RÜCKBLICK und SCHLUSS.
erfen wir einen Blick zurück! Wir sahen den ersten Künstler aus der
Familie der Asam noch vollständig' im Banne der italienischen Kunst,
den erst die Gebrüder Cosmas und Egid zu durchbrechen wagten, —
ich erinnere an Aldersbach; wir sahen diese dem französischen Einflüsse des Hotes
folgen, ohne jedoch in eine Nachahmung zu verfallen. Ihr künstlerisches Selbst-
bewusstsein drang siegreich durch und unterwarf die fremden Formen dem eigenen
Geiste. Welch' grosser Unterschied waltet hierin zwischen der Kunst unserer i
Meister und jener des Hofes, die uns ganz die Herrschaft des französischen Zeit¬
geschmacks zeigt, dem französische Meister selbst, wie Cuvillies, Dubut oder auch
einheimische, die aber ihr Deutschtum im fremden Lande vergessen hatten, wie
Effner, Rechnung tragen mussten. Wohl begegnen wir einer grossen Anzahl
einheimischer Künstler bei den Arbeiten des Hofes, doch nicht als leitende Meister,
sondern zumeist als ausführende »Handwerker«, die nach den Rissen der Fremden
arbeiten mussten. Anders aber verhält es sich mit der kirchlichen Kunst.
Wird hier uns dieser oder jener als der Stukkator einer Kirche genannt, so
haben wir in ihm auch den geistigen Urheber des Entwurfs zu sehen. Vorwiegend
Gesellenhand aber führte ihn aus. Und ähnlich verhielt es sich mit der Malerei.
Wie konnte es anders bei der Grösse jener gewaltigen Fresken sein, als dass eine
Anzahl Gehilfen den Meister unterstützte, Gehilfen, die aus dieser praktischen
Schule wiederum als Meister hervorgingen und jene oft bei weitem übertrafen,
wie z. B. die oben genannten Matthseus Gyndter ijnd Thomas Schäffier. Im Dienste
der Kirche fand der heimische Künstler neben reichem Lohn aber auch grossen
Ruhm, wie er am Hofe gewöhnlich nur den Fremden zu teil ward.
Unsere Künstler sehen wir nur selten zu Hof gehen; im Dienst der Kirche
selbst als Meister zu schaffen scheint ihnen besser behagt zu haben als sich den
Befehlen der höfischen Meister unterzuordnen, ihrem gläubigen Gemüte gewährte
die Auszierung einer Kirche eine grössere Befriedigung als die eines prunkenden
Saales. Und so ist ihr Nachruhm zunächst durch ihre Leistungen auf dem Gebiete
der kirchlichen Kunst begründet , mit deren Geschichte ihr Name unlösbar ver-