Drittes Kapitel, ß Z. Die „Leil>cigciischafts"aufhebung.
Erhaltungslast in betreff der Wohn- und Wirtschaftsgebäude
unterthäniger Wirte, sowie zur Unterstützung der letzteren bei
Mißwachs und in anderen Notfällen nochmals ausdrücklich fest¬
gestellt und den Kreisämtern eingeschärft, darauf zu sehen, daß die
Obrigkeiten derselben auch nachkämen
Dasselbe Gesetz verbot die Abstiftung uneingekaufter Nustikal-
wirte aus anderen Gründen als bei erbeigentümlichen Besitzern
ihrer Stellen. Namentlich sollte die Verweigerung des Einkaufs
selbst dann nicht zur Abstiftung führen, wenn ein anderer Kauf¬
lustiger sich zur Stelle meldetet
Das so geschaffene lebenslängliche Nutzungsrecht der unein-
gekauften Nustikalisten wurde schließlich auch zu einem ick intss-
wto vererblichen gemacht. Die Hofverordnung vom 11. Mai
1789 spricht nämlich von einer gesetzlichen Vererbung sowohl
ein- wie unemgekaufter Stellend
Diese Losung der Einkaussfrage wäre wohl den bäuerlichen
Besitzern die am meinen erwünschte gewesen. Denn sie gab ihnen
eine lebenslängliche und vererbliche, nur in gesetzlich bestimmten
Fällen entziehbare Nutzung ihrer Gründe, ohne die Lasten des
Erbeigentums. Die Freiheit von den letzteren aber wog bei
weitem den Mangel der Einschuldungssähigkeit, sowie der Ver¬
fügung über die Stelle auf.
Bei dieser gesetzlichen Regelung ist es jedoch nicht geblieben.
Die Vererblichkeit der uneingekansten Stelle ist vielmehr, wie
später gezeigt werden wird, in der nachjosefinischen Zeit wieder
beseitigt worden.
s 3. Die „Leibcigellschafts"aufhebung.
Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein hat
sich der Staat um das ganze Gebiet der persönlichen Rechts-
Verhältnisse der unterthänigen Bevölkerung garnicht gekümmert.
t ll 403 (Hosd. vom 7. Januar 178S); vgl. auch Roth-Blasek
a. a. O. I 64 f.
2 Vgl. II 411 und Roth-Blasek a, n. O. I 68.