicht fragen, um nicht neugierig zu scheinen, indem er sich ganz
nichtig dachte, der Erfolg werde wohl zeigen, was diese Worte zu
bedeuten haben. Es war so. Als die Bäurin die Butter aus dem
Kübel nahm, da waren gerade dreissig Pfund Butter. Der Schneider
besass ein Stück Wiesfeld, das ihm eine Kuh nährte. Dieser Umstand
war schuld an der Versuchung, den Kübel zu stehTen, und weil er
den lockenden Gedanken, auf diese Weise bekäme er auch so viel
Butter, nicht ausschlug, unterlag er der Versuchung und brachte das
Gefäss diebischer Weise an sich. Als er nun im Kübel Butter schlug
I. V. Zingerle, Sagen aus Tirol.