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gesehen hatted. Blitze erschlugen das Vieh v der Erdboden öffnete sich
und verschlang das Haus mit dem Ehepäare. Eine steile Felswand
steht nun an der Stelle, in deren Nähe sich die Hirtenbuben nicht
wagen. Auch sagt man, es werde dort in Quatembernächten das
Klirren von Ketten und das Blöcken von Kleinvieh gehört t ). ( Brixen.)
466. Die gefrorene Wand.
„Die Gegend, wo dieselbe jetzt steht, war in der Urzeit eine
grosse blühende Alpe gewesen, voll edler und würziger' Kräuter. Milch
und Butter so süss und schmackhaft, wie sie jetzt nicht mehr gedeiht,
gab es jn Fülle. Das Alpenvolk schwelgte in Uebermuth, ward gott¬
vergessen und trieb argen Frevel mit der lieben Gottesgabe. Aus
Butter wurden Kegel geformt, und Kugeln aus Butter walzten auf die¬
selben. Doch bald strafte der Herr solch sündhaftes Spiel. Ein eisiger
Odem blies im Sturmgebrause von oben herab. Augenblicklich ver¬
dorrten die Alpenblume'n, sie waren für immer erstorben, und die
Buttermassen wurden Eis — die gefrorene Wand“ 2), (Dux. Staffier I,
S, 965.)
469. Die Entstehung des Feniers JfJlariiiolata-
Dieser Ferner war einst eine kräuterreiche Alpe, wurde aber we¬
gen eines dort begangenen Frevels in einen Eisberg verwandelt. Einst
trug ein Besitzer derselben das auf den Wiesen liegende Heu am hohen
Unserfrauentage ein. Als die Arbeit vollendet war, scherzte er 4 über
die Entweihung des Festtages und sprach: „Muttergottes hin oder her,
ich habe einmal mein Heu im Stadel.“ Kaum hatte er die Rede ge-
than, fieng es plötzlich an so stark za schneien, dass «r die Alpe
nicht mehr verlassen konnte. Er legte sich desshalb ins Heu, um der»
Sturm zu verschlafen. lEs schneite aber fort und zwar so lange und
so stark, dass die Sonne nie mehr im Stande war, den Schnee weg¬
zuschmelzen.
Eine andere Sage lautet: Zwei Grödner stritten sich um den Be¬
sitz dieser Alpe und endlich gewann jener, der kein Anrecht darauf
hatte, den Prozess. Darob ward der Andere so entrüstet, dass er
den Fluch that, ewiger Schnee solle di& Alpe bedecken. Sein Fluch
ward erhört und seitdem ist die Arpe, ein Ferner 3). (Buchenstein un^
Gröden.)
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1) Yrgl. Grimm Sg. I, S. 150. ßechstein Sb. S. 17. Vemaleken S, 1$
bis 19 und £4. Wolf Zt. II, S, 30. Vonbua S. 66.
2} Vrgl. Yernaleken S. 51.
.3} Staffier II, S. 517. v. Alpenburg S. 243.