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40* Vom Fraueii$ftelvi.
Zwischen Kropf buhl und Unterastleü , im Stinker genannt, wohn¬
ten vor Zeiten wilde Fräulein. Sie hatten sich dort eine neun Stufen
tiefe Höhle gegraben. Auch hatten sie einen eigenen Stein , auf dem
sie sich sehen Hessen, und der desshalb Frauenstein hiess. Man sah
sie oft auf demselben sitzen, wie sie ihre blonden Haare kämmten und
schöne Lieder sangen. Nahte sich ihnen ein Mensch, so zogen sie
sich schnell in ihre Höhle zurück. Ebenso hausten auch zwischen dem
Franzenhaus ( bei Huben) und V lat egg wilde Fräulein *). (Oetzthal.)
41. Die Nage vom Schlaraffenlandes
Das Schlaraffenland liegt zwischen Kr and bei Längenfeld und
Burgstein. Einst sangen nicht weit von Brand sieben wilde Frauen
ihr Lied; da wollte ein Bursche, der es hörte, sich ihnen nähern,
allein alle waren im Nu verschwunden. Der Getäuschte schaute nach
der Richtung, in der sie entflohen waren, pnd sah eine grosse Thüre
geöffnet, und durch diese erblickte er eine weite, herrliche Landschaft.
Da standen auf den üppigen Fluren die herrlichsten Bäume, an denen
köstliche Früchte hiengen; ,That und Hügel waren reich überwachsen,
und zwischen Aeckern lachten stattliche Dörfer und prächtige Städte.
Der Bursche wollte das schöne Land betreten , allein die Frauen kämpf¬
ten gegen ihn, und endlich wurde das Thor vor seinen Augen ge¬
schlossen. Später konnte er den Eingang nicht mehr finden. Diese
herrliche Landschaft wurde von Wanderern, die noch spät auf dem
Wege waren, öfters gesehen. (Oetzthal.)
43« Wilde Fräulein In Sölden.
In der Gamslecke oberhalb Sölden ist noch eine geräumige Fel¬
senhöhle, welche die Fräuleinhöhle heisst. Diese soll in grauer Vor¬
zeit von kleinen, netten Weiblein, die man jetzt gewöhnlich die wilden
Fräulein heisst, Bewohnt gewesen sein. Alte Leute erzählen jetzt nochj
1) Vrgl. Grimm Mth. S. 390. Geber Frauenstein siehe Müller S. 94.
Wolf Bt. Il, S. 277. Anderswo heissen derartige Steine „FratTHoIcfa-*
steine“ s. Panzer II, S. 115. Wolfs Zt. 1, S. 24. Mannhart S. 2&L
Wolf hess. Sg. S. 10. Vrgl. auch Hockers Abhandlung: der Chrim-
hildespil bei Rentrisch S, 4 u. JU-G