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hatte «inmal den Math dazu, und Ham wirklich ungeschoren davon.
Die Sache gieng aber so. Als ser an der Höhle vorbei kam, giengen
die Fräulein zwar auf jhn Jos, schleppten ihn aber nicht in die Höhle,
sondern gaben ihm bloss einen Gürtel. Diesen sagten sie, solle er
nehmen und damit seinen Leib umgürten. Der Bauer war ein listiger
Kerl, that als ob alles recht wäre, und gieng mit dem Gürtel weiter.
Nachdem er ein Stück gegangen war, versuchte er die Beschaffenheit
des Gürtels, aber nicht an sich, sondern an einem Baume. Kaum hatte
er den Gürtel um den Baum geschlungen, so brach dieser ab, und der
Bauer freute sich über seine Klugheit. Er gieng nun seinen Weg
weiter, und als er heim kam, fand er die Magd schwer krank. ' Sie
ass nichts und trank nichts, und lag da wie gestorben. Aber auf
einmal sprang sie auf und lief unaufhaltsam dem Walde zu. Der Bauer
rannte ihr nach und sie lief geraden Weges zur Höhle der wilden
Fräulein. Denn sie selbst war auch Eines von ihnen und sobald sie
ihre Schwestern, die vor der Höhle warteten, erreicht Jmttöj vor-*
schwanden alle drei von der Stelle und wurden von da an nie mehr
gesehen 1 ), (Schluderns.)
45. Die Fan^a imtl der Jäger.
Ein Jäger, der den ganzen Tag gejagt hatte und sehr müde war,
harn spät abends zir einer leeren Sennhütte. Er beschloss darin zu
übernachten, legte seine gemachte Beute, eine fette Gemse,, aufs Dach
hinauf und gieng in die Hütte. Als er dort bei einem aufgemachten
Feuer sich wärmte und die Abendkost bereitete, hörte er plötzlich ein
Jammern vor dem Hause und vernahm deutlich die Worte:
„Da liegt unsre schöne Kuh,
Sie ist todt, ja todt.“
Gleich darauf kam ein wunderschönes Weib in die Hütte und sprach \
„Du hast uns eine ]Kuh getödtet, desshalb will ich dich in Stücke
zerreissen.“ Der Jäger erwiderte aber ohne sich lange zu besinnen:
^Und ich erschiesse dich.“ Da fürchtete sich die Fanga doch ein
wenig und sprach: „Diesmal will ich dir noch nichts zu Leide 4 thun,
aber wenn du noch in Zukunft eine unserer Kühe födtest, dann Wehe
dir! Doch komme in unsern Stall, dann kannst <fu sehen, wo uns die
Kuh abgeht. “ Der Schütze folgte den Worten der Fanga und gieng
1} In dieser Sage sind die Saligen Fräulein mit den wilden, menschen¬
feindlichen Fanggen verquickt. Der baumzersplitternde Gürtel begegnet
als Geschenk beleidigter Elbinnen öfters. Meier S. 69.
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