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einem heitern Tage, dass der Wald plötzlich in See Verwandelt ward.
Eine Sennin, welche den Wald durchschritt, um am jenseitigen Ufer
die Kühe zu melken, fand hinüber bloss ein kleines Grübchen mit
Wasser gefüllt. Als sie hqimkehren wollte, starrte ihr schon das
wogende Gewässer entgegen. In diesen See wird einst das an seinem
Ufer erbaute Gotteshaus St. Johannes des Täufers versinken, wenn es
eben am vollsten ist, d. i. in der heiligen Nacht, in welcher auch
auswärtige Pfarrgenossen in selbem zum Gottesdienste erscheinen, weil
sie dahin näher haben, als zur eigenen Kirche. — In frühern Zeiten
bat man oft zur Nachtzeit eine unheimliche Fackel auf dem See er¬
blickt, die Seefackel genannt. Das ist, wie man weiss, die abgeleibte
Seele einer unnatürlichen Mutter, welche ihre unerlaubte Leibesfrucht
mit frevelhafter Hand in den Fluten des See^ begraben haf. w ( Mitg. v.
G. L. Monatblätter I, S. 381.)
460* Her See uml «lie versunkenen Häuser
zu Häring.
„Häring liegt bei Wörgl auf einem schönen Mittelgebirg, worin
sich eine sumpfige Niederung einsenkt. In derselben standen einst
Mehrere grosse Bauernhöfe, welche im Sommer ihre Kühe an der
nahen Berglehne auf die Weide trieben. Sie blieben, wie dies ge¬
bräuchlich ist, Tag und Nacht im Freien. Abends und in der Früh
gieng eine Magd dieselben zu melken. Als die Dirn eines Morgens
Wieder einmal mit der vollen Milchzummel heimkehrte ^ fand sie die
schönen grossen Häuser nimmer an ihrem Platz, denn während sie
ausgewesen, waren sie alle in den Grund versunken. .— Man hört aber
auch sonst noch sagen, es sei einstmals in der genannten Vertiefung
ein See gewesen, der mit der Zeit ausgetrocknet wäre.“ (Unterinnthal
bes[ Wörgl. Mitgetheilt in Wolf Zt. IV, S. 207 v. Dr. Waldfreund.}
461. Ber Achensee.
Wo jetzt der Achensee -sich ausbreitet, war eine schöne, schöne
Ebene voll fruchtbarer Felder, in deren Mitte ein stattliches Dorf
stand. Die Inwohner desselben waren aber so gottlos, dass die Bursche
auf der Emporkirche während der Predigt und des Amtes spielten und
Würfelten. An einem Festtage, als sie es wieder in der Kirche so
trieben, sprudelte plötzlich Wasser aus dem Boden und bedeckte bald
Dorf und Ebene. An einem recht hellen und windstillen Tag kann
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